Patient und Therapeut am Hand-Ergometer.
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St. Camillus in Ursberg kümmert sich um Menschen mit geistigen oder mehrfachen Behinderungen.
Bildrechte: Georg Drexel/DRW
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St. Camillus in Ursberg kümmert sich um Menschen mit geistigen oder mehrfachen Behinderungen.

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Schwaben: Kleines Krankenhaus – großer Wandel

Schwaben: Kleines Krankenhaus – großer Wandel

St. Camillus in Ursberg im Landkreis Günzburg ist besonders: Mit 28 Betten zählt es zu den kleinsten Krankenhäusern Deutschlands. So rüstet es sich für die Krankenhausreform.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Schwaben am .

Seit 120 Jahren kümmert sich das Krankenhaus im schwäbischen Landkreis Günzburg um Menschen mit einer geistigen oder mehrfachen Behinderung. Doch es steht vor einer der umfassendsten Veränderungen seiner Geschichte – durch die Krankenhausstrukturreform des Bundes.

Kliniken sollen sich spezialisieren

Statt ein möglichst breites Spektrum an Gesundheitsleistungen anzubieten, sollen sich Kliniken künftig spezialisieren. Ziel ist es, die Qualität einzelner Behandlungen zu steigern. Um finanziellen Druck zu nehmen, wird zudem nicht mehr nur über Fallpauschalen abgerechnet.

Kliniken stehen trotzdem vor Herausforderungen: Sie müssen spezielle Qualitätsvorgaben erfüllen, was auch entsprechendes Personal einschließt. Dabei herrscht vielerorts Fachkräftemangel, kleineren Häusern droht die Schließung.

Neue Station für Krumbach

Martin Riß suchte nach einer Lösung für St. Camillus: "Wir sehen ja die Not. Ich kriege immer wieder Anrufe und Bitten von Angehörigen, ob Menschen mit hohem Hilfebedarf hier betreut werden können", so der geistliche Direktor des Dominikus-Ringeisen-Werks.

Menschen mit geistiger Beeinträchtigung können oft nicht ausdrücken, was ihnen fehlt oder wo es genau schmerzt. Ärzte und Pflegepersonal sind auf diese Zielgruppe eingestellt. Rund 400 Patientinnen und Patienten werden jährlich in der somatischen Abteilung, die sich um körperliche Erkrankungen kümmert, behandelt. Sie soll nun als Station in Krumbach neu entstehen und dort den Krankenhausstandort stärken. St. Camillus in Ursberg wird sich dagegen auf die Psychiatrie spezialisieren und in dieser Abteilung zusätzliche Plätze aufbauen.

Wunsch an die Krankenkassen

Unklar ist derzeit noch die Finanzierung. Man verhandle mit den Krankenkassen, so Robert Wieland, der Vorstand der Kreiskliniken Günzburg-Krumbach. "Die Behandlung ist häufig komplex. Wir brauchen mehr Spezialisten. Menschen mit Behinderung müssen meist auch länger versorgt werden. Die klassische Krankenhausvergütung reicht dafür oft nicht aus", sagt Wieland.

Auf der neuen Station soll es einen sogenannten "Snoezelenraum" geben, der mit bequemen Sitz- und Liegegelegenheiten und einem Lichtkonzept die Patienten beruhigen soll. Die Zimmer bekommen auch "Klöntüren", bei denen man die obere Hälfte des Türflügels öffnen kann. So sollen sich die Patienten nicht allein in ihren Zimmern fühlen, sondern über den Hausflur stärker in Kontakt zum Personal auf der Station bleiben.

Kompetenznetz für Menschen mit Behinderung

Die Standorte Krumbach und Ursberg haben diese Woche gemeinsam das Kompetenznetz "InkluMed" gegründet – es steht für Inklusive Medizin. Mit Partnern wie dem Universitätsklinikum Augsburg oder der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg soll vor allem auch ein Wissenstransfer stattfinden. Alle Beteiligten hoffen auf einen Leuchtturmeffekt, der auf den ganzen süddeutschen Raum ausstrahlen soll.

"Wir finden ähnliche medizinische Zentren für Menschen mit Behinderung deutschlandweit erst in Hamburg oder Hannover", sagt Hans Reichhart, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Kreiskliniken Günzburg-Krumbach. Dass die Chancen auf eine gute Behandlung steigen, freut diejenigen, die es am meisten betrifft: "Es ist schön, dass Menschen mit Behinderung in der Medizin einen wichtigeren Stellenwert haben", sagt zum Beispiel Helmut Wieser.

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