Für Nadine Scheyer ist ein besonderer Tag. "Heute ist Startschuss für die Inbetriebnahme dieser Wassertankstelle", sagt die Leiterin der Schweinfurter Kläranlage und deutet auf einen unscheinbaren Hydranten neben dem Betriebsgelände. Verbunden ist er unterirdisch mit einem extra gebauten Wassertank.
In diesem wird besonderes Wasser gespeichert: aufbereitetes Abwasser, das zwar nicht zum Trinken, aber zum Bewässern geeignet ist. "Herausforderung ist, dass die Wasserqualität natürlich immer gegeben ist. Das ist unser größter technischer Anspruch."
Herkömmliche Kläranlagen reinigen nicht ausreichend
Denn normalerweise ist Wasser nach der Aufbereitung in der Kläranlage alles andere als sauber. "Der gereinigte Kläranlagenablauf enthält immer noch diverse Spurenstoffe und Pathogene," erklärt Markus Büttner, der als Umweltingenieur das Projekt betreut. Würde man dieses Wasser zur Bewässerung benutzen, könnten sich Arzneimittelrückstände oder Industriechemikalien im Boden anreichern.
Damit das hier nicht passiert, wird das Wasser in weiteren Reinigungsstufen gesäubert: Mit Ozon und UV-Strahlen wird das Wasser desinfiziert, außerdem durch einen Aktivkohlefilter gereinigt. So entsteht eine Wasserqualität, die besser ist, als es die EU für Bewässerung vorsieht. Zum Trinken ist das Wasser jedoch nicht gedacht.
Markus Büttner kontrolliert täglich, ob die Aufbereitung auch richtig funktioniert. An einem Bildschirm sieht er, ob Ozonung und die UV-Desinfektion kontinuierlich gelaufen sind und der Durchfluss gleichmäßig war. "In dem Fall ist alles in Ordnung." Die Anlage hat auch einen Abschlagmechanismus und würde das Wasser bei einem Problem wieder zurück in die Kläranlage fließen lassen. Begleitet von wissenschaftlichen Projekten wurden über Jahre Testungen vorgenommen, um eine gleichbleibende Qualität sicherzustellen. Und auch weiterhin wird das Wasser regelmäßig ins Labor geschickt und beispielsweise auf Krankheitserreger oder Korrosionsschutzmittel getestet.
Kläranlagen müssen aufrüsten
Ohnehin wird es in den kommenden Jahrzehnten notwendig werden, Kläranlagen in der EU mit der sogenannten "4. Reinigungsstufe" aufzurüsten, um das Ökosystem nicht mehr mit Medikamentenrückständen und Chemikalien aus Kosmetik zu belasten. Die Wasserverantwortlichen in Schweinfurt gehen aber noch einen Schritt weiter: Hier wird so aufbereitet, dass man das Wasser gleich an Ort und Stelle wiederverwenden kann. Statt es nach dem herkömmlichen Klärvorgang über den Fluss ins Meer zu leiten, sodass das Wasser der Region verloren geht.
"Abwasser ist immer verfügbar, egal, ob es Niederschläge gab oder wir sonst was zurückhalten können, oder ob der Main uns Wasser entnehmen lässt", sagt Nadine Scheyer. Das mache es so besonders, gerade auf der Fränkischen Trockenplatte. "Dass wir da einfach handlungsfähig bleiben, um unsere Stadt klimaresilient und grün zu erhalten, in Hitze und Dürrezeiten."
Die Vision wäre, dass das aufbereitete Wasser auch in der Landwirtschaft verwendet wird – und sich so auch Grundwasser neubilden kann.
Aufbereitung wird Geld kosten
Damit die Wiederaufbereitung im großen Stil funktioniert, bräuchte es an vielen Kläranlagen so eine Aufbereitung. Theoretisch wäre das auch möglich, aber: Es ist ein großer Aufwand und kostet Geld. Dahingegen ist Flusswasser oder Grundwasser umsonst.
"Wenn es sehr einfach wäre und auch kostengünstig, würde man es wahrscheinlich schon haben", sagt Scheyer. "Man braucht Infrastruktur, man braucht ein Verteilungsnetz." Die Frage werde sein, wie Wasseraufbereitung in Zukunft finanziert wird. Die Kläranlage Schweinfurt hatte als Pilotprojekt das Glück, Fördermittel zu bekommen.
Für Nadine Scheyer ist aber völlig klar, dass Wasserwiederverwendung in Zukunft eine größere Rolle spielt. Denn Trinkwasser sei ein hohes Gut und solle besser geschützt werden, so die Betriebsleiterin der Schweinfurter Kläranlage.
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