Privatpools befüllen, Autos außerhalb von Waschanlagen waschen und Rasenflächen bewässern – all das ist seit vergangener Woche in München verboten. Mit der Allgemeinverfügung will die Stadt ihren Trinkwasserverbrauch senken. Der Appell zum freiwilligen Sparen hat nicht gereicht: Der Verbrauch sei trotz der angespannten Lage wieder gestiegen, sagte Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) im BR24-Interview. Die Verfügung ist zunächst bis zum 1. August befristet.
Grundwasser in Bayern auf niedrigem Niveau
Die Stadtwerke München (SWM) gewinnen ihr Trinkwasser überwiegend im Mangfalltal, das rund 75 Prozent des Bedarfs deckt. Derzeit liefern die Quellen südöstlich der Landeshauptstadt deutlich weniger. Laut Landesamt für Umwelt (LfU) sind in ganz Bayern rund 70 Prozent der Grundwasserstände niedrig. Harald Kunstmann, Klimaforscher und Hydrologe, erklärt: "Seit 20 Jahren beobachten wir den Trend, dass es zu weniger Grundwasserneubildung kommt." Seit diesem Winter kommt ein deutliches Niederschlagsdefizit hinzu – seit 1881 hat es im Frühjahr nicht mehr so wenig geregnet. Gleichzeitig ist der Trinkwasserverbrauch durch die Hitze gestiegen: München liegt etwa 20 Prozent über dem normalen Tageswert.
Warum Sommergewitter nicht reichen
In den vergangenen Tagen hat es in München und Teilen Bayerns immer wieder gewittert und es soll vorerst milder bleiben. Entwarnung gibt das laut LfU aber nicht: Ein paar Sommergewitter gleichen den Wassermangel nicht aus. Für das Grundwasser ist entscheidend, dass Wasser langsam im Boden versickert. Starkregen auf ausgetrocknete Böden läuft oft oberflächlich ab und nützt dem Grundwasser kaum.
Das LfU rechnet frühestens im kommenden Winterhalbjahr mit Entspannung – und auch nur dann, wenn dieser Zeitraum außergewöhnlich niederschlagsreich ausfällt. Nur so könnten sich die Grundwasservorräte wieder nachhaltig auffüllen.
Klimawandel: Weniger Schnee, mehr Verdunstung
Kunstmann sieht im Klimawandel die zentrale Ursache für die Veränderungen im Wasserhaushalt: "Solange wir die globale Erwärmung nicht in den Griff bekommen, schreiten die Veränderungen des Wasserhaushalts rasant fort." Die Gesamtmenge der Jahresniederschläge in Bayern habe sich bisher zwar kaum verändert, wohl aber ihre Verteilung: Die Sommer werden trockener, die Winter etwas feuchter – problematisch für die Grundwasserstände. Denn Grundwasser bilde sich besonders effektiv am Ende des Winters, wenn Schneedecken langsam schmelzen und Wasser tief in den Boden einsickert. Durch die Erwärmung fällt weniger Schnee und mehr Regen, der schneller in Flüsse abfließt. Gleichzeitig steigt mit höheren Temperaturen die Verdunstung, im Alpenraum sogar stärker als im globalen Durchschnitt. So erreicht insgesamt weniger Wasser die tieferen Bodenschichten.
Wichtig ist es laut Kunstmann, dass deutlich mehr Niederschlagswasser großflächig im Boden versickern kann. Dafür müssten Flächen in Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Städten anders gestaltet werden. Heute seien viele Oberflächen versiegelt, Entwässerungssysteme leiten Regen aus Sorge vor Überschwemmungen schnell ab. Stattdessen sollten solche Wassermengen häufiger aufgefangen und kontrolliert in den Boden geleitet werden.
Wassersparen: Notfallmaßnahme, aber nicht die Lösung
Professor Jörg E. Drewes von der TU München, Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft, sagte im BR24-Interview: Wassersparen allein sei keine nachhaltige Lösung. Die Allgemeinverfügung sei eine Notfallmaßnahme, um die Trinkwasserversorgung kurzfristig zu regulieren. Stattdessen solle Trinkwasser nicht für jeden Zweck eingesetzt werden. Für städtisches Grün, Autowäsche oder landwirtschaftliche Bewässerung könnten andere Wasserquellen wie aufbereitetes Wasser oder Regenwasser genutzt werden – viele Länder praktizieren das bereits.
Mehr Transparenz: Wasserbedarf und Pegel besser erfassen
Auch der Wasserbedarf müsse für eine gezielte Nutzung genauer erfasst werden – ähnlich wie im Energiesektor, sagt Drewes. Für mehr Transparenz könnten Systeme wie das bundesweite Niedrigwasser-Informationssystem NIWIS (externer Link) sorgen: Es informiert über Niederschläge, Pegel- und Grundwasserstände und macht so nachvollziehbar, warum Kommunen Wassersparmaßnahmen verhängen und ob sich die Lage nach Regen entspannt. Bis dahin wird es dauern – umso wichtiger ist, wie bewusst München und andere Kommunen mit dem knappen Wasser umgehen.
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