Die Stadt München macht Ernst im Kampf gegen die Wasserknappheit: Nachdem sie zunächst nur darum gebeten hatte, Wasser einzusparen, gilt seit dem 14. Juli eine Allgemeinverfügung. Diese untersagt bestimmte Arten der Wassernutzung, etwa das Befüllen von Pools oder Badebecken und das Bewässern von Rasenflächen. Hecken, Zierpflanzen und Beete dürfen nur noch zu bestimmten Uhrzeiten gegossen werden.
Betroffen sind private Haushalte, die gewerbliche Nutzung bleibt erlaubt. Ziel sei es, so Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne), den Verbrauch um etwa 20 Prozent zu senken.
BR24 hat in Gesprächen und Anfragen beim Münchner Oberbürgermeister, mit den Stadtwerken und dem zuständigen Referat für Klima und Umweltschutz die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengetragen.
Warum sind nur Privathaushalte von der Allgemeinverfügung betroffen?
Die Stadt geht davon aus, dass bei Befolgung der Allgemeinverfügung eine erhebliche Menge Trinkwasser eingespart werden kann. Die konkrete Ausgestaltung der Allgemeinverfügung würde dazu beitragen, dass die Maßnahmen verhältnismäßig seien. Tatsächlich geht die Stadt, basierend auf Verbandszahlen, davon aus, dass die privaten Haushalte in München etwa zwei Drittel des Wasserverbrauchs ausmachen, Industrie und Gewerbe nur ein Drittel.
Warum dürfen Autowaschanlagen weiterlaufen?
Autowaschanlagen werden gewerblich betrieben und sind damit von der Allgemeinverfügung nicht betroffen. Außerdem ist deren Wasserverbrauch, der Branche zufolge, nicht so hoch, wie von Laien möglicherweise angenommen. Der Geschäftsführer des Bundesverbands Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche Deutschland e.V, Thomas Drott, betonte im Gespräch mit Bayern 3, "in den Autowaschanlagen werden mindestens 90 Prozent des Wassers recycelt und wieder eingesetzt".
Das Wasser in den Waschanlagen befindet sich, so Drott, in einem Kreislauf. "Das Wasser wird komplett wieder aufbereitet". Dass überhaupt Wasser verloren gehe, liege an der Verdunstung und daran, dass "Wasser am Fahrzeug ausgeschleppt werde". Von den 150 bis 300 Litern Wasser, die pro Fahrzeug in den unterschiedlichen Waschanlagentypen eingesetzt würden, werden also pro Waschgang höchstens 15 bis 30 Liter frisches Wasser benötigt.
Woher kommt das Trinkwasser in München?
München bezieht sein Trinkwasser aus drei verschiedenen Quellen. Der Hauptteil mit etwa 75 Prozent kommt aus dem Mangfalltal, weitere 15 Prozent aus dem Loisachtal. Diese beiden höher als München liegenden Quellen haben den Vorteil, dass ohne den Einsatz von Pumpen das Wasser in die Stadt fließen kann. Außerdem betreiben die Stadtwerke in der südlichen Münchner Schotterebene Pumpen, die bei Bedarf zusätzliches Grundwasser gewinnen können. Sie sorgen im Schnitt für die restlichen zehn Prozent des Trinkwassers.
Grafik: So bekommt München sein Trinkwasser
Grafik: So bekommt München sein Trinkwasser
Wie viel Wasser fehlt in München wirklich?
Rein technisch gesehen fehlt gar kein Wasser. Allerdings liefere das Mangfalltal wegen der anhaltenden Trockenheit aktuell nur 60 bis 70 Prozent der üblichen Fördermenge, so Münchens OB Krause. Gleichzeitig liege der tägliche Verbrauch mit 370 Millionen Litern bei rund 20 Prozent über dem üblichen Wert von 300 Millionen Litern. Die Brunnen der Stadtwerke könnten das zwar technisch ausgleichen, doch ist die Förderung mit Wasserrechten verbunden, die auch andere Belange berücksichtigen – den Umweltschutz etwa oder eine mögliche, zu tiefe Absenkung des Grundwasserspiegels.
Die Wasserentnahme ist durch Wasserrechte geregelt und aus Sicht der Stadt ist die aktuelle Situation nicht so dramatisch, dass eine Ausnahmegenehmigung für eine zusätzliche Förderung von Grundwasser beantragt werden müsste. Ehe die Wasserhähne trockenfallen, würden solche Maßnahmen aber wohl erwogen.
Welche Strafen sind wofür vorgesehen und wie sollen Kontrollen ablaufen?
Grundsätzlich gilt laut Referat für Klima und Umweltschutz, dass die städtischen Mitarbeitenden im Außendienst sowie die Polizei bei Verstößen zunächst über die neuen Regelungen aufklären. Über die Einleitung eines Bußgeldverfahrens und die Höhe des Bußgelds wird im Einzelfall entschieden. Im Einzelfall können Strafen bis zu 50.000 Euro verhängt werden.
Den Vorwurf des Aktionismus wies Oberbürgermeister Krause zurück. Er müsse auf die Fachleute hören, die eine klare Warnung ausgesprochen hätten: "Achtung, wir laufen hier in eine wirklich gefährliche und kritische Situation rein, dann muss ich als Oberbürgermeister hier auch eine Handlung vornehmen." Er hoffe, die Maßnahme so schnell wie möglich wieder zurücknehmen zu können, sobald der Verbrauch sinkt.
Was soll ein Bewässerungsverbot von 9 bis 19 Uhr bringen, wenn man danach genauso viel Wasser verbrauchen kann?
Zum einen ist der Stadt an einer effizienten Nutzung des Wassers gelegen – tagsüber verdunstet einfach viel vom gegossenen Wasser. Vor allem aber ist es nicht egal, wann das Wasser verbraucht wird. Denn der Zufluss aus Mangfall und Loisach ist gleichmäßig, der Verbrauch aber nicht. Morgens und abends kommt es zu Verbrauchsspitzen. Um diese abzudecken, hat die Stadt Rückhaltebecken gebaut, die sich nach den Verbrauchsspitzen wieder füllen müssen. Verzichtet man in dieser Zeit auf das Gießen, lassen sich die Verbrauchsspitzen eindämmen.
Darf man Balkonpflanzen gießen?
Kurze und klare Antwort: Ja, anders als im Garten rund um die Uhr.
Wie schätzen Experten die Maßnahmen ein?
Die aktuellen Wasserverbote in München und anderen Kommunen sind nach Einschätzung des Wasserexperten Jörg Drewes von der Technischen Universität München ein Vorgeschmack auf die Zukunft. "Was wir erleben, ist das neue Normal, und das neue Normal kommt auch mit einer ganz neuen Qualität von Risiken und Unsicherheiten", sagte Drewes, der auch Sprecher einer Expertenkommission der Staatsregierung zum Thema Wasser war, im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk im BR Fernsehen.
Die Trinkwasserversorgung in München sei zwar nicht akut gefährdet, die Lage aber angespannt, so Drewes. Grund für die Verbote seien vor allem sogenannte Spitzen im Wasserbedarf, wenn viele Leute gleichzeitig den Hahn aufdrehten. Deshalb würden nun bestimmte Nutzungen eingeschränkt – etwa solche, "auf die man auch verzichten kann". Kurzfristig können die Verbote laut Drewes Entlastung bringen, reichen aber nicht aus. Stattdessen wünscht sich der Experte einen nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser.
Im Video: Wassermangel - Wie ernst ist die Lage?
Wassermangel: Wie ernst ist die Lage?
Im Interview: Prof. Jörg Drewes zum Wassermangel
Prof. Jörg Drewes zum Wassermangel
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