Es wäre ein Leichtes für das Sams, das Problem zu lösen: Ein Wunschpunkt würde genügen und das Museum wäre da. Egal wo. Nach der eigentlich beschlossenen Sache für ein Paul-Maar-Museum versucht nun eine Bürgerinitiative, alles wieder zu stoppen. Begründung: Die Kosten, die mangelnde Transparenz für Bürgerinnen und Bürger und der Wegfall von Räumlichkeiten für Vereine.
- Zu den Lebenslinien: Paul Maar – Das Sams und ich
Bürgerinitiative hat zwei Jahre lang gewartet
Die Gebäude sind da. 2024 stimmte der Stadtrat einstimmig für ein Paul-Maar-Museum. Die Fachplaner haben bereits ihre Arbeit zu Ausbau und Sanierung aufgenommen. Die Förderungen von verschiedenen Stellen in Höhe von 80 Prozent, rund sechs Millionen Euro, sind reserviert. Paul Maar selbst hat mit der Universität Bamberg 5.000 seiner Bestandsstücke im Wert von 500.000 Euro inventarisiert, die er dem zukünftigen Museum zur Verfügung stellen wird.
Nun will die Bürgerinitiative "Bürgerbegehren Museumsstopp" eine Abstimmung der Bürger dazu. Sie hat 840 Unterschriften gesammelt und am 15. September der Stadt übergeben. Mit dem Bürgerbegehren "Dein Hallstadt. Deine Entscheidung. Wir sagen JA zum Museumsstopp" will sie per Bürgerentscheid die Einrichtung verhindern.
Paul Maar selbst bleibt zuversichtlich
Im Moment bekommt der 88-Jährige Paul Maar von vielen Journalisten aus ganz Deutschland Besuch, die seine Sichtweise dazu wissen wollen. Und unweigerlich stellt sich die Frage: Hat der Mann diese Diskussion um eine Erinnerung an all seine bunten und auch ernsten Geschichten verdient?
Paul Maar ist einer der erfolgreichsten Kinder- und Jugendbuchautoren in Deutschland. Er wurde in Unterfranken geboren, doch seine Großeltern lebten in Hallstadt. Von daher hat Maar eine besondere Beziehung zu dem Ort. "Ich habe mich sehr gefreut, als ich von dem geplanten Paul-Maar-Museum hier erfahren habe. Welchem Künstler, welchem Autor geschieht es, dass er schon zu seinen Lebzeiten ein eigenes Museum bekommt?", sagt Paul Maar mit einem Lachen.
Umso schlimmer die Erkenntnis, dass eine Bürgerinitiative, zwei Jahre nach der Entscheidung, das Museum stoppen will. Ein wirkliches Aus für das Museum wäre für Maar selbst "eine große Enttäuschung". Er sei jedoch zuversichtlich, dass es ein Museum geben werde.
Baustart auf Maars 90. Geburtstag geplant
Entstehen soll das Paul-Maar-Museum direkt im Ortskern. Zwei Anwesen sind dafür vorgesehen, eines davon ist bereits weitgehend restauriert. Schon jetzt ist klar, dass Teile der Ausstellung "Samselsurium" im Hallstadter Museum einen Platz finden sollen – darunter auch die Wunschmaschine, der Regenschirm-Generator und viele Original-Illustrationen von Paul Maar.
Geplant war die Eröffnung des neuen Museums zum 90. Geburtstag von Paul Maar am 13. Dezember 2027. Jetzt will die Stadt zumindest den Baustart auf dieses Datum legen.
Paul Maar ist Illustrator, Übersetzer, Drehbuch- und Theaterautor. Seine bekanntesten Geschichten drehen sich um das freche, vorlaute Fabelwesen Sams und Herrn Taschenbier, den "adoptierten Papa" des Sams. Aber Maar ist mehr. Unter den archivierten Dingen befinden sich auch Fotos mit den Jazzgrößen Keith Jarrett und Jan Garbarek, für die Maar ein Schallplattencover gestaltet hat.
Berühmt berüchtigt: Der Sams von Paul Maar
Die Tragweite ist groß
In einer Pressemitteilung der Bürgerinitiative heißt es: "Uns geht es nicht darum, das Werk Paul Maars infrage zu stellen. Wir stellen die Frage, ob ein eigenes Museum mit hohen Investitions- und dauerhaften Folgekosten die richtige Entscheidung für Hallstadt ist."
Fakt ist: Die Folgekosten beziffert Bürgermeister Thomas Söder (CSU) auf jährlich rund 150.000 bis 180.000 Euro, das seien 0,5 Prozent des Hallstadter Haushalts. Das Freibad benötige jährlich rund eine Million Euro an Unterhalt, zieht der Bürgermeister einen Vergleich. Die Bürgerinitiative ist jedoch der Meinung: "Hohe finanzielle Förderungen allein dürfen nicht darüber entscheiden, ob ein Projekt verwirklicht wird". Fakt ist aber auch, dass die beiden Häuser der Stadt gehören und saniert werden müssen.
Am 07. Oktober wird der Stadtrat über den Stand des Bürgerbegehrens informiert. Kommt es zum Bürgerentscheid, muss der innerhalb von drei Monaten durchgeführt werden. Dabei stimmen die Bürger direkt mit einem "Ja" oder "Nein" ab.
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