Die Zahlen sind immer noch groß: Die Erzdiözese München und Freising hat 2025 rund 630 Millionen Euro an Kirchensteuermitteln eingenommen – 15 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Insgesamt lagen die Erträge bei rund 920 Millionen Euro. Ausschlaggebend dafür seien unter anderem Zuschüsse der öffentlichen Hand in Höhe von 148 Millionen Euro. Diese habe das Erzbistum vor allem für den Betrieb von Schulen, den Religionsunterricht an staatlichen Schulen und den Betrieb der diözesanen Kindertagesstätten erhalten.
Unter dem Strich stand daher – nach Aufwendungen in Höhe von 897 Millionen Euro – ein Jahresüberschuss von rund 74 Millionen Euro. Dieser fiel allerdings nur halb so hoch aus wie 2024 und ist nach Angaben des Erzbistums auch auf Einmaleffekte zurückzuführen.
Erzbistum München bereitet sich auf weniger Geld vor
Noch sieht Generalvikar Christoph Klingan keine Finanzprobleme. Die finanziellen Spielräume würden jedoch kleiner. Gründe seien die anhaltenden Kirchenaustritte und die wirtschaftliche Entwicklung. Allein im Jahr 2025 traten in den katholischen Bistümern im Freistaat rund 82 000 Menschen aus der katholischen Kirche aus. Gleichzeitig steigen die Ausgaben – etwa für Personal, Pensionen, Gebäude und die Inflation.
Für 2026 plant das Erzbistum bereits mit einem Defizit von zwölf Millionen Euro, das durch zweckgebundene Rücklagen ausgeglichen werden soll. "Wir können aber nicht alles weiterführen wie bisher, Konzentration und Schwerpunktsetzung sind ein Gebot der Stunde", sagte Klingan.
Sparen im Personalbereich und bei Immobilien
Einsparen will die Erzdiözese vor allem bei der Neueinstellung von Personal und Immobilien. Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden, wie Klingan betont. Ob Stellen jedoch wiederbesetzt würden, wenn jemand in den Ruhestand gehe, darüber müsste von Fall zu Fall entschieden werden.
Im Bereich Immobilien soll ein Pilotprojekt "Immobilien und Pastoral", das bislang in zwei Dekanaten läuft, bis 2031 auf alle 18 Dekanate ausgeweitet werden. Dort soll geprüft werden, welche Kirchen, Pfarrheime und weiteren Gebäude künftig noch benötigt, gemeinsam genutzt oder verkauft werden können. Hintergrund ist der große Gebäudebestand. Rund 3.600 pastoral genutzte Gebäude gehören den Kirchenstiftungen. Für ihren Unterhalt zahlt das Erzbistum jährlich rund 50 Millionen Euro Zuschuss.
Schulen und Seelsorge bleiben Schwerpunkte
Trotz des Sparkurses will das Erzbistum nach eigenen Angaben an wichtigen Angeboten festhalten. "Es geht nicht um Rückzug aus der Fläche", sagte Generalvikar Klingan. Die Kirche wolle dort präsent bleiben, wo Menschen Gott suchten oder Hilfe bräuchten. Als Beispiel nannte er die Telefonseelsorge.
Auch in Bildung soll weiter investiert werden. Mehr als 11.000 Kinder besuchen eine der 25 Schulen in Trägerschaft der Erzdiözese. Für das Schuljahr 2025/26 stiegen die Anmeldungen nach Angaben des Erzbistums im Schnitt um zehn Prozent.
Experte: Die eigentliche Herausforderung kommt erst noch
Akute Finanzprobleme sieht auch der Kirchenfinanzexperte Ralph Rotte von der RWTH Aachen derzeit nicht. Die großen Diözesen seien finanziell noch stabil. Langfristig drohten jedoch deutlich geringere Steuereinnahmen, wenn die Mitgliederzahlen weiter zurückgingen. Man müsse deshalb zwischen der aktuellen Finanzlage und den Herausforderungen der kommenden Jahre unterscheiden.
Mit dieser Entwicklung steht München nicht allein. Auch andere bayerische Bistümer rechnen wegen sinkender Kirchensteuereinnahmen und steigender Kosten mit Sparmaßnahmen oder Defiziten. So erwarten Bamberg, Würzburg und Passau für das laufende Jahr ein Minus, während Regensburg und Eichstätt ihre Haushalte derzeit noch ausgleichen können.
Mit Informationen von KNA und dpa
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