130 Bienenvölker stehen auf einer Wiese im Pfälzer Wald bereit für den Abtransport per Lastwagen.
130 Bienenvölker stehen auf einer Wiese im Pfälzer Wald bereit für den Abtransport per Lastwagen.
Bild
Der Transport der Bienen funktioniert nur nachts, wenn die Honigbienen in ihrem Stock sind.
Bildrechte: Tobias Hildebrandt / BR
Schlagwörter
Bildrechte: Tobias Hildebrandt / BR
Audiobeitrag

Der Transport der Bienen funktioniert nur nachts, wenn die Honigbienen in ihrem Stock sind.

Audiobeitrag
>

Sortenreiner Honig: Unterwegs mit dem Bienen-Laster

Sortenreiner Honig: Unterwegs mit dem Bienen-Laster

Für Tannen- oder Kastanienhonig ist großer Aufwand nötig: Ein Berufsimker aus Schwaben fährt seine Bienenvölker dafür durch halb Deutschland. Eine Herausforderung vor allem bei großer Hitze. Unterwegs mit dem Bienen-Lkw durch die Nacht.

Über dieses Thema berichtet: BAYERN 1 am Vormittag am .

Abends halb acht auf einer Wiese in einem kleinen Seitental im Pfälzer Wald: Berufsimker Achim Betz fährt die Laderampe seines Lkw herunter. Dreieinhalb Stunden hat die Fahrt aus Auhausen in Nordschwaben hierher gedauert und jetzt geht es erst richtig los – eine schlaflose Nacht steht dem Imker bevor.

Das Ziel: sortenreiner Kastanienhonig

130 seiner Bienenvölker hat er vor knapp zwei Wochen auf der Wiese abgestellt. Sie sollten Kastanienhonig sammeln. Denn in den Wäldern ringsum gibt es viele Edelkastanien – auch bekannt als Esskastanien. Der Standort ist optimal: Wenn die Kastanie blüht, gibt es in der Umgebung kaum andere Blüten. Die Honigbienen fliegen also fast ausschließlich zu den Kastanien.

So entsteht sortenreiner Honig. Natürlich wird die ein oder andere Biene auch zu einzelnen Blüten auf der Wiese fliegen, aber "sortenrein" bedeutet in Deutschland, dass der Honig zu 60 Prozent rein sein muss. "Wir erreichen aber meist Werte zwischen 95 und 98 Prozent", sagt Betz.

Hitze verschlechtert Ernte

Wie viel Kastanienhonig heuer zusammengekommen ist, wird sich erst daheim beim Schleudern zeigen. Die Erwartung? Eher gedämpft: "Es wird wohl eine unterdurchschnittliche Ernte sein", fürchtet der Imker. Der Grund: die Hitze. Statt zwei Wochen habe die Kastanienblüte nur eine Woche gedauert. Die Bäume hätten ihre Blüten früher abgeworfen.

Bienen leben kürzer

Und noch etwas fällt auf: Auf der Wiese liegen viele tote Bienen im Gras. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, denn Honigbienen werden im Sommer nur vier Wochen alt. Aber der Imker glaubt, es sind mehr als sonst: "Durch die Hitze sind die Bienen teilweise nur zwei Wochen alt geworden, weil sie so beschäftigt waren, das Volk zu kühlen." Kühlen heißt, die Bienen sammeln Wassertropfen und bringen sie in den Stock.

Bienentransport nur nachts

Der Bienentransport von Rheinland-Pfalz nach Bayern funktioniert nur nachts. Weil die Bienen dann in ihrem Stock sind. Doch bevor Betz die Holzkisten mit den Bienen und den hoffentlich vollen Honigwaben per Gabelstapler in den Lkw fährt, gibt es noch eine kalte Dusche – für die Bienen. Denn viele von ihnen hängen an diesem warmen Sommerabend in großen Trauben außen an den Bienenkästen. Drinnen ist es ihnen noch zu heiß.

Mit einer Gießkanne schüttet Betz Wasser auf die Insekten. So können sie das Wasser gleich in den Stock bringen. "Man sieht es schon, sie laufen jetzt rein", erklärt der Imker zufrieden.

Bienen brauchen Fahrtwind

Gut zwei Stunden rollt Betz dann mit dem Gabelstapler über die Wiese, bis alle Bienenkästen im Lastwagen sind. "Jetzt müssen wir los! Die Bienen brauchen jetzt Fahrtwind!", mahnt er zur Eile. Überhitzt ein Bienenvolk, können die Bienen im schlimmsten Fall sterben. Das sei ihm zum Glück noch nie passiert, sagt Betz. Der Lastwagen ist eine Spezialanfertigung: Mit Ventilatoren und luftdurchlässiger Lkw-Plane.

Honig-Ernte unterdurchschnittlich

Beim Schleudern wird sich später zeigen: Die Ernte ist tatsächlich unterdurchschnittlich. Im Schnitt 15 Kilo Kastanien-Honig pro Volk. Normal sind 20 bis 25 Kilo. Doch der Kastanienhonig hat einen sehr speziellen Geschmack und ist ein Nischenprodukt. Dementsprechend wenig produziert der Imker davon. Heuer sind es zwei Tonnen.

Bienen unterwegs bis Brandenburg und in den Schwarzwald

Insgesamt füllt seine Bio-Imkerei pro Jahr 100 Tonnen Honig ab. Betz hat mehrere Mitarbeiter und insgesamt 1.700 Bienenvölker. Die produzieren viel Wald- und Blütenhonig in der Region um Auhausen, sind aber eben auch manchmal unterwegs: für Heidehonig in Brandenburg oder Tannenhonig im Schwarzwald.

Nachts um halb zwei: Der Imker ist zurück in Bayern. Auch das Abladen der Bienenvölker klappt problemlos. Um vier Uhr früh ist Feierabend. Wenn in gut einer Stunde die Sonne aufgeht, können die Bienen wieder ausfliegen. Dann nicht mehr in Rheinland-Pfalz, sondern wieder daheim in Bayern.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!