Mehr als 50.000 Menschen in Bayern haben keinen festen Wohnsitz. Jedes fünfte Kind lebt in Armut. Und jede vierte Rentnerin muss mit zu wenig auskommen. Zahlen, die aufrütteln – und die bei der Frühjahrssynode der evangelischen Landeskirche in Augsburg offen und eindringlich zur Sprache kommen.
Wenn man der Statistik glaubt, ist Augsburg eine der ärmsten Städte Bayerns. Und auch das Einkommen pro Einwohner ist unter dem Durchschnitt. Genau dort beschäftigt sich das evangelische Kirchenparlament mit sozialen Fragen. Allein in Bayern arbeiten mehr als 100.000 Hauptamtliche in der Diakonie. Mehr als 3.000 diakonische Einrichtungen gibt es im Freistaat.
Diakonie-Präsidentin warnt vor Abbau des Sozialstaats
Angesichts der laufenden Koalitionsverhandlungen warnt die Präsidentin der Diakonie in Bayern, Sabine Weingärtner, vor einem Abbau des Sozialstaats: "Wir sehen gravierende Folgen für unser gesamtes Miteinander im Land, beispielsweise das Thema Armut ist im Wahlkampf und jetzt in den Texten fast nicht aufgegriffen worden."
Dabei sei dies eines der zentralen Themen in Deutschland, das die Menschen bewege. Und auch die Zahlen sprächen eine eindeutige Sprache, so Weingärtner: Eben, dass jede vierte Frau im Rentenalter im Freistaat von Armut betroffen sei, ebenso wie jedes fünfte Kind. Die Zahl der wohnungslosen Menschen in Bayern habe sich in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt.
Finanzspritze der Kirche für Diakonie wird kleiner
Die Landeskirche unterstützt die Diakonie derzeit mit rund 32 Millionen Euro jährlich – etwa für Projekte wie Telefonseelsorge oder die Bahnhofsmission, die sich wirtschaftlich nicht tragen, aber gesellschaftlich unverzichtbar seien.
Angesichts der Tatsache, dass auch die evangelische Kirche sparen muss, will sich Landesbischof Christian Kopp auf keine konkrete Aussage zur Höhe der künftigen Zuschüsse festlegen, versichert aber: "Es wird immer eine finanzielle Unterstützung für die Diakonie auch von Seiten der Kirche geben. Auch wenn die weniger ist, wird die immer und verlässlich sein."
Synode blickt auf Umgang mit sexualisierter Gewalt und queeren Menschen
Neben dem Schwerpunktthema Diakonie steht am Mittwoch auch ein Bericht über den Umgang der Landeskirche mit sexualisierter Gewalt auf der Tagesordnung. Das evangelische Kirchenparlament will wissen, was die Kirche seit der Veröffentlichung der deutschlandweiten ForuM-Missbrauchsstudie Anfang 2024 getan hat.
Außerdem stellt die Arbeitsgruppe "Queer" ihren Bericht zu Diskriminierung im Umgang mit queeren Menschen in der Landeskirche vor. Noch bis Donnerstag tagen die 108 Mitglieder der Landessynode in Augsburg.
Im Video: Kirchen-Parlament tagt derzeit in Augsburg
Kirchen-Parlament tagt derzeit in Augsburg
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