"Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten", ruft Ulrike Scharf (CSU) in Erinnerung. Die bayerische Sozialministerin, zugleich Vorsitzende der Frauen-Union der CSU, stellt auf BR-Anfrage klar: "Finanzielle Möglichkeiten dürfen nicht über moralische Grundsätze gestellt werden." Unionsfraktionschef Jens Spahn hatte mit seinem Mann Daniel Funke einen Sohn durch eine Leihmutter in den USA bekommen.
Für sie stünden der Schutz der Frauen vor Ausbeutung und das Kindeswohl an erster Stelle, sagte Scharf. An der gesetzlichen Lage in Deutschland sieht sie "keinen Änderungsbedarf". Auch der Chef der CSU-Bundestagsabgeordneten, Alexander Hoffmann, hält die gesetzlichen Regelungen für "gut begründet".
Holetschek: Spahn wird die richtigen Schlussfolgerungen ziehen
Der CSU-Fraktionschef im Landtag, Klaus Holetschek, sagte BR24: "Ich glaube, Jens Spahn wird jetzt erst mal erklären, warum er das getan hat oder was sein Beweggrund war." Die Chance solle man ihm auch geben. "Und er wird sicherlich auch die richtigen Schlussfolgerungen für sich aus diesem Thema ziehen."
Die CSU halte am Verbot der Leihmutterschaft fest. "Was in Deutschland verboten ist, bleibt verboten." Es gehe um die "Glaubwürdigkeit unserer Politik und das Werteverständnis der CSU". Zugleich gratulierte Holetschek Spahn zur Geburt seines Sohnes Georg.
"Keiner begeistert"
In CSU-Chats wird das Thema kritisch diskutiert. Es sei "keiner begeistert", sagt ein Landtagsabgeordneter. Die Sorge gilt Spahns eigener Glaubwürdigkeit wie der der Union. Andere in der Partei sehen eine Fehleinschätzung des CDU-Politikers: Spitzenpolitiker könnten nicht, anders als von Spahn offenbar erhofft, Privates und Öffentliches trennen.
Video: BR-Korrespondentin Kirsten Girschick über Leihmutterschaft
BR-Korrespondentin Kirsten Girschick
Rücktrittsforderung der CDU Mecklenburg-Vorpommern
Dass Spahn die Debatte politisch unbeschadet übersteht, wird von manchen in der CSU bezweifelt. Eine offene Rücktrittsforderung gibt es aber nicht, anders als in Mecklenburg-Vorpommern: Der dortige CDU-Landesvorsitzende Daniel Peters sagte der "Bild", Spahn sei "nicht mehr tragbar und muss zurücktreten".
Scharfe Worte wählte auch die Vorsitzende der Gruppe der Frauen in der Unionsfraktion, Mechthild Heil, in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Frauen dürfen weder zum Sex gekauft, noch als Brutkasten missbraucht werden." Die CDU-Politikerin sprach von einem "ausbeuterischen System zwischen Kaufeltern und Leihmüttern" und betonte: "Ich lehne den Kauf von Kindern und damit die Leihmutterschaft ab."
CSU-Beschluss von 2016: Kein Recht auf ein Kind
Die CSU hatte sich bei einem Parteitag 2016 dem Thema Leihmutterschaft gewidmet, auf Initiative ihres Evangelischen Arbeitskreises. Er warf die Frage auf, ob alles, was möglich sei, auch richtig sei: "Wie weit darf man gehen, um sich einen Kinderwunsch zu erfüllen?" Im vom Parteitag beschlossenen Antrag steht, man sei "überzeugt davon, dass es das Recht auf ein Kind nicht gibt und dass Frauen nicht zu einem anonymen angemieteten Brutkasten degradiert werden dürfen".
Die CDU bekräftigte erst im Februar auf ihrem Parteitag ihr Nein zu Leihmutterschaften: "angesichts ethischer, rechtlicher und praktischer Bedenken". Es gelte, Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken zu verhindern. "Leihmutterschaft bleibt damit uneingeschränkt verboten, unabhängig von der Motivation und unabhängig von der Möglichkeit der Eizellspende."
Video: Theologe Reiner Anselm über Leihmutterschaft
Prof. Reiner Anselm, evangelisch-theologische Fakultät Ludwig-Maximilians-Universität
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!


