So komplex die Abstimmung in der ersten Runde vor zwei Wochen war, so einfach ist sie dieses Mal: keine riesigen Stimmzettel mehr, nur zwei Namen zur Auswahl, nur ein Kreuz pro Wählerin und Wähler. Mehrere Millionen Menschen in Bayern sind heute aufgerufen, in fast 300 Stichwahlen ihren Landrat, Oberbürgermeister oder Bürgermeister für die nächsten sechs Jahre zu bestimmen. Die Wahllokale sind seit 8 Uhr geöffnet. Die Auszählung am Abend verspricht Spannung: In einigen Kommunen zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab.
Kommunalwahlen folgen eigenen Gesetzen
Anders als bei anderen Wahlen, stehen bei Kommunalwahlen weniger die Parteien im Blickpunkt als die Kandidaten. Wer wirkt tatkräftiger, sympathischer? Wer strahlt mehr Kompetenz und Bürgernähe aus? Oft geht es stark um konkrete Probleme vor der eigenen Haustür. In vielen Gemeinden kennen Bürger die Bewerber persönlich, in so mancher Kommune treten Kandidaten für lokale Wählergruppen oder breite Bündnisse an. Kommunalwahlen folgen auch eigenen Gesetzen.
- Zum Artikel: Wie geht Stichwahl? Wann kommen die Ergebnisse?
Und doch war Spitzenvertretern der großen bayerischen Parteien in den vergangenen Tagen Nervosität anzumerken. Bis zuletzt halfen sie im Wahlkampf. Denn mehr als symbolischen Wert haben die umkämpften Chefsessel allemal, vor allem in den größten bayerischen Städten (München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg) und in einigen der bevölkerungsreichsten Landkreise (München, Rosenheim, Fürstenfeldbruck, Ansbach). Und: Es ist die letzte große Wahl in Bayern vor der Landtagswahl 2028.
Kommt es in München zur Sensation?
Dass die AfD bei den Landrats- und OB-Posten leer ausgehen wird, stand schon nach der ersten Runde vor zwei Wochen fest: Ihre Kandidaten schafften es in keine Stichwahl. Andere Parteien stellten eigene Rechnungen auf: Zu schon gewonnenen Posten wurden erhoffte Erfolge in Stichwahlen addiert – fertig war der gefühlte Sieg. Heute Abend wird sich tatsächlich sagen lassen: Welche Partei hat Landrats- und Oberbürgermeisterposten dazugewonnen, welche besetzt künftig weniger?
Einzelne Kommunen sind für das Selbstverständnis der Parteien besonders wichtig. In München beispielsweise stellt seit 42 Jahren die SPD das Stadtoberhaupt. Die Wiederwahl von Dieter Reiter galt lange als Selbstläufer. In der ersten Runde verlor er aber mehr als zwölf Prozentpunkte gegenüber 2020 – wohl auch wegen der Affäre um seine Ämter beim FC Bayern München. Die Grünen werten schon den Stichwahl-Einzug ihres Kandidaten Dominik Krause als Erfolg. Jetzt träumen sie von der Sensation.
Bayernkarte: Hier gibt es Stichwahlen
Hinweis: Stand der Auswertung ist 19. März, 15:10 Uhr.
Spannung in Bamberg und Kempten
Auch Nürnberg war lange SPD-Hochburg, seit 2020 ist mit Marcus König aber ein CSUler Rathauschef. In die Stichwahl geht er als Favorit: Vor zwei Wochen lag König mit 46 Prozent fast 20 Punkte vor SPD-Herausforderer Nasser Ahmed (SPD). Deutlich schlechter als 2020 schnitt am 8. März in Augsburg Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) ab. Auch sie bekommt es in der Stichwahl mit einem Sozialdemokraten zu tun: Florian Freund.
Bei der Oberbürgermeisterwahl in Bamberg lag mit Jonas Glüsenkamp in der ersten Runde ein Grüner knapp vor dem SPD-Kandidaten Sebastian Martins Niedermaier. Die Freien Wähler wiederum hoffen in Kempten auf ihren ersten Oberbürgermeisterposten: Christian Schoch landete am 8. März wenige Punkte hinter dem aktuellen OB Thomas Kiechle (CSU), der im Vergleich zu 2020 fast 18 Punkte einbüßte. Insgesamt fällt heute die Entscheidung über 17 Rathaussessel in kreisfreien Städten. Mit Abstand häufigstes Duell: CSU gegen SPD (elfmal).
Landräte: 20-mal CSU gegen FW
In den Landkreisen stehen sich in gleich 20 von 29 Stichwahlen Bewerber von CSU und Freien Wählern gegenüber. Die CSU sicherte sich schon in der ersten Runde 25 Landratsposten, die FW fünf, einen die SPD. Zwei im Amt bestätigte Landräte traten für Freie Wählergemeinschaften an, fühlen sich zugleich aber der FW-Partei zugehörig.
Mit besonderer Spannung wird unter anderem die Entscheidung im Berchtesgadener Land erwartet, traditionell in CSU-Hand. In die Stichwahl geht der FW-Landtagsabgeordnete Michael Koller als Führender, Franz Rasp (CSU) hatte vor zwei Wochen 3,5 Punkte weniger. Die Grünen blicken erwartungsvoll auf den Landkreis Landsberg am Lech: Dort lag ihre Kandidatin Daniela Groß nur 0,7 Punkte hinter Amtsinhaber Thomas Eichinger (CSU), dessen Ergebnis gegenüber 2020 einbrach. Im Landkreis Miesbach hatte Jens Zangenfeind von der dortigen Freien Wählergemeinschaft einen großen Vorsprung auf Franz Schnitzenbaumer (CSU/Junge Union).
Die Wahllokale schließen um 18 Uhr. Die Auszählung dürfte deutlich schneller gehen als bei der ersten Kommunalwahl-Runde. Schließlich sind die Stimmzettel sehr übersichtlich.
Im Video: Stichwahlen in Bayern
Stichwahlen in Bayern
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