CSU-Chef Markus Söder nach einer CSU-Vorstandssitzung
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Historisch schwacher Wahlsieg: CSU und Co. nach der Kommunalwahl

Historisch schwacher Wahlsieg: CSU und Co. nach der Kommunalwahl

Nur Gewinner in Bayern? Nach den Kommunalwahlen loben Parteichefs reihum die Zahlen. Bei genauer Betrachtung relativiert sich vieles: Für die SPD geht's abwärts, die Grünen verlieren, die CSU ist schwach wie seit 74 Jahren nicht mehr. Eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

CSU-Chef Markus Söder war Erster: Kein anderer Vorsitzender der großen bayerischen Parteien reagierte schneller auf das landesweite Ergebnis. "Die CSU ist bei der Kommunalwahl mit Abstand stärkste Kraft in Bayern", schrieb Söder am Mittwochmittag auf Social Media. "Während andere Parteien verlieren, bleibt die CSU stabil. Die Grünen haben landesweit die größten Verluste bei dieser Wahl."

Ja, die CSU ist bei den Kreistags- und Stadtratswahlen in Bayern klar vorn. Fakt ist aber auch: Zu den Parteien, die verloren haben, zählt neben Grünen (-3,9 Prozentpunkte) und SPD (-1,4) auch die CSU (-1,9). Die Christsozialen kommen in den Landkreisen und kreisfreien Städten auf 32,5 Prozent und haben einen Vorsprung von 19 bis 20 Punkten auf die anderen Parteien. Dennoch schnitt die CSU seit ihrer Gründung nur einmal schwächer bei Kommunalwahlen ab als dieses Mal. Das ist 74 Jahre her.

Wieder Verluste für die CSU

Es ist die fünfte landesweite Wahl unter Parteichef Söder, bei der die CSU Verluste verzeichnet. Zählt man die Landtagswahl 2018 mit dem Spitzenkandidaten Söder hinzu, sind es sechs. Zugewinne erzielte die CSU in dieser Zeit zweimal, zuletzt nach dem Ampel-Aus bei der Bundestagswahl 2025. Mit 37,2 Prozent blieb sie aber unter der 40-Prozent-Marke und enttäuschte parteiinterne Erwartungen. Söder argumentiert, die Zeiten hätten sich geändert. Allerdings hatte er selbst beim Amtsantritt als CSU-Chef 2019 das Ziel ausgegeben, "zu alter Kraft zurückzufinden".

In der CSU hielt sich öffentliche Kritik bisher in Grenzen. Unionsinterne Gegenspieler wie Daniel Günther (CDU) in Schleswig-Holstein legen dagegen den Finger in die Wunde. Dem BR sagte Günther kürzlich: "Früher, als die CSU hier in Bayern sehr erfolgreich war, haben wir ja wirklich immer voller Stolz darauf geguckt." Damals seien viele aus der CDU nach Bayern gepilgert, als es "Franz Josef Strauß und die ganzen erfolgreichen Ministerpräsidenten" gegeben habe. "Jetzt ist es halt umgekehrt so, dass Markus Söder mal nach Schleswig-Holstein fährt, um mal wieder dieses Gefühl zu haben, dass man auch Über-40-Prozent-Ergebnisse holen kann."

Video: Kommunalwahl in Bayern - eine Bilanz

Marcus König (l), amtierender Oberbürgermeister von Nürnberg und CSU-Spitzenkadidat, und Nasser Ahmed (r), SPD-Spitzenkadidat für das Amt des Oberbürgermeisters in Nürnberg
Bildrechte: pa/dpa/ Daniel Karmann
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Marcus König (l), amtierender Oberbürgermeister von Nürnberg, und Nasser Ahmed (r), SPD-Spitzenkadidat für das Amt des Oberbürgermeisters.

Wer ist Zweiter?

Im Gegensatz zu Söder kann nach dieser Kommunalwahl Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger für seine Partei in Anspruch nehmen, trotz einer deutlich stärkeren AfD stabil geblieben zu sein. Mit 12,1 Prozent legten die Freien Wähler in den Kreistagen und Stadträten sogar leicht zu.

Wermutstropfen für die Freien Wähler, die oft ihre kommunale Verankerung betonen: Laut Landesamt für Statistik haben alle anderen im Landtag vertretenen Parteien einen größeren Stimmenanteil. Aiwanger lässt aber diese Zählweise nicht gelten, verweist auf kommunale Wählergruppen, die seiner Meinung nach dazugezählt werden müssten. Damit lägen die Freien Wähler "deutlich auf Platz zwei".

Als Zweiten sehen sich auch die Grünen, die nach ihrem Rekordergebnis von 2020 dieses Mal 3,9 Prozentpunkte auf 13,6 Prozent verlieren. "Wir sind in ganz Bayern zweitstärkste Kraft und es geht nach der Bundestagswahl jetzt wieder bergauf", sagt Landeschefin Eva Lettenbauer immer wieder – auch auf die Frage nach dem Kommunalwahl-Minus. Mut spricht sich selbst auch die SPD zu: Mit 12,3 Prozent liege die Partei "deutlich über dem BayernTrend" zur Landtagswahl im Januar (8 Prozent), argumentiert Landeschef Sebastian Roloff und spricht von einer "Stabilisierung". Und doch ist es der niedrigste Wert, den die SPD jemals bei Kommunalwahlen in Bayern hatte und somit ein weiterer Beleg für das Schrumpfen der Sozialdemokraten.

Für die AfD wandelt sich das Bild

Für die AfD hat sich das Bild binnen kurzer Zeit grundlegend gewandelt. Am Sonntagabend war die Enttäuschung groß, weil es mit dem angestrebten Einzug in Stichwahlen um Landrat- oder Oberbürgermeister-Posten nichts geworden ist. Heute ist die AfD plötzlich relativer Gewinner der Kommunalwahlen: ein Plus von 7,5 Prozentpunkten auf 12,2 Prozent.

Kommunale Spitzenämter trauen die Wählerinnen und Wähler der AfD bisher offenbar nicht zu. Aber die Partei kommt bei ihrem Bemühen voran, in den Kommunen Fuß zu fassen. Auf dem Land sei es für die AfD gut gelaufen, in den Städten habe sie noch zu kämpfen, sagt dazu Landeschef Stephan Protschka und sieht hier Parallelen zu Freien Wählern und auch CSU.

Apropos CSU: Für sie kommt Generalsekretär Martin Huber vor die BR-Kamera, um das Wahlergebnis zu kommentieren. "Die CSU ist und bleibt die stärkste Kraft in den Kommunen", sagt er fast wortgleich wie sein Chef Söder. Was ist mit dem Minus? "Die CSU ist die stärkste Kraft in Bayerns Kommunen."

Video: Ergebnis der Kommunalwahlen in Bayern

Ergebnisse der Kreistags- und Stadtratswahlen in den kreisfreien Städten in Bayern
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Ergebnisse der Kreistags- und Stadtratswahlen in den kreisfreien Städten in Bayern

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