Olympische oder Paralympische Spiele können im eigenen Land eine Generation inspirieren, "oder im wahrsten Sinne des Wortes eine ganze Generation bewegen" - davon ist Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (FW) überzeugt. Stolz leitet derzeit die Bildungsministerkonferenz (KMK), die sich bei ihrer Tagung in München für eine deutsche Bewerbung als Olympia-Austragungsort ausgesprochen hat.
Bundesjugendspiele wieder leistungsorientiert
Und mehr Bewegung brauchen Kinder, finden die Kultusminister. Das Ziel von Olympia in Deutschland soll auch generell für mehr Begeisterung für Sport sorgen. So sieht es auch der Erlanger Schwimmer Josia Topf, der 2024 in Paris Paralympisches Gold, Silber und Bronze holte: Olympia könne etwas Gesundes sein "worauf die Kinder Bock haben".
Auch setzt sich die KMK für mehr Leistung ein. Anna Stolz betont, "Leistung ist was verdammt Cooles. Kinder wollen sich messen". Daher haben die Bildungspolitiker beschlossen, dass Schulen die Bundesjugendspiele wieder wettkampforientiert ausführen und bewusst Leistungen messen können.
Felbinger: Braucht "Schub im Schulsport"
Für Günther Felbinger, den Präsidenten des Deutschen Sportlehrerverbands Bayern, ist klar: Mit der Olympiabewerbung muss auch "im Schulsport ein deutlicher Schub nach vorne gehen". Es müsse eine Initiative gestartet werden seitens der Länder, der Kultusministerien, "dass wir quantitativ mehr Sportunterricht haben, mehr Bewegungszeit und natürlich auch qualitativ uns verbessern".
Dafür notwendig: mehr Mittel. Es sei schade, dass die Politik seit vielen Jahren wisse, "wie schlecht es um den Schulsport bestellt ist", aber weder "das entsprechende Personal" noch das "entsprechende Geld zur Verfügung" stelle, um Personal auch zu rekrutieren, sagt der ehemalige Landtagsabgeordnete Felbinger.
Fleischmann: "Sind es leid mit der Ankündigungspolitik"
Ähnlich sieht das Simone Fleischmann, die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Gegenüber BR24 sagte sie: "Mich regt es ein stückweit auf". Seit fünf Jahren sei der Lehrermangel im Grund-, Mittel- und Förderschulbereich "eklatant", es sei eine "Flickschusterei". Durch den Ausbau zum G9 steige er auch an den Gymnasien an.
Zwar falle statistisch kaum Unterricht aus, faktisch passiere es aber regelmäßig. Oft werde Unterricht, der ausfällt, durch andere Fachlehrer vertreten – die Sportstunde finde also nicht statt, sondern stattdessen eine Mathestunde. In ihrer Zeit als Schulleiterin habe sie etwa immer wieder Kindern etwas vorgelesen, statt sie nach Hause zu schicken.
Allerdings warnt Fleischmann davor, allein auf den Sportunterricht zu schauen. Schließlich erreiche ein Viertel der Kinder nicht die Mindeststandards im Lesen und Schreiben.
Positivbeispiel im Ganztag aus der Oberpfalz
In Neustadt a. d. Waldnaab hat man, zumindest was ein Sportangebot angeht, eine Lösung gefunden. Hier spielen die Ganztagsschüler einer Grundschule gemeinsam mit den Vereinskindern der DJK Neustadt Basketball. Der Sportverein konnte mit Hilfe verschiedener Projekte und der Querfinanzierung über das Budget der Schule für den Ganztag eine Stelle für eine Werkstudentin schaffen.
Im Ganztag sieht auch Sportlehrerverbands-Chef Felbinger eine Chance, wenn es "angeleiteter Sport ist", nicht nur "Rumbolzen". Das hätte einen qualitativen Mehrwert. In Neustadt a. d. Waldnaab ist das der Fall. Die Werkstudentin bildet auch weitere Trainer aus, sodass "junge Trainer für Basketball angeworben und auch begeistert werden", so DJK-Jugendwart Stefan Merkl.
Laut Deutschem Olympischen Sportbund sind aktuell etwa ein Prozent der Sportvereine Träger im Ganztag. In Neustadt wird das Angebot gerne genutzt, seit September sind hier mehr als 60 Kinder neu in die lokalen Vereine eingetreten.
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