Den sprengstoffverdächtigen Gegenstand am Bahnhof in Treuchtlingen bewertet Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) als bewusste Aktion zur Verunsicherung der Bevölkerung. "Es ist ganz eindeutig eine gezielte Aktion gewesen, um den Bahnverkehr zu behindern, um die Leute in Angst und Schrecken zu versetzen", sagte er im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Obwohl sich inzwischen herausgestellt hat, dass es sich nicht um Sprengstoff handle, müsste der Täter rasch gefasst und "hart bestraft" werden, "damit so etwas nicht in Mode kommt".
Innenminister: Ermittlungen konzentrieren sich auf inländisches Motiv
Spezialkräfte der Bundespolizei hatten am Donnerstag einen sprengstoffverdächtigen Gegenstand in der mittelfränkischen Stadt untersucht. Einem Bahn-Techniker war am Vormittag das Objekt im Gleisbett an der südlichen Einfahrt zum Bahnhof der Stadt aufgefallen. Ein Entschärfer-Team der Bundespolizei wurde gerufen, um den Gegenstand zu untersuchen und zu klären, ob es sich um Sprengstoff handelt. Am frühen Nachmittag konnte dann Entwarnung gegeben werden.
Die Bundespolizei ermittle in Zusammenarbeit mit der bayerischen Polizei intensiv zu den Hintergründen, sagte Herrmann. Angesprochen darauf, ob die Aktion Teil einer aus dem Ausland gesteuerten Strategie sein könnte, antwortete der Innenminister: "Die gegenwärtigen Ermittlungen scheinen sich mehr darauf zu konzentrieren, dass es sich um ein inländisches Motiv handelt."
Entschärfer-Team mit Roboter
Laut Polizei hatte die Auswertung der ersten Röntgenbilder, die mittels eines Roboters entstanden waren, kein eindeutiges Ergebnis ergeben. Der Gegenstand musste für weitere Bilder angehoben werden. "Das kann gefährlich werden", sagte Polizeisprecher Michael Konrad dem BR. Deshalb mussten dafür die Häuser an den Gleisen evakuiert werden. Elf Personen waren von der Räumung betroffen. Außerdem wurde die Bevölkerung gebeten, den Bereich Alte Burgstraße und Wettelsheimerstraße in Treuchtlingen zu meiden.
Entwarnung am frühen Nachmittag
Kurz nach 13 Uhr kam dann die Entwarnung: An und in dem gefundenen Gegenstand befindet sich kein Sprengstoff. Das habe die zweite Röntgenaufnahme ergeben, so der Polizeisprecher. Dem Aussehen nach handle es sich aber um eine Sprengstoff-Attrappe. Der Einsatz gehe weiter. Die Spurensicherung untersucht den Fundort.
Ebenso würden alle Überwachungskameras ausgewertet. Noch gebe es keine Hinweise darauf, wer den Gegenstand im Gleisbett platziert habe und warum. Der Sperr-Radius wurde aufgehoben, die Menschen können wieder zurück in ihre Häuser.
Herrmann: "Es wird auch nichts mehr passieren"
Direkte Konsequenzen für die Sicherheitsvorkehrungen sieht Bayerns Innenminister nicht. "Das ist in hohem Maße ärgerlich", so Herrmann, viele Menschen seien in ihrer Reiseplanung beeinträchtigt worden. Gleichzeitig wies Herrmann auf die Grenzen der Prävention hin. Angesichts der "Hunderten von Kilometern Bahngleisen, die wir allein bei uns in Bayern haben", sei es "praktisch technisch nicht verhinderbar", dass irgendwo Gegenstände abgelegt werden könnten.
Derzeit sei die Situation am Bahnhof inzwischen "bereinigt", die Züge rollen wieder. "Es ist nichts passiert, es wird auch nichts mehr passieren", sagte Herrmann.
Zugverkehr zwischenzeitlich komplett unterbrochen
Der Zugverkehr war komplett zum Erliegen gekommen – konnte aber nach Polizeiangaben um kurz nach 14.30 Uhr wieder freigegeben werden. Betroffen waren laut Bahn die RB 16, der RE 16 und der RE 60. Die Fahrten der Regionalzüge endeten vorzeitig an geeigneten Bahnhöfen, ein Ersatzverkehr mit Bussen und Großraumtaxen wurde eingerichtet. Die Züge des Fernverkehrs fuhren über Ingolstadt.
Im Video: Sprengstoffverdacht am Bahnhof Treuchtlingen
Mit einem Roboter wurde der verdächtige Gegenstand untersucht.
Mit Informationen von dpa und AFP
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