Politische Wettbewerber: CDU-Ministerpräsdient Sven Schulze und AfD-Herausforderer Ulrich Siegmund
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Hohe AfD-Werte in Sachsen-Anhalt - was das für Bayern bedeutet

Hohe AfD-Werte in Sachsen-Anhalt - was das für Bayern bedeutet

In knapp vier Wochen wird in Sachsen-Anhalt gewählt. In Umfragen führt die AfD deutlich vor der amtierenden CDU. Vor allem bei der ländlichen Bevölkerung ist die AfD beliebt. Was bedeutet das für Bayern?

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Wer wissen will, wie die Stimmung in Sachsen-Anhalt vor der Landtagswahl ist, bekommt in der Kleinstadt Sangerhausen einen Eindruck - genauer gesagt in einem Fitnessstudio. Hier will nur der Inhaber über Politik sprechen: Thomas Kunze ist 35 Jahre alt und Versicherungsvertreter, gleichzeitig betreibt er mehrere Einkaufsläden. Mit der Politik ist er unzufrieden: "Meine Eltern waren DDR-Bürger, die sagen immer: Die älteren in der DDR wissen immer, wann sie verarscht werden". Es würden Wahlversprechen gemacht, die nicht gehalten werden, so der Unternehmer. Offen für die AfD aussprechen will er sich nicht, betont aber, dass viele Selbständige die AfD wählen: "Salopp gesagt: Schlechter kann's ja nicht werden.“

AfD profitiert von Politikverdrossenheit

Sangerhausen hat 18.000 Einwohner und liegt im Landkreis Mansfeld-Südharz, einem der ärmsten Landkreise Sachsen-Anhalts und Deutschlands. Die Arbeitslosenquote liegt bei 10 Prozent, fast doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Seit der Wende hat sich die Einwohnerzahl auf knapp 130.000 fast halbiert. Ein Aspekt, den die AfD im Wahlkampf aufgreift: In ihrem angekündigten Regierungsprogramm beklagt sie das “Aussterben des deutschen Volkes” und will ein "Baby-Begrüßungsgeld" einführen. Für die ersten beiden Kinder 2.000 Euro und für jedes weitere Kind 4.000 Euro. Die neuen sozialen Ausgaben sollen durch Kürzungen in der Migrationspolitik gegenfinanziert werden.

Ortschaft Drebsdorf: 70 Prozent haben bei Bundestagswahl AfD gewählt

In dem kleinen Ort Drebsdorf, einem Ortsteil von Südharz, kommen solche Forderungen offenbar gut an. Dort haben 70 der rund 100 Einwohner bei der vergangenen Bundestagswahl AfD gewählt. Den Ort zieren zahlreiche Aufkleber mit rechtsextremen Symbolen wie der sogenannten Schwarzen Sonne, auf der mehrere Hakenkreuze zu sehen sind.

Lediglich eine Einwohnerin äußert sich: Alexandra Schatz vom Gut Drebsdorf, einem Pferdehof, ist strikt gegen die AfD. Sie kommt gebürtig aus Augsburg und hat nach der Wende mit ihrem damaligen Mann das Gut gekauft und Ferienwohnungen, eine Pferdeschule und eine Pferdezucht aufgebaut. Das Erstarken der AfD in Sachsen-Anhalt sieht sie mit Sorge. Viele Gäste sagten ihr: "Wenn hier die AfD in der Regierung ist, dann kommen wir nicht mehr. Das wollen wir nicht unterstützen." Da werde es ihr Angst und bange. Die Unzufriedenheit vieler kann sie nicht nachvollziehen.

AfD hat im ländlichen Raum Sachsen-Anhalts ein festes Milieu aufgebaut

Woher kommt hier die hohe Zustimmung für die AfD, die in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird und derzeit in Umfragen bei 40 Prozent liegt? Forscher sehen im Stadt-Land-Gefälle einen der entscheidenden Gründe. Politikwissenschaftler Lars Rensmann von der Universität Passau sagt: „Dort haben sich ehemalige Protestwähler in den letzten Jahren zunehmend hinter der AfD versammelt und ein festes Milieu aufgebaut." Dabei werde die AfD nicht primär von ärmeren Bürgern gewählt, so der Politikwissenschaftler: „Es ist viel stärker eine soziokulturelle Frage: Das Gefühl auf dem Land, man möchte nicht so werden wie die Stadt. Man möchte die Identität bewahren."

Ländlicher Trend zur AfD auch in Bayern? Experte: "kein Automatismus"

Die Tendenz zu einem stärker werdenden Stadt-Land-Gefälle sehe man auch in Teilen Bayerns, so der Politikwissenschafter, etwa im Bayerischen Wald. Könnte also auch im ländlichen Bayern die AfD weiter erstarken? Das sei noch nicht vorauszusehen, meint der Forscher, einen Automatismus gebe es nicht. CSU-Fraktionschef im Bayerischen Landtag Klaus Holetschek sieht diese Entwicklung nicht kommen: „Das kann man nicht ganz vergleichen, aber wir müssen natürlich dranbleiben." Themen wie die ärztliche Versorgung, Pflegeeinrichtungen und Mobilität, seien bei der CSU auf der Agenda, so Holetscheck.

SPD-Fraktionschef Holger Grießhammer dagegen fürchtet: „Der Trend, im ländlichen Raum AfD zu wählen, nimmt zu. Das hat bereits die letzte Landtagswahl, aber auch die Kommunalwahl im März gezeigt." Insbesondere in Niederbayern, in Oberfranken und in der Oberpfalz sei die AfD auf dem Vormarsch. Grießhammers Appell: Die ländlichen Räume stärken, etwa beim öffentlichen Nahverkehr.

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