Luftaufnahme Staatsarchiv in Kitzingen
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Staatsarchiv Kitzingen: Probebetrieb im 75-Millionen-Euro-Neubau

Staatsarchiv Kitzingen: Probebetrieb im 75-Millionen-Euro-Neubau

Der Umzug des Staatsarchivs innerhalb Unterfrankens ist abgeschlossen. Insgesamt 8,5 Millionen Akten, Urkunden und Fotos sind dafür aus der Würzburger Residenz und Festung nach Kitzingen verfrachtet worden. Jetzt läuft der Probebetrieb.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Mainfranken am .

30 Kilometer Archivgut, 8,5 Millionen Akten, Urkunden und Fotos: Die Dimensionen des Staatsarchivs sind immens. Der Umzug innerhalb Unterfrankens von Würzburg nach Kitzingen ist nun abgeschlossen und der Testbetrieb läuft. Bereits vor der regulären Öffnung wurde der vom Freistaat Bayern finanzierte Neubau auf dem Deuster-Areal den Medien vorgestellt.

8.000 Quadratmeter Archivgut

In drei Jahren Bauzeit wurde das 75 Millionen Euro teure Projekt fertiggestellt. Das Gebäude ist in drei Baukörper gegliedert: In der Mitte befinden sich Eingangsbereich und Lesesaal mit viel Glas, rechts und links davon zwei mächtige Steinkuben. Darin das Herzstück des neuen Staatsarchivs: die vollklimatisierten Magazinräume. In ihnen lagert auf rund 8.000 Quadratmetern das Archivgut.

Alle Dienstleistungen digital möglich

"Das neue Staatsarchiv Kitzingen ist bayernweit einzigartig und ein Referenzobjekt für künftige Archivbauten", so Bernhard Grau, Generaldirektor der Staatlichen Archive Bayerns. Außerdem bietet das Staatsarchiv Kitzingen die Möglichkeit des "geschützten virtuellen Lesesaals". Darüber können alle Dienstleistungen von der Recherche über die Bestellung bis hin zur Nutzung des Archivguts online von zu Hause aus genutzt und bargeldlos bezahlt werden. Laut Grau ist das in diesem Umfang bundesweit bisher einmalig.

Seltener Gestapo-Aktenbestand in Kitzingen

Insgesamt haben die Magazine eine Kapazität von fast 40.000 Laufmetern. Knapp drei Viertel davon sind bereits belegt mit ca. 8.500.000 Archivalien – darunter die älteste Urkunde des Freistaats Bayern: eine Schenkungsurkunde Karls des Großen aus dem Jahr 777.

In Kitzingen befindet sich außerdem einer der bundesweit wenigen vollständigen Gestapo-Aktenbestände. Die rund 25.000 Akten seien in den letzten Kriegstagen aus Würzburg ausgelagert worden und hätten den Bombenangriff vom März 1945 daher unbeschadet überstanden, erklärt Alexander Wolz, Leiter des Staatsarchivs Kitzingen.

Viele Anfragen über NS-Vergangenheit

In den vergangenen Monaten habe das Staatsarchiv zunehmend Anfragen von Privatleuten erhalten, die mehr über die NS-Vergangenheit ihrer Vorfahren erfahren wollten, berichtet Wolz weiter. Auslöser waren die im März dieses Jahres vom US-Nationalarchiv online zugänglich gemachten Karteikarten früherer NSDAP-Mitglieder. Mehrere deutsche Medien hatten die Datensätze im Nachgang nutzerfreundlich aufbereitet. "Es ist offenbar ein großes Anliegen in vielen Familien, jetzt zu erfahren, was in der Familie passiert ist – nachdem lange Jahrzehnte nicht darüber gesprochen wurde", so Wolz.

Doch die Einträge in der Mitgliederkartei enthalten oft nur wenige Infos. "Wer mehr erfahren möchte – konkrete Ereignisse oder Taten, wie engagiert die Angehörigen in der Partei waren –, der braucht Aktenmaterial, und das können wir hier im Staatsarchiv Kitzingen liefern." Paradebeispiel seien die Spruchkammerakten aus der Entnazifizierung. Darin finden sich detailliert Informationen über konkrete Handlungen und diese sind auch über den "geschützten virtuellen Lesesaal" online einsehbar.

Offizielle Eröffnung im Herbst

Offiziell eröffnet wird das Staatsarchiv im Beisein von Politikerinnen und Politikern erst im Herbst, einen genauen Termin dafür gibt es noch nicht. Vor dem Umzug nach Kitzingen war das Staatsarchiv in der Würzburger Residenz und der Festung Marienberg untergebracht. Als 2015 bekannt wurde, dass das Staatsarchiv im Zuge der Heimatstrategie von Würzburg nach Kitzingen verlegt werden soll, gab es heftige Kritik an dem Vorschlag von Markus Söder (CSU), damals bayerischer Heimatminister.

Eine Petition mit 650 Unterschriften wurde eingereicht. Es gab zahlreiche Stellungnahmen, Eingaben und Briefe – unter anderen vom Vizepräsidenten der Universität Würzburg, von Archivaren, historischen Vereinen und Heimatpflegern bis hin zum damaligen Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann und dem Mainzer Kardinal Karl Lehmann. Doch Söder verteidigte die Entscheidung, auch weil Teile des Würzburger Staatsarchivs auf der Festung Marienberg untergebracht waren, das zum fränkischen Landesmuseum umgebaut wird.

Die gestiegenen Kosten des Prestigeprojekts wurden ebenso kritisiert: Anfangs war von 33 Millionen Euro die Rede. Bei der 2021 erstellten Entwurfsplanung wurde dann von 75 Millionen Euro ausgegangen. Bei dieser Summe ist es letztendlich geblieben und mit drei Jahren Bauzeit wurde auch der prognostizierte Zeitrahmen eingehalten.

Bildrechte: BR/Julia Kuhles
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Originale Gestapo-Akten im neuen Staatsarchiv in Kitzingen

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