Eine verletzte Kletterin liegt unterhalb der Roten Wand im Kleinziegenfeldertal in Oberfranken und wartet auf Hilfe. Das ist kein Ernstfall, sondern eine Übung der Bergwacht Kulmbach. Als das Rettungsteam ankommt, untersucht Franzi Geyer die junge Frau. Seit 16 Jahren ist Franzi Geyer bei der Bergwacht Kulmbach aktiv. Die Oberfränkin liebt dieses Ehrenamt. Auch mit zwei kleinen Kindern und mehr als genug Arbeit, rückt sie regelmäßig zu Einsätzen aus. Sie machen ihr Spaß, weil sie damit ihre Interessen mit einer sinnvollen Aufgabe verknüpfen kann. "Ich bin Rettungsassistentin und war schon immer viel klettern und Skifahren. Außerdem ist es schön, wenn man Menschen in Not helfen kann", sagt Franzi Geyer.
Anforderungen und Ausbildung für alle gleich
In der Bergwacht Bereitschaft Kulmbach-Obermain engagieren sich rund 30 Ehrenamtliche. Sieben davon sind Frauen. Damit ist der Frauenanteil höher als im bayerischen Durchschnitt. Knapp jedes fünfte Bergwacht-Mitglied ist weiblich. Für Franzi Geyer und ihre Kameraden sind alle im Team gleichberechtigt: "Jede und jeder, die in der Bergwacht dabei sind und einen guten Job machen, sind wichtig, egal ob Frau oder Mann!" Auch in der Ausbildung wird kein Unterschied gemacht, die Anforderungen und Inhalte sind für alle gleich. Denn von jedem wird das Gleiche erwartet und auch zugetraut. Die Bergwacht Kulmbach-Obermain ist für mehrere Landkreise zuständig und wird jährlich zu rund 40 Einsätzen gerufen, teils sind es schwere Notfälle mit verletzten Kletterern, Mountainbikern oder Waldarbeitern.
Vorreiterinnen ebnen den Weg
Ute Weber ist vor 26 Jahren als allererste Frau in die Bergwacht Kulmbach eingetreten. Damals gab es ein paar ältere Kameraden, die eher skeptisch waren. "Doch mit Unterstützung der Jüngeren war das nicht weiter schlimm", sagt sie zurückblickend. Die Vorreiterin findet es gut, dass es mittlerweile ganz normal ist, dass Frauen in der Bergwacht aktiv sind. Mit Franzi Geyer und Jana Kemnitz sind sogar zwei Kameradinnen dabei, deren Partner sich ebenfalls in der Bergwacht engagieren. Die beiden Paare teilen daher nicht nur den Alltag und die Familienarbeit, sondern auch das Ehrenamt. Die 32-jährige Jana Kemnitz ist wie alle anderen mit viel Herzblut bei der Sache. In der Übung bereitet sie das Abseilen des Bergesacks mit der Verunglückten vor. Sie findet es gut, dass jeder darüber hinaus unterschiedliche Stärken hat.
Gemischte Teams sind ein Gewinn
Studien zeigen, dass gemischt-geschlechtliche Teams produktiver sind als reine Männer- oder Frauen-Teams. Das gilt am Arbeitsplatz ebenso wie im Ehrenamt. Durch Diversität verändern sich der Teamzusammenhalt, die Kommunikation und die Lösungsfindung messbar. "Als Frau bringt man vielleicht noch etwas mehr Empathie für die Patienten ein", findet Jana Kemnitz und erzählt von einem Einsatz, bei dem sie länger auf einen Hubschrauber warten mussten. In der Zeit habe sie die Patientin mental unterstützt.
Alle Einsatzkräfte gefragt
In der Übung der Bergwacht Kulmbach wird die verunglückte Kletterin behutsam im Bergesack am Hang abgeseilt und dann mit der Gebirgstrage zum Rettungswagen transportiert. Bereitschaftsleiter Christoph Lindenberger ist mit dem Ablauf zufrieden. Für das Ehrenamt bringt er rund 20 Stunden seiner Freizeit pro Woche ein. Die gleichberechtigte Aufgabenteilung von Männern und Frauen im Bergwacht-Team findet er zeitgemäß, "denn wir brauchen alle Einsatzkräfte gleichermaßen. Außerdem findet eine Aufgabenteilung der gleichen Tätigkeiten auch in der Gesellschaft statt."
Dankbarkeit der Geretteten
Die Bergwacht Kulmbach-Obermain betreut während der Sommermonate von ihrem Stützpunkt im Bärental bei Weismain und an den Wochenenden im Vorsorgedienst die Klettergebiete im Kleinziegenfelder Tal, Bärental und Niesten. Während der Skisaison leistet sie Bereitschaftsdienst an den Liften in Heinersreuth und Römersreuth sowie den Langlaufloipen im Frankenwald. Oftmals wissen Verunglückte gar nicht, dass es die Bergwacht in ganz Bayern gibt, auch in den Mittelgebirgen und in unwegsamem Gelände. "Sie sind meist sehr dankbar dafür, dass wir kommen und helfen", stellt Jana Kemnitz immer wieder fest. Dieser Dank gebe ihr als Retterin viel zurück.
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