(Symbolbild) Solaranlage auf Feldern
(Symbolbild) Solaranlage auf Feldern
Bild
(Symbolbild) Zielkonflikte in der Landwirtschaft: Was sollen Landwirte anbauen, Essen oder Energie?
Bildrechte: BR
Schlagwörter
Bildrechte: BR
Audiobeitrag

(Symbolbild) Zielkonflikte in der Landwirtschaft: Was sollen Landwirte anbauen, Essen oder Energie?

Audiobeitrag
>

Strom vom Acker: Werden durch PV-Anlagen die Flächen knapp?

Strom vom Acker: Werden durch PV-Anlagen die Flächen knapp?

Freiflächen-Solaranlagen breiten sich in manchen Regionen immer stärker aus. Auf circa 8.500 Hektar wurden 2025 in Deutschland PV-Anlagen installiert. Gleichzeitig fehlen vielen Landwirten Äcker, um Nahrungs- und Futtermittel anzubauen.

Über dieses Thema berichtet: Unser Land am .

Vor zwei Jahren wurde Landwirt Reinhard Herb in Sielenbach bei Aichach der Pachtvertrag für einen acht Hektar großen Acker gekündigt. Auf der Fläche steht jetzt ein Solarpark. Herb ist in der Gegend nicht der einzige, der davon betroffen ist. In seiner Gemeinde sei ein Photovoltaik-Boom entstanden, sagt er, der zu massiven Verwerfungen führe. Er überlegt, ob er seinen Tierbestand reduzieren muss, weil er nicht mehr genug Futter für seine Tiere anbauen kann. Außerdem fehlen ihm Flächen, um die Gülle ausbringen zu können.

Hohe Pachtpreise für Äcker

Bis zu 3.000 Euro Pacht pro Hektar versprechen Solarunternehmen im Jahr. Das ist oft mehr als das Dreifache von dem, was Landwirte bisher zahlen. Grund: Auf Ackerböden lassen sich die Anlagen viel kostengünstiger installieren als auf dem Dach. Dazu kommt, dass nach den jüngsten Plänen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) die Förderung für Dach-PV-Anlagen auslaufen soll.

Geringer Anteil an gesamter landwirtschaftlicher Nutzfläche

Ulrike Würflein vom Umweltbundesamt in Dessau sieht allerdings keinen Grund zur Beunruhigung. Photovoltaik sei keine Technik, die die Nahrungsmittelproduktion beeinträchtigen würde. Bisher belegen Freiflächen-Solaranlagen etwa 50.000 Hektar Ackerflächen in Deutschland. Nach Plänen der Bundesregierung soll sich das bis 2040 zwar noch vervierfachen auf 200.000 Hektar. Doch selbst dann wären es trotzdem nur ein Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland.

Energieerzeugung und Ackerbau gleichzeitig möglich?

Für Landwirte wie Reinhard Herb, in dessen Gegend sich die Solaranlagen massiv breitmachen, bleibt das Flächenproblem jedoch bestehen. Eine Lösung könnte Agri-PV sein. Dabei werden die PV-Module in Äckern auf höhere Ständer montiert, sodass darunter weiterhin Nahrungs- und Futtermittel angebaut werden können. Weiterer Vorteil: Der Acker bleibt auch rechtlich landwirtschaftliche Nutzfläche. Bei einer reinen PV-Nutzung ist das Feld langfristig für die Lebensmittelproduktion verloren.

Deutz Traktor steht auf einem Feld vor einer großflächigen Agrivoltaik-Anlage mit geneigten Solarmodulen.
Bildrechte: picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer
Videobeitrag

Deutz Traktor steht auf einem Feld vor einer großflächigen Agrivoltaik-Anlage mit geneigten Solarmodulen.

Erträge aus Anbau und Stromverkauf

Das Technologie und Förderzentrum nachwachsende Rohstoffe in Straubing hat verschiedene Techniken von Agri-PV untersucht. Der Ernteertrag der Pflanzen unter den Modulen ist in regnerischen Sommern zwar etwas geringer, in sehr heißen Sommern sei der Ertrag dagegen unter Umständen sogar höher als auf einer Vergleichsfläche. Die Module verschatten den darunterliegenden Boden, sodass der bei Hitze länger feucht bleibt. Ein Vorteil beim Klimawandel.

Grundsätzlich kommt bei Agri-PV der Hauptertrag nicht mehr aus dem Anbau landwirtschaftlicher Produkte, sondern vom Stromverkauf. Landwirte bekommen eine zusätzliche Einnahmequelle.

Gemeinde muss zustimmen

Landwirt Andreas Wiedmann will auf seinem Hof in Alling im Landkreis Fürstenfeldbruck auf 35 Hektar eine Agri-PV Anlage bauen. Sie würde im Sommer dreimal so viel Strom liefern, wie in der Gemeinde verbraucht wird. Deshalb unterstützen Bürgermeister Stefan Joachimsthaler und die Mehrheit des Gemeinderates das Projekt. Aber es gibt auch Kritik von Anwohnern, für die die Sicht auf die Landschaft beeinträchtigt wird. Andreas Wiedmann hat daraufhin die Planungen angepasst. Der größte Teil der Anlage würde jetzt von den umliegenden Dörfern aus wegen der Wälder dazwischen nicht gesehen werden. An einer Stelle soll eine Hecke gepflanzt werden.

Finanzierung in Gemeinschaft

Die Anlage ist mit 15 bis 18 Millionen Euro kalkuliert. Das kann Andreas Wiedmann nicht allein stemmen. Deshalb strebt er eine Beteiligung von Gemeinde und Bürgern an. Anwohner könnten Miteigentümer werden. Ein Modell, das auch Bürgermeister und Gemeinderat begrüßen.

Der Arbeitsaufwand wird für Andreas Wiedmann allerdings höher. Zwischen den Modulen ist die Bearbeitung mit den landwirtschaftlichen Maschinen schwieriger und die Streifen unmittelbar an den Ständern müssen regelmäßig ausgemäht werden. Aber Andreas Wiedmann könnte mit seiner Agri-PV-Anlage beides miteinander vereinen: Lebensmittel und Energie zu produzieren.

Im Video: Lebensmittel und Solar – Konkurrenz oder win-win?

Lebensmittel und Solar – Konkurrenz oder win-win?
Bildrechte: BR
Videobeitrag

Lebensmittel und Solar – Konkurrenz oder win-win?

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!