Benutzte Taschentücher auf einem Weg
Benutzte Taschentücher auf einem Weg
Bild
Die gefundenen Taschentücher, platziert an einem Fleck.
Bildrechte: Lothar Mies/Nationalpark Bayerischer Wald
Schlagwörter
Bildrechte: Lothar Mies/Nationalpark Bayerischer Wald
Audiobeitrag

Die gefundenen Taschentücher, platziert an einem Fleck.

Aktualisiert am
Audiobeitrag
Erschien zuerst am
>

Taschentücher, Kippen, Dosen: Immer mehr Müll im Nationalpark

Taschentücher, Kippen, Dosen: Immer mehr Müll im Nationalpark

Wer regelmäßig beim Wandern ist, weiß, dass der eigene Abfall wieder mit nach Hause genommen und nicht in der Natur entsorgt werden soll. Im Nationalpark Bayerischer Wald beklagen Ranger, dass zu viel Müll zurückbleibt: Die Mengen seien erschreckend.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Niederbayern am .

Der Nationalpark Bayerischer Wald beklagt derzeit eine regelrechte "Taschentuch-Lawine" am Lusen. Damit ist gemeint, dass Besucher zu viel Müll in der Natur zurücklassen, wie der Nationalpark jetzt mitteilte. Mehr Abfalleimer sind offenbar nicht die Lösung.

Erschreckende Mengen Müll im Nationalpark

Ranger Lothar Mies hat so etwas in über 35 Jahren im Dienst des Nationalparks noch nicht erlebt: Bei einem routinemäßigen Rundgang am Lusen fand er Mitte des Monats unter anderem Hunderte Papiertaschentücher.

Noch zwei Wochen danach sorgt das bei ihm für Kopfschütteln, wie er dem BR in einem Interview sagte: "Unglaublich, wenn man alle zehn Meter ein Tempo-Taschentuch findet." Ein weiteres Problem seien Hundekotbeutel, die ebenfalls herumliegen, auf Brotzeittischen herumstehen oder am Parkplatz abgestellt würden. "Das ist natürlich auch kein schöner Anblick."

Eindruck der Ranger: Problem nimmt zu

Es sei zwar keine Überraschung, auf einem der am stärksten frequentierten Wanderwege des Nationalparks Müll - ob unachtsam verloren oder absichtlich zurückgelassen - zu finden. Die Mengen, die er und seine Wacht-Kollegen derzeit fänden, seien aber schon erschreckend. Denn auch Kollegen im Bereich Finsterau berichten Ähnliches.

Im Bereich der Parkplätze von Zwieslerwaldhaus mussten laut einer Mitteilung des Nationalparks zuletzt Windeln, Schuhe und Getränkekartons entfernt und entsorgt werden. "Mir kommt es wirklich so vor, wie wenn es die letzten Jahre mehr geworden wäre", so Mies im BR-Interview.

Bildrechte: Julia Reihofer/Nationalpark Bayerischer Wald
Bildbeitrag

Nationalpark-Ranger Lothar Mies kam von seinem Rundgang mit zwei gefüllten Tüten Müll zurück.

Appell an Wanderer: Müll wieder mitnehmen

Die Ranger appellieren nun, respektvoll mit der Natur umzugehen und Müll wieder mitzunehmen. "Unsere Kernaufgabe ist es, im Gelände unterwegs zu sein, um Besucher über unsere Waldwildnis zu informieren – nicht um Müllabfuhr zu spielen", sagt Reinhold Gaisbauer, der Leiter der Nationalparkwacht. Das koste nicht nur viel Zeit, sondern am Ende auch Geld. Neben Taschentüchern gehörten zu den typischen Hinterlassenschaften auch "Zigarettenstummel, Getränkedosen und diverser Plastikmüll".

Für ihn ist es schwer nachvollziehbar, wie Besucher zum einen die Ruhe und Unberührtheit der Natur suchen, ihren Unrat dann jedoch unachtsam in den Wald werfen. Alleine ein Papiertaschentuch braucht bis zu fünf Jahre, bis es verrottet.

Wenige Mülleimer im Nationalpark

Besuchern im Nationalpark fällt hin und wieder auf, dass nicht überall Mülleimer zu finden sind. Das hat auch Gründe, wie Ranger Lothar Mies im Interview erläuterte: Früher habe es mal 600 Stück gegeben. Allerdings habe man diese nicht alle täglich leeren können. Zudem würden abends auch Tiere wie Marder oder Füchse kommen und den Inhalt kreuz und quer verteilen.

Und letztlich habe die Abfallbeseitigung auch hohe Kosten verursacht. Er rät deshalb Besuchern, einen Müllbeutel in den Wander-Rucksack einzupacken und den Abfall wieder mit nach Hause zu nehmen und dort sauber zu entsorgen.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!