Über sich selbst sang Dolly Parton einst selbstironisch, sie sei "nur eine Hinterwäldler-Barbie mit zu viel Make-up und zu viel Haar". Doch Parton war weit mehr: In mehr als sechs Jahrzehnten im Musikgeschäft prägte sie entscheidend die Countrymusik, spielte in zahlreichen Filmen und Serien mit, war als Geschäftsfrau aktiv und engagierte sich für wohltätige Zwecke. Nun ist die "Queen der Countrymusik" nach Angaben ihrer Familie im Alter von 80 Jahren gestorben.
Während ihrer über 60-jährigen Karriere mit knapp 50 Studioalben und mehr als 100 Millionen verkauften Platten stand Parton häufiger an der Spitze der Charts als jede andere Countrymusikerin. Sie schrieb rund 3.000 Songs, darunter zeitlose Country-Klassiker wie "Jolene" und die Ballade "I Will Always Love You", die in der Version von Whitney Houston zu einem der erfolgreichsten Hits aller Zeiten wurde.
Partons Familie: "Die Traurigkeit ist mit uns, aber nicht mit Dolly"
Dolly Partons Neffe Bryan Seaver sagte in einem Video auf Instagram, seine Tante habe nicht nur für Generationen von Musikern, sondern auch für "Träumerinnen und Träumer aus allen Lebensbereichen Türen geöffnet". "Die Traurigkeit ist mit uns, aber nicht mit Dolly. Sie hat ihr Leben gelebt", so Seaver. US-Medien berichteten unter Berufung auf ihr Management übereinstimmend, dass sie am Dienstag nach "einem kurzen Kampf" gegen eine Krebserkrankung im Kreise ihrer Angehörigen gestorben sei. Auf Partons Wunsch werde eine kleine Trauerfeier im engsten Familienkreis stattfinden, hieß es. Fans seien aber etwa dazu eingeladen, ihr in den sozialen Medien zu gedenken.
Dolly Parton auf Instagram: "Eine Nachricht von Dolly Partons Familie"
Parton spielte mit ihrem Image
Zu Partons Bühnenpersönlichkeit gehörten ihre platinblonden, aufgebauschten Haare, starkes Make-up und ihre Sanduhrfigur. "Ich liebe Make-up, ich liebe Kleidung, und ich habe die nötige Persönlichkeit, um das durchzuziehen", sagte sie in einem Interview. Offen bekannte Parton sich zu ihren Schönheitsoperationen und sagte selbstironisch, es koste "ein Vermögen, so billig auszusehen".
Einst wurde Parton im Fernsehen noch abschätzig als "eine der hübschesten, singfreudigsten kleinen Blondinen der Countrymusik" vorgestellt. Sie selbst spielte mit dem Bild des dummen Blondchens, doch im Lauf ihrer über 60 Jahre umfassenden Karriere trotzte sie dem allgegenwärtigen Sexismus in einer von Männern dominierten Branche, indem sie ihren eigenen Regeln folgte. So behielt sie etwa alle Rechte für die von ihr geschriebenen Songs selbst.
Von bescheidenen Verhältnissen an die Chartspitze
Geboren wurde Dolly Rebecca Parton am 19. Januar 1946 im US-Bundesstaat Tennessee in einer kleinen Holzhütte. Die Eltern und ihre insgesamt zwölf Kinder lebten in Armut. Trotz des Sprungs nach oben hat sie ihre Herkunft nie vergessen. "Wir waren arm wie Dreck", erzählte sie immer wieder.
In der Kirche und zuhause entdeckte sie früh ihre Leidenschaft für Musik. Mit zehn Jahren trat sie bereits im Radio und Fernsehen auf, als Teenager sang sie in der "Grand Ole Opry" in Nashville. Nach ihrem Schulabschluss 1964 zog sie nach Nashville und startete ihre Karriere als Songwriterin und Musikerin. Her erste Single erreichte 1967 Platz 24 der Country-Charts.
Dolly Parton stand in ihrer Karriere häufiger an der Spitze der Charts als jede andere Countrymusikerin. Zudem wurde sie mit zehn Grammys und zehn Preisen der Country-Akademie ausgezeichnet, zwei ihrer Songs erhielten Oscar-Nominierungen. Bereits 1999 wurde Parton in die Country Music Hall of Fame aufgenommen, 2022 dann auch in die Rock 'n Roll Hall of Fame. Das renommierte Kulturzentrum Kennedy Center in Washington ehrte sie 2006 für ihr Lebenswerk.
Prominente trauern um Dolly Parton
Schauspielerin Jane Fonda, die 1980 mit Parton in der Komödie "Warum eigentlich … bringen wir den Chef nicht um?" mitgespielt hatte, würdigte sie als "verspieltes Südstaaten-Mädchen" und schillernde Persönlichkeit - und hob auch ihr Leseförderprogramm für Kinder hervor.
Taylor Swift nannte die US-Countrylegende eine Ausnahmekünstlerin. "Eine Welt ohne Dolly fühlt sich nicht möglich, nicht real und nicht richtig an", teilte Swift den Branchenmagazinen "Variety" und "The Hollywood Reporter" mit." US-Präsident Donald Trump würdigte Dolly Parton als große Musikerin und Vorbild für Millionen von Menschen. Zu ihren Ehren lasse er die US-Flagge in den USA für eine Woche auf Halbmast setzen.
Mit Informationen von AFP und dpa
Zum Audio: Dolly Parton – Ikone und soziales Gewissen der USA
Dolly Parton ist die "Königin des Country"
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