Kind wird getauft (Symbolbild)
Kind wird getauft (Symbolbild)
Bild
Ein Unternehmer lässt allen Täuflingen im Raum Starnberg 500 Euro zukommen. Das Bistum Augsburg sieht die Aktion kritisch. (Symbolbild)
Bildrechte: picture alliance / Shotshop|Antonio Gravante
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / Shotshop|Antonio Gravante
Audiobeitrag

Ein Unternehmer lässt allen Täuflingen im Raum Starnberg 500 Euro zukommen. Das Bistum Augsburg sieht die Aktion kritisch. (Symbolbild)

Audiobeitrag
>

Taufprämie: Sakrales "Kopfgeld" oder Ausdruck der Nächstenliebe?

Taufprämie: Sakrales "Kopfgeld" oder Ausdruck der Nächstenliebe?

Ein Unternehmer im Raum Starnberg lässt jedem Täufling 500 Euro zukommen – aber nur den katholischen. Zwei Wochen nach Bekanntwerden äußert sich nun das Bistum Augsburg. Es sieht die Prämie zwar als "Akt der Nächstenliebe", übt aber auch Kritik.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Oberbayern am .

Die Nachricht, dass ein Millionär und Unternehmer jedem Täufling verschiedener katholischer Gemeinden im Raum Starnberg 500 Euro zukommen lassen möchte, sorgte in den vergangenen Wochen für Aufsehen. Jetzt distanziert sich das Bistum Augsburg von der Aktion "Starnberger Schutzengelchen" - zumindest ein Stück weit.

Bistum Augsburg: Prämie verursacht "schales Gefühl"

500 Euro Taufprämie für jedes neu getaufte Kind – eine solche Freigiebigkeit sei grundsätzlich ein "sympathischer Ausdruck von Nächstenliebe", meint das Bistum Augsburg auf BR-Anfrage, zu der die betroffenen Pfarreien am Starnberger See gehören. Aber: Wo der Empfang eines Sakraments und finanzielle Aspekte zu nahe zusammenrückten, bleibe aus kirchlicher Sicht unwillkürlich ein schales Gefühl.

Dem Sakrament der Taufe müsste eine bewusste Glaubensentscheidung der Eltern vorausgehen. Das Bistum verweist dabei auf die Lehre der katholischen Kirche. Demnach geht der Täufling durch den Empfang des Sakraments eine nicht wieder auflösbare Beziehung zu Christus ein.

Geschenke und Feier zur Taufe zu kostspielig

In seiner Stellungnahme zitiert das Bistum Augsburg weiter einen Theologen aus dem 8. Jahrhundert, der bei Missionierungsbemühungen darauf hinwies, dass man zwar die Taufe erzwingen könne, nicht aber den Glauben. "Wenn aber nicht der Glaube geweckt oder gestärkt wird, welchen Sinn macht dann eine solche sicherlich gut gemeinte Aktion?", schreibt das Bistum Augsburg und kritisiert außerdem, dass die Aktion auf katholische Taufen beschränkt sei.

Der Unternehmer hatte seine Motivation damit begründet, durch Gemeindemitglieder und den mit ihm befreundeten Pfarrer erfahren zu haben, dass sich manche bedürftige Familien bei der Taufe ihrer Kinder zurückhielten. Geschenke und Feier erschienen ihnen als zu kostspielig. Über diese Schwelle wolle er gern hinweghelfen, betonte der 65-Jährige, der mit der Restrukturierung von Firmen viel Geld verdient hat.

Aktion ist auf 40 Kinder befristet

Die Aktion "Starnberger Schutzengelchen" ist laut dem Unternehmer auf 40 Kinder befristet. Insgesamt 20.000 Euro hat der Unternehmer in diesem Jahr für Täuflinge zur Verfügung gestellt und nach eigenen Angaben in mehreren Fällen das Geld bereits an die Familien übergeben. Die Täuflinge dürfen nicht älter als drei Jahre sein und müssen in der katholischen Pfarreiengemeinschaft Starnberg gemeldet sein. Er wies die Vermutung zurück, dass mit Geld Gläubige eingekauft werden sollten. Sein Geschenk sei mit keinerlei Verpflichtungen verbunden. Auch könne sich jedes Kind später für einen Austritt aus der Kirche entscheiden.

Auch der Regensburger Moraltheologe Rupert Scheule sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur, es sei "zunächst schön, dass ein reicher Mensch sich um die Zukunft der Kirche und jener von Kindern sorgt". Seiner Meinung nach ist es für Kinder immer besser, getauft zu sein als nicht. Doch die 500 Euro pro Täufling hätten etwas von einem "sakramentalen Kopfgeld", findet der Moraltheologe.

Er hätte es besser gefunden, in einer Pfarrei einen Fonds einzurichten, aus dem Familien Geld bekämen, die sich die Feier nicht leisten könnten. Scheule, der auch als Diakon tätig war, bestätigte, dass das Feiern von Sakramenten für manche Familien auch eine enorme finanzielle Belastung darstelle. Der frühere Papst Franziskus habe deshalb im Zusammenhang mit der Feier von Sakramenten darauf verwiesen, auch den Mut zu kleinen Festen zu haben.

Mit Informationen der KNA.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

Sie interessieren sich für Religion, Kirche, Glaube, Spiritualität oder ethische Fragen? Dann abonnieren Sie hier den Newsletter der Fachredaktion Religion und Orientierung.