In München haben am Samstag Tausende für mehr erneuerbare Energien und für Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen demonstriert. Unter dem Motto "Erneuerbare Energien verteidigen!" folgten laut Polizei rund 7.000 Menschen dem Aufruf von Bund Naturschutz in Bayern (BN), Fridays For Future München, Greenpeace Bayern und dem Umweltinstitut München. Die Veranstalter sprachen sogar von 12.000 Teilnehmenden. Die Demonstranten forderten ein Ende von fossiler Abhängigkeit und einen Kurswechsel von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU).
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Forderung nach höherem Ausbautempo und Stromsteuer-Senkung
Die Teilnehmenden und Redner warfen Reiche auf zahlreichen Transparenten und auf der Bühne vor, den Erfolg der Energiewende zu gefährden und fossile Energien zu bevorteilen. Der BN-Landesvorsitzende Martin Geilhufe bezeichnete Reiches Netzpaket als "Teil eines konzertierten Generalangriffes auf Natur, Umwelt und Klima". Die Bundesregierung dürfe den Ausbau von Wind- und Sonnenenergie nicht abwürgen.
Die Münchner Kundgebung begann am Siegestor, die Abschlussveranstaltung wurde am Bayerischen Wirtschaftsministerium in der Prinzregentenstraße abgehalten. Redner waren unter anderem der Astrophysiker Professor Harald Lesch und der Musiker Hans Well. Die Veranstalter forderten neben einem höheren Ausbautempo bei Sonnen- und Windkraft auch eine Absenkung der Stromsteuer für alle. Der Irankrieg zeige, dass eine Unabhängigkeit von fossilen Energien immer stärker über Sicherheit und Stabilität entscheide, so das Bündnis.
Bundesweit laut Organisatoren mehr als 80.000 Demonstranten
Weitere Demonstrationen fanden in Berlin, Hamburg und Köln statt. Bundesweit gingen laut Angaben der Organisatoren mehr als 80.000 Menschen auf die Straße. In Köln seien es 30.000 Menschen gewesen, in Berlin rund 24.000.
Dort sprach die Klimaaktivistin Luisa Neubauer vor dem Bundeswirtschaftsministerium von einer "Unterwanderung der Energiewende". Es gehe dabei nicht um die Bezahlbarkeit von klimafreundlicher Politik, sondern um den "Erhalt fossiler Gewohnheiten und fossiler Macht". Auch ein VW-Werk "kann nicht im Hochwasser produzieren, ob man es wahrhaben will oder nicht", sagte sie.
Netzengpässe verursachen Milliardenkosten
2025 waren die Kosten des sogenannten Engpassmanagements laut Bundesnetzagentur um vier Prozent auf knapp 3,1 Milliarden Euro gestiegen. Ursache sind Leitungsengpässe, da an sonnigen oder sehr windigen Tagen häufig mehr Ökostrom produziert wird, als genutzt werden kann. Stattdessen werden dann in Süddeutschland häufig Gas- oder Kohlekraftwerke angeschaltet, die besonders teuren Strom produzieren. Gleichzeitig erhalten Betreiber von Ökostrom-Anlagen finanzielle Entschädigung für "abgeregelten" Strom.
Ministerin Reiche will in Netzgebieten mit besonders hohem Anteil nicht genutzten Ökostroms künftig für neue Wind- oder Photovoltaikparks keine Entschädigung mehr zahlen.
Polizei auf mehreren Plätzen gleichzeitig im Einsatz
Die Münchner Polizei war am Samstag mit mehreren Kundgebungen gut beschäftigt. Die Energiewende-Befürworter versammelten sich in der Mittagszeit am Siegestor, gleichzeitig demonstrierten am nahen Königsplatz Gegner von Abtreibungen und Sterbehilfe. Laut Polizei waren in der Spitze rund 4.500 Teilnehmende unterwegs. Zeitgleich fand unter dem Motto "pro choice" eine Gegendemonstration statt, an der laut Münchner Polizei rund 4.000 Menschen teilnahmen.
Im Video: Tausende demonstrieren in München für erneuerbare Energien
Tausende sind in ganz Deutschland auf die Straße gegangen. Auch in München demonstrierten sie für erneuerbare Energien.
Mit Informationen von AFP und dpa
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