Mit seinem Sieg hat Alexander Zverev am Wochenende Tennisgeschichte geschrieben: Vor ihm gewann bei den Herren zuletzt Boris Becker als Deutscher 1996 einen Grand-Slam-Titel. Ob Zverevs Sieg dem Tennissport zu einem Aufschwung verhilft, das kann der Bayerische Tennisverband (BTV) zwar noch nicht sagen. Fest stünde aber: "Auch ohne den Grand-Slam-Sieger Zverev konnten wir guten Mitgliederzuwachs generieren". Laut BTV steigen die Mitgliederzahlen im bayerischen Tennis seit Jahren. Gewachsen sei der Sport vor allem durch die Corona-Pandemie. Damals war das Spielen im Freien und das Einhalten eines Abstandes einfacher als in manch anderer Sportart.
Mittlerweile spielen rund 352.000 Menschen in Bayern Tennis im Verein, mit so vielen Mitgliedern hatte der BTV ursprünglich erst 2030 gerechnet.
Platzproblem in Ballungsräumen
Boris Beckers Wimbledon Sieg 1985 gilt heute vielen als Startschuss für den großen Tennishype in Deutschland. Dabei verdreifachen sich die Mitgliederzahlen des BTV schon bevor Becker damals als erster Deutscher in Wimbledon gewinnt. Einen Schub geben die Siege von Becker und auch von Steffi Graf dem deutschen Tennis natürlich trotzdem: 1997 erreicht der BTV seinen Mitgliederrekord, als rund 440.000 Menschen in Bayern in Tennisvereinen gemeldet sind. Damals schießen viele Vereine aus dem Boden, Anfang der 2000er ebbt der Hype um Tennis wieder ab.
Wie gefragt Tennis derzeit ist, sieht man im Ballungsraum München: Wer heute im Raum München Vereinsmitglied werden will, hat es erst mal schwer. Auf der Warteliste von Bayerns mitgliederstärkstem Verein, dem STC München-Süd, stehen derzeit 250 Namen. Clubmanager Oliver Prosi betont, dass man zwar gerne neue Mitglieder aufnehmen würde, dem Verein aber schlichtweg der Platz fehlt. Besonders zu den Stoßzeiten wie am Feierabend seien alle Plätze voll ausgebucht. Deswegen hat der Verein seit 2022 einen Mitgliederstopp verhängt. Auch andere Münchner Vereine nehmen derzeit keine neuen Mitglieder auf.
Im Rest von Bayern stehen die Chancen besser. Michael Schien, erster Vorsitzender vom Tennisclub Rot-Blau Regensburg freut sich über jeden, der sich für Tennis begeistert: "Wenn es einen neuen Boom gibt, dann nehmen wir das gerne mit!" Und auch viele andere Vereine in Bayern, wie der Tennisclub Augsburg e.V. oder der Regensburger Tennisclub sind offen für neue Mitglieder.
Bayerischer Sieg bei der French Open
Ein letzter Aufschlag, dann fallen in Paris die Schläger zu Boden, im Stadion wird gejubelt. Der 17-Jährige Vincent Reisach aus Plattling fällt seinem Doppelpartner Jamie Mackenzie in die Arme. Gemeinsam haben sie das Juniorendoppel der French Open gewonnen. Für Reisach ist es der größte Sieg seiner bisherigen Tenniskarriere – und gleich ein historischer. Es ist das erste Mal seit 24 Jahren, dass ein deutsches Duo sich diesen Titel holt.
"Ich konnte es am Anfang ehrlich gesagt gar nicht glauben. Ich war natürlich unglaublich happy!", so Reisach. Der 17-Jährige spielt bereits seit zehn Jahren erfolgreich Tennis und wird als Nachwuchstalent vom BTV gefördert. Der Sieg in Paris war aber auch für ihn überraschend, denn das Zusammenspiel mit seinem Doppel-Partner Jamie Mackenzie hat sich erst kurzfristig ergeben: "Mein Doppelpartner war verletzt und er hat seinen dann auch noch kurzfristig gewechselt. Es war das erste Mal, dass wir zusammengespielt haben. Ich habe nicht erwartet, dass wir gewinnen!"
Fragt man ihn, ob er die Zukunft des deutschen Tennis ist, dann lacht der 17-Jährige: "Ich hoffe auf jeden Fall, dass ich in ein paar Jahren bei einem Grand Slam spielen kann!" Vorher steht für ihn aber in drei Wochen erst mal die Teilnahme bei einem weiteren Juniorenturnier in Wimbledon an.
Neuer Trend: Padel
Parallel zu Tennis wächst in Bayern derzeit eine ähnliche Schlägersportart, die Elemente aus Tennis und Squash kombiniert: Padel. Für den Laien sieht der Sport auf den ersten Blick aus wie Tennis: gleicher Ball, ähnliches Spielfeld, nur kleiner. Der BTV sieht darin keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung für den Tennissport, der im besten Fall weiter zum Mitgliederzuwachs beiträgt. Deswegen berät der BTV Vereine auch, wie und ob Padelplätze bei ihnen sinnvoll sind. Rund 140 Plätze an 77 Standorten gibt es bereits in Bayern – Tendenz laut dem BTV steigend.
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