Wer das Versuchstierlabor der Universität Würzburg betreten will, muss sich erstmal umziehen. Schutzanzug, Haube, Maske, Gummihandschuhe. Das Personal soll keine Erreger an die Tiere übertragen. Vor allem Mäuse züchten die Uni-Mitarbeiter in dem Labor. Mithilfe eines neuen Lehrstuhls will die Universität nun noch stärker darauf achten, wie Tierversuche ablaufen – und wo sie verzichtbar sind.
- Zum Artikel der "Main-Post": Uni Würzburg hat jetzt einen Lehrstuhl für Tierschutz (externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt)
Tiere sollen bei Arznei-Entwicklung helfen
Tierversuche sind in der Biomedizin oder Biochemie gängige Praxis. Auch an der Uni Würzburg testen Forscher an Tieren. In Würzburg halfen Tierversuche in der jüngeren Vergangenheit etwa bei der Forschung zu einem Thrombose-Hemmer oder zu Brustkrebs.
Um die 46.000 Tiere hat die Uni im vergangenen Jahr für wissenschaftliche Zwecke verwendet. "Wir machen das aber nicht, weil wir einen Zwang haben, das machen zu wollen", sagt Jan Baumgart, Inhaber des neu gegründeten Lehrstuhls für Versuchstierkunde und Tierschutz. Die Versuche seien "die letzte Möglichkeit, um ein höherwertiges Ziel im Rahmen der Gesundheit des Menschen erfüllen zu können".
Lehrstuhl will Tierwohl stärken
Ins Leben gerufen hat die Uni den Lehrstuhl zum Wintersemester 2025/26. Ziel sei es, die Bedingungen für Versuchstiere zu verbessern. Also eine artgerechte Haltung sicherzustellen und Tierversuche bewusst einzusetzen, heißt es von der Uni.
Veterinärmediziner Baumgart geht es auch darum, ein stärkeres Augenmerk auf ethische Aspekte zu legen. Grundsätzlich gelte für Forschende das sogenannte 3R-Prinzip. Die Abkürzung steht für Englisch: replace, reduce, refine. Auf Deutsch: ersetzen, reduzieren und verbessern. Tierversuche sollen also nur angewandt werden, wenn sie unabdingbar sind – in möglichst geringem Umfang, so schonend wie möglich für die Tiere.
Kritiker fordern Alternativen zu Tierversuchen
Bei mehr als 90 Prozent der Versuche nutzen die Forscher an der Uni Würzburg Zuchtmäuse. Auch an Krallenfröschen oder kleinen Knochenfischen haben sie im vergangenen Jahr Versuche durchgeführt – genauso an Ratten, aber auch an zehn Kaninchen und 27 Schweinen.
Baumgart sagt: Er bemühe sich um Transparenz. Ihm sei bewusst, dass es sich um einen "kritischen Fachbereich" handele. Tierversuche sind umstritten. Tierschützer fordern zum Beispiel, auf Alternativen zu setzen – zum Beispiel Versuche mit Zellkulturen.
Masterstudiengang für Versuchstierkunde geplant
In Tierversuchen würden sich jedoch oft Auswirkungen zeigen, mit denen die Forschenden anhand anderer Modelle nicht gerechnet hätten. Baumgart und seine Kollegen am Lehrstuhl vertreten deshalb die Auffassung: Alternativ-Ansätze können nicht alle Tierversuche ersetzen. Zumindest noch nicht. An der Universitätsklinik Würzburg wird zum Beispiel an sogenannten Organoid-Modellen (externer Link) gearbeitet. Das sind Gewebekulturen, die aus kultivierten Zellen oder Gewebeproben gewonnen werden. Baumgart hofft, dass sich derartige Modelle weiterentwickeln: "Ich weiß nicht, ob es den Tierversuch irgendwann nicht mehr geben wird. Es wird ihn aber nur noch sehr eingeschränkt geben."
An der Universität Würzburg soll in den kommenden vier Jahren ein neuer Masterstudiengang zu Tierversuchen entstehen. Einen solchen gibt es bereits an der RWTH Aachen. Baumgart hofft, dadurch das Wohl der Versuchstiere stärker als bislang in der universitären Lehre beleuchten zu können.
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