Zahlreiche Lkw auf der A3 bei Aschaffenburg.
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Zugeparkte Gehwege, Fäkalien: Lkw-Parkplatznot trifft Kommunen

Zugeparkte Gehwege, Fäkalien: Lkw-Parkplatznot trifft Kommunen

Im Industriegebiet von Hösbach bei Aschaffenburg blockieren Lastwagen Rettungswege und Zufahrten. Der Fall zeigt, wie groß der Mangel an sicheren Stellplätzen entlang der A3 und bundesweit inzwischen ist.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Mainfranken am .

Die Zahlen des bayerischen Verkehrsministeriums sind eindeutig: In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Transportleistung im Straßengüterverkehr nahezu verdoppelt. Verkehrsprognosen des Bundes sagen einen weiteren Anstieg voraus – vor allem auf Transitachsen wie der A3. Doch der wachsende Lkw-Verkehr trifft auf ein chronisches Defizit an Stellplätzen.

Gewerbegebiet wird zur Not-Rastanlage

Nach Angaben des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) fehlen bundesweit mehr als 40.000 Lkw-Parkplätze. Wie massiv der Druck ist, zeigt das Industriegebiet von Hösbach bei Aschaffenburg: Firmen berichten von zugeparkten Rettungswegen und Gehwegen, blockierten Einfahrten sowie Müll und Fäkalien auf ihren Grundstücken.

Unternehmer Heino Gilmer schildert die Lage drastisch: Ein Schaden von rund 30.000 Euro an seinem Auto nach Fahrerflucht. Er ist sich sicher, dass es ein Lkw war. Abends zähle er 35 bis 40 Lastwagen, die im Gebiet ihre Ruhezeit verbringen. Zusätzlichen Verkehr bringt eine im Gewerbegebiet ansässige Zollagentur. Vor allem ausländische Fahrer müssen dort Waren verzollen – und verbinden die Abwicklung offenbar mit ihren gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten.

Kommunen stoßen an rechtliche Grenzen

Die Gemeinde Hösbach hat Parkverbote erlassen. Verkehrsüberwachung und Polizei kontrollieren regelmäßig. Doch zwei Punkte erschweren die Lage: Zum einen dürfen Fahrer wegen der Ruhezeiten nicht einfach weggeschickt werden – wohin auch, wenn entlang der Autobahn kaum freie Plätze vorhanden sind. Zum anderen ist die Ahndung von Verstößen bei ausländischen Fahrern schwierig. Bußgeldbescheide lassen sich oft nicht über die Bundesgrenzen hinaus durchsetzen.

Bereits 2022 wandte sich Hösbach an den damaligen Bundesverkehrsminister Volker Wissing. Die Antwort aus Berlin: Man sei bemüht, einen EU-weiten Rechtsrahmen für die Verfolgung von Verkehrsverstößen zu schaffen. Bis heute ist laut Gemeinde eine wirksame Ahndung innerhalb der EU jedoch "äußerst schwierig".

40.000 Lkw-Stellplätze fehlen bundesweit

Der Fall Hösbach ist kein Einzelfall. BGL-Vorstandssprecher Dirk Engelhardt beschreibt die Lage entlang der Autobahnen als "äußerst angespannt". Vor allem in den Nachtstunden seien viele Rastanlagen überfüllt, Fahrer wichen auf Ein- und Ausfahrten, Seitenstreifen oder eben autobahnnahe Gewerbegebiete aus.

Zwischen 2020 und 2024 wurden nach Angaben der Autobahn GmbH bundesweit zwar rund 2.530 zusätzliche Lkw-Parkstände geschaffen. In Nordbayern sollen bis 2026 weitere 151 Stellplätze hinzukommen. Angesichts des Defizits ist das aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Bayern setzt auf digitale Parkleitsysteme

Der Freistaat Bayern versucht, mit einem Mix aus Ausbau und Digitalisierung gegenzusteuern. An der A9 zwischen München und Nürnberg leitet ein Lkw-Parkleitsystem Fahrer per Telematik zu freien Stellplätzen auf 22 öffentlichen Rastanlagen. Digitalisierung kann die vorhandenen Kapazitäten besser nutzbar machen. Sie ersetzt aber keinen einzigen fehlenden Stellplatz – darauf weist auch der BGL hin.

Verbände fordern mehr Mautgeld für Parkplätze

Die Logistikbranche fordert, den Ausbau von Stellplätzen deutlich zu beschleunigen. Rastanlagen und Autohöfe müssten ausgebaut, geeignete Flächen entlang der Autobahnen schneller geplant und genehmigt werden. Ein Kernpunkt: Die Einnahmen aus der Lkw-Maut – derzeit rund 13 Milliarden Euro jährlich – sollen stärker zweckgebunden in die Straßeninfrastruktur und insbesondere in den Bau von Lkw-Stellplätzen und Sanitäranlagen zurückfließen.

Verständnis für Fahrer – Frust bei Betrieben

Die Betriebe in Hösbach betonen, dass sich der Ärger nicht gegen die Fahrer persönlich richtet. Unternehmer Heino Gilmer spricht von "armen Menschen", die einen harten Job machen und oft keine andere Möglichkeit hätten, als im Gewerbegebiet zu parken. Gleichzeitig könne es nicht sein, dass die Folgen des strukturellen Stellplatzmangels auf den Schultern der Bürger und Unternehmen in den Kommunen abgeladen werden.

Hösbach steht stellvertretend für viele Orte entlang der Transitachsen: Der Druck durch den Güterverkehr ist hoch, die Zuständigkeiten zwischen Bund, Land, Landratsamt und Gemeinde sind komplex – und eine durchgreifende Lösung ist bislang nicht in Sicht. Autobahnnahe Kommunen hoffen nun auf ein besseres Zusammenspiel von Bund, Freistaat, Kommunen und Logistikbranche. Klar ist: Ohne deutlich mehr sichere Lkw-Parkplätze wird sich das Chaos vor Ort kaum entschärfen lassen.

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