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Hohe Kaufkraft, idyllische Landschaft: Der Landkreis Rhön-Grabfeld landet in einer Kaufkraft-Studie bundesweit auf Platz drei.
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Hohe Kaufkraft, idyllische Landschaft: Der Landkreis Rhön-Grabfeld landet in einer Kaufkraft-Studie bundesweit auf Platz drei.

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Trotz Stellenabbau? Rhön-Grabfeld auf Spitzenplatz bei Kaufkraft

Trotz Stellenabbau? Rhön-Grabfeld auf Spitzenplatz bei Kaufkraft

Hohe Kaufkraft, idyllische Landschaft: Der Landkreis Rhön-Grabfeld landet in einer Kaufkraft-Studie bundesweit auf Platz drei. Vor Ort erzählen Menschen, warum sie sich nicht als reich empfinden – und was die Zahlen verschweigen.

Über dieses Thema berichtet: Abendschau am .

Postkartenidylle, Fachwerk, weite Natur: So kennen viele die Rhön. In Ginolfs lebt Sven Breunig, Landwirt im Nebenerwerb mit eigener Ziegenhaltung. Er beschreibt die Rhöner als "bescheiden, e bissle knärzig", aber als geselliges und friedvolles Volk. Für "reich" hält er die Menschen im Landkreis trotzdem nicht – höchstens an Lebensqualität.

Eine neue Kaufkraft-Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sieht das anders: Rhön-Grabfeld landet bundesweit auf Platz drei. Hier bekommen die Menschen also mehr für ihr Geld als beispielsweise in Ballungsräumen mit hohen Mieten und Lebenshaltungskosten.

Traum vom Eigenheim mit viel Eigenleistung

Wie sich das Leben vor Ort anfühlt, zeigt das Beispiel von Lorenz Bach. Anfang 30, verheiratet, arbeitet im Landkreis – und saniert gerade ein Haus aus den 1950er-Jahren in Mellrichstadt. Eine Mietwohnung in der Großstadt? Für ihn nie eine Option.

Ein Haus wie dieses kostet in Mellrichstadt laut Bach rund 300.000 Euro – noch einmal so viel kann für die Sanierung fällig werden. Funktionieren kann das für ihn nur mit viel Eigenleistung und langem Sparen.

Bauen ist auch im Landkreis Rhön-Grabfeld teurer geworden, findet Landwirt Breunig: Alte Baugebiete seien noch für rund 50 Euro pro Quadratmeter verkauft worden. Bei neuen Erschließungen seien Gemeinden heute schnell bei 200 Euro und mehr, weil die Erschließungs- und Baukosten deutlich gestiegen seien.

Mehr Netto – dank starker Arbeitgeber

Warum Rhön-Grabfeld in der Studie dennoch so weit vorne liegt, erklärt sich für Wirtschaftsförderer Jörg Geier vom Landratsamt vor allem aus der Kombination von Einkommen und Kosten: Wohnen sei auf dem Dorf beim Mieten und Kaufen immer noch günstiger als in den Ballungsräumen. Gleichzeitig gebe es Arbeitgeber, die beim Lohnniveau mit großen Zentren mithalten können. "Dadurch bleibt am Ende mehr Netto übrig", so Geier.

Allerdings blickt die Studie noch auf das Jahr 2023 – bevor größere Stellenstreichungen in der regional wichtigen Automobilzulieferindustrie wirksam wurden. Jahrzehntelang sicherte diese Branche viele gut bezahlte Arbeitsplätze im Landkreis, inzwischen bröckelt das Fundament.

Strukturwandel und Zweifel an Rankings

Geier betont, der Landkreis sei im Wandel aktiv: Man sitze mit Hochschule und Unternehmen am Tisch, um neue Felder wie Raumfahrt und Robotik zu erschließen – um auch künftig qualifizierte Jobs in der Region zu halten.

Volkswirtschaftsprofessor Michael Pflüger von der Universität Würzburg sieht Kaufkraft-Rankings generell kritisch. Die Studie bezieht nicht nur Löhne, sondern auch andere Vermögenswerte und Unternehmensgewinne mit ein. Wenige, aber finanziell sehr gut situierte Bürger lassen den Durchschnittswert steigen.

Unklar bleibe, wie die Einkommen tatsächlich entstehen – etwa in Industriezentren wie dem ungefähr 50 Kilometer entfernten Schweinfurt. Pendelkosten würden nicht ausgewiesen und verzerrten so das Bild: Wer viel verdient, aber lange und teuer pendelt, hat am Ende weniger in der Tasche, als die Statistik vermuten lässt.

Hohe Kaufkraft, mäßige Zufriedenheit

Was laut Pflüger in Sachen Wohlstand in der Studie nicht berücksichtigt wird, ist die Frage nach der subjektiven Lebensqualität. Danach hat eine Studie der Bundesregierung im Jahr 2024 gefragt. Das Ergebnis: Im Landkreis Rhön-Grabfeld sind die Menschen demnach nur unterdurchschnittlich zufrieden. Auch die Versorgung mit Fachärzten bewerten sie schlechter als der Bundesdurchschnitt. Die eine Wahrheit über Wohlstand gibt es also offenbar nicht.

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