Symbolbild: Eine Tortuga-Klapperschlange schaut in die Kamera.
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Symbolbild: Gemeinde und mutmaßlicher Halter streiten, wer für die Unterbringung von beschlagnahmten Giftschlangen aufkommen soll.
Bildrechte: picture alliance/dpa | Silas Stein
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Symbolbild: Gemeinde und mutmaßlicher Halter streiten, wer für die Unterbringung von beschlagnahmten Giftschlangen aufkommen soll.

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Giftschlangen-Betreuung kostet über 100.000 Euro - Wer zahlt?

Giftschlangen-Betreuung kostet über 100.000 Euro - Wer zahlt?

Ein mutmaßlicher Halter beschlagnahmter Giftschlangen in Blaichach will für die Unterbringung der gefährlichen Tiere nicht aufkommen und klagt gegen die Gemeinde. Diese wiederum hat nun einen vom Gericht vorgeschlagenen Vergleich abgelehnt.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Schwaben am .

Wer kommt für die Unterbringung von beschlagnahmten Giftschlangen in Blaichach auf? Darum streiten die Oberallgäuer Gemeinde und mutmaßlicher Halter schon seit längerem. Das Verwaltungsgericht Augsburg hat zuletzt einen Vergleich vorgeschlagen, wonach der mutmaßliche Halter 15.000 Euro der Kosten übernehmen sollte, die Gemeinde Blaichach mindestens 80.000 Euro.

Eine Stunde lang haben die Gemeinderäte laut dem Blaichacher Bürgermeister Christof Endreß (CSU) diskutiert, dann haben sie geschlossen gegen den Vergleich gestimmt. Über zwei Jahre nach der Maßnahme beschäftigen die Giftschlangen die Behörden also weiterhin.

Behörden stellen hochgiftige Schlangen sicher

Ein anonymer Hinweis brachte das Oberallgäuer Landratsamt im Frühjahr 2024 auf die Spur: Von möglichen Unregelmäßigkeiten in der Tierhaltung wurde darin berichtet. Bei der anschließenden Kontrolle in einem privaten Anwesen in Blaichach fanden die Behörden neun hochgiftige Schlangen, darunter Lanzenottern, Klapperschlangen und Mangroven-Nachtbaumnattern. Daneben stellten sie nach eigenen Angaben fest: Die Tiere wurden nicht richtig gehalten, und dem mutmaßlichen Halter habe auch die behördliche Erlaubnis gefehlt, sie überhaupt zu halten. Sie beschlagnahmten die Schlangen und brachten sie in eine Auffangstation in München.

Einige Schlangen fanden neues Zuhause

Während eine der Schlangen recht bald verstorben sei, konnten vier Tiere an geeignete Halter vermittelt werden, vier weitere Schlangen hat die Auffangstation übernommen. Sie werden laut der Sprecherin unter anderem für die Ausbildung von Personen genutzt, die den Umgang mit gefährlichen Tieren üben müssen; zum Beispiel Zootierpfleger, Mitglieder der Bundeswehr, die Auslandseinsätze absolvieren, aber auch Mitglieder der Feuerwehren.

Risikozuschlag für Giftschlangen

Doch die Kosten für die monatelange Unterbringung der Giftschlangen haben sich gehäuft: Auf 113.000 Euro belaufen sie sich laut Bürgermeister Endreß. Denn für die Tiere fallen "Gefahrtierzuschläge" an, erklärt eine Sprecherin der Auffangstation: "Wir müssen bei so gefährlichen Tieren aus Sicherheitsgründen immer zu zweit sein, um sie zu versorgen."

Das Geld hat die Gemeinde vorgestreckt. Sie sieht aber den mutmaßlichen Halter in der Schuld und möchte es sich von ihm zurückholen. "Die Frage ist schon: Warum muss die Allgemeinheit die Kosten tragen, die jemand anders verursacht hat?", hatte Bürgermeister Endreß bereits vor der Entscheidung des Gemeinderats erklärt.

Gericht kritisiert Gemeinde

Doch für die Gemeinde besteht ein Risiko: Sie kann sich nicht sicher sein, dass sie vor Gericht auch Recht bekommt. Laut Endreß bestreitet der Beschuldigte, überhaupt der rechtmäßige Schlangenhalter gewesen zu sein. Vielmehr habe er die Tiere nur für einen Bekannten vorübergehend aufbewahrt.

Zudem wirft das Gericht der Gemeinde vor, nicht schnell genug versucht zu haben, das Geld vom mutmaßlichen Halter wieder einzutreiben. Endreß räumte im Gespräch mit BR24 ein, dass zwischen der Sicherstellung und der Ausstellung des Bescheids an den mutmaßlichen Halter Monate vergangenen seien. "Allerdings ist dieser Vorgang auch für uns kein alltäglicher", erklärte der Bürgermeister.

Der Fall geht jetzt wieder ans Verwaltungsgericht. Das muss entscheiden, wie die Kosten aufgeteilt werden. Endreß hofft, dass die Gemeinde zumindest einen "verhältnismäßigen Teil" der Kosten ersetzt bekommt.

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