Friedrich-Wilhelm-Stollen mit Besuchern.
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Untertage in Alexander von Humboldts Bergwerk in Lichtenberg

Untertage in Alexander von Humboldts Bergwerk in Lichtenberg

Mit seinen Forschungsreisen revolutionierte Alexander von Humboldt das Naturverständnis. Bevor der Wissenschaftler in die weite Welt ging, sollte er in Oberfranken die Wirtschaft ankurbeln – mit einem Bergwerk. Das soll in Erinnerung behalten werden.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Wenn man die Stadt Lichtenberg auf der Staatsstraße 2196 verlässt, deutet kaum etwas darauf hin, dass hier einst Alexander von Humboldt tätig war. Im Höllental zwischen thüringischer Grenze und einem verlassenen Bahnhof steht noch heute das angeblich einzige Bergwerk weltweit, das von Humboldt geplant worden war: der Friedrich-Wilhelm-Stollen (externer Link). Der 1.000 Meter lange unterirdische Gang sollte den Betrieb in der darüberliegenden Friedensgrube sicherstellen.

"Bergleute hatten einen sehr gefährlichen Beruf, deshalb wünschen sie sich auch immer Glück", sagt Ute Fiedler. Die Bergwerkführerin steht am Eingang des Stollens und wünscht ihren etwa 15 Besuchern ein "Glück auf!". Dann führt Fiedler die Gruppe in den schmalen Gang, der an der niedrigsten Stelle 1,80 Meter hoch ist.

Friedrich-Wilhelm-Stollen: Ausbau für Besucher auf 230 Meter

Durch den Stollen wurde einst das Wasser abgeleitet, das in der heute nicht mehr existierenden Friedensgrube beim Abbau von Kupfer und Erz entstand. Bis vor kurzem waren nur die ersten 190 Meter des Stollens für Besucher zugänglich, jetzt sind weitere 40 Meter dazu gekommen. Dafür wurde der Stollen mit modernsten Mitteln ausgebaut.

Der Bau des Stollens geht auf eine Zeit zurück, in der der Bergbau in Teilen des heutigen Oberfrankens eine wichtige Rolle spielte. Man geht davon aus, dass große Teile des Frankenwaldes auch deswegen besiedelt wurden, weil es hier Vorkommen von Edelmetallen und Erzen gab, erklärt der Historiker Adrian Roßner, dessen Schwerpunkt auf der fränkischen Landesgeschichte liegt. Der Bergbau sei neben dem Textilgewerbe bis zum Dreißigjährigen Krieg Leitindustrie in Oberfranken gewesen. "Im Anschluss nach 1648 lag sie aber komplett am Boden", so Roßner. Das sollte sich ändern – auch deshalb, weil die Region finanziell angeschlagen war.

Alexander von Humboldt sollte den Bergbau voranbringen

Der damalige Markgraf Karl August Freiherr von Hardenberg wollte dem Bergbau wieder auf die Sprünge helfen und suchte dafür einen kompetenten Mitarbeiter, sagt Roßner. Die Wahl fiel auf Alexander von Humboldt, der gerade sein Studium abgeschlossen hatte. Im Alter von etwa 25 Jahren wird er zum Oberbergemeister ernannt. Mit der Modernisierung der Abbautechniken habe von Humboldt "die letzte große Blüte des Bergbaus eingeleitet", so Roßner.

Die hat nach der Fertigstellung des Friedrich-Wilhelm Stollens in Lichtenberg noch etwa 20 bis 30 Jahre angehalten. Der Bergbau bei Lichtenberg war Geschichte. Heute ist der Friedrich-Wilhelm-Stollen – benannt nach dem damaligen preußischen König – ein Denkmal.

Förderverein will Werbung für den Forscher machen

Dessen Architekt darf nicht in Vergessenheit geraten, findet Florian Wachter, Vorstand des Fördervereins "Friedrich-Wilhelm-Stollen", der den Gang erhalten und für Besucher zugänglich machen soll: "Wenn man sich irgendwo im spanischen oder südamerikanischen Bereich aufhält – an jedem Felsen, wo der Alexander von Humboldt Brotzeit gemacht hat, ist sofort ein Wanderweg und ein Denkmal." In Oberfranken habe er drei, vier Jahre gewohnt und trotzdem sei er "nicht so wirklich präsent". Und deswegen will der Förderverein Werbung für den Forscher machen und das Bergbau-Wissen weitergeben.

Plan: Stollen komplett begehbar machen

Nach knapp 230 Metern im Stollen endet die Besucherführung. Die restlichen mehr als 700 Meter ist der Gang noch nicht ausgebaut. Denn: "Aktuell ist die Gefahr hinten, dass wir keine Luft haben. Durch den CO2-Überschuss und die Ausgasung vom Fels ist es nahezu lebensfeindlich", erklärt Wachter. Die nächste Aufgabe des Fördervereins: Luft in den Gang nach hinten bekommen. "Die Paradelösung wäre eine Bohrung, die um die 80 Meter tief sein müsste", so Wachter.

Doch dieses Vorhaben kostet rund 400.000 Euro, schätzt Wachter. Trotzdem ist das langfristige Ziel, den Stollen komplett für Besucher begehbar zu machen. Denn je weiter die Besucher in den Gang hineingehen können, desto mehr sehen sie. Wachter: "Da sind blaue Tropfsteine, das ist ziemlich faszinierend. Die Gänge nach hinten werden immer bunter und spannender."

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