400 Kilometer Anreise für Björn Bergl aus Donauwörth. Er will "Kontrovers – Die Story" seine Geschichte erzählen – die ihn möglicherweise bald in die Privatinsolvenz rutschen lässt. Und das macht er auf einem Dachboden im sächsischen Wurzen, den andere Hausbewohner nutzen, um ihre Wäsche zum Trocknen aufzuhängen.
Der Dachboden gehört Björn Bergl. Über 70.000 Euro hat er dafür bezahlt. Er dachte, es sei eine Wohnung. So wie die auf den Beispiel-Fotos im Exposé. Doch vor Ort habe man ihm eine andere Wohnung in dem Gebäudekomplex gezeigt, sagt Bergl. Das lässt sich nicht belegen, der Donauwörther hatte beim Besichtigungstermin keinen Zeugen dabei. Bergl ist von Beruf technischer Zeichner für Versorgungstechnik. "Ich habe im Großen und Ganzen Ahnung von den Dingen", sagt er. Den Dachboden hätte er so nie gekauft. Heizungsleitungen sehe er keine, es sei massiver Aufwand nötig, um aus dem Dachboden eine Wohnung zu machen. "Man hat mich reingelegt!", sagt Björn Bergl.
Im Video: Kontrovers - Die Story: Vom Finanzberater abgezockt? So haben sie alles verloren
Augsburger Unternehmen vermittelt Wohnungen und Geld-Anlagen
Vermittelt wurde Björn Bergl die vermeintliche Wohnung von Lorenzo – Hauptperson der Wirtschaftsmanufaktur Catalano & Kollegen aus Augsburg. Ein anderer Betroffener berichtet gegenüber Kontrovers, er habe durch die Vermittlung von Lorenzo ebenfalls eine Wohnung in dem Gebäudekomplex in Sachsen gekauft – für rund 100.000 Euro. Der tatsächliche Wert dürfte aber wohl nur bei rund 15.000 Euro liegen. So schätzt es ein Immobilienmakler aus der Region auf BR-Anfrage.
Zinsen werden nicht regelmäßig ausbezahlt
Aber nicht nur Immobilien vermittelt Lorenzo, sondern auch Geldanlagen. Die Kunden haben Summen zwischen 10.000 und bis zu 100.000 Euro an die Firma überwiesen. Dafür sollten sie hohe Zinsen bekommen – zwischen 7,5 und neun Prozent pro Jahr – anteilig jeden Monat ausbezahlt. Die Kunden berichten gegenüber Kontrovers, dass die Auszahlung anfangs meist gut lief, dann jedoch ins Stocken kam. Ende August 2025 hat die Wirtschaftsmanufaktur Catalano & Kollegen – eine GmbH – Insolvenz angemeldet. Ihre Einlagesumme haben die Betroffenen bis jetzt nicht zurückbekommen.
Persönliche Nähe weckt bei Anlegern Vertrauen
Warum haben die Kunden der Firma überhaupt ihr Geld anvertraut? Es lässt sich ein Muster erkennen: Im Gegensatz zu anonymen Geschäften im Internet, hat sich Lorenzo als der nahbare Geschäftsmann aus der Region gegeben. Er war mit seiner Firma etwa auf den Regionalmessen "WIR" in Dillingen und der Donau-Ries-Ausstellung in Donauwörth vertreten, unterhielt ein Büro in Augsburg und machte Hausbesuche.
Wohin ist das Geld geflossen?
Björn Bergl aus Donauwörth hat nicht nur die Wohnung in Sachsen gekauft, sondern weitere 30.000 Euro bei der Wirtschaftsmanufaktur Catalano & Kollegen direkt investiert. In einem Zivilprozess vor dem Landgericht Augsburg kommt raus: Lorenzo hat mit dem Geld sein eigenes Büro in Augsburg gekauft.
Die Kunden des Unternehmens geben an, ihnen sei gesagt worden, das Geld werde in Immobilien, Rohstoffe oder Wertpapiere investiert. Die Hauptperson des Unternehmens, Lorenzo, hat eine Anfrage des BR nicht beantwortet.
Anwalt: Unternehmen hätte Bafin-Erlaubnis gebraucht
Stephan Greger, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht, hat sich für Kontrovers die Verträge der Wirtschaftsmanufaktur Catalano & Kollegen angesehen. Sein erster Eindruck sei, so Greger, dass es sich um eine Art Schneeballsystem handeln könnte. Ihn erinnere das an die "finstersten Zeiten des grauen Kapitalmarkts". Um die Gelder der Kunden als Einlage annehmen zu dürfen, hätte das Augsburger Unternehmen eigentlich eine Erlaubnis der Bankenaufsicht Bafin benötigt, so der Anwalt. In der Unternehmensdatenbank der Bafin findet sich die Firma aber nicht.
Kontrovers liegt ein erster Bericht der Insolvenzverwalterin vor. Darin beschreibt sie die Unterlagen des Unternehmens als "völlig ungeordnet und konfus". Als die Geschäftskonten schon gepfändet waren, hat Lorenzo laut dem Bericht noch 85.000 Euro über sein Privatkonto angenommen. Das stellt laut der Insolvenzverwalterin eine "verbotene Zahlung" dar. Die Gläubiger fordern insgesamt 1,7 Millionen Euro von dem Unternehmen.
Verbraucherzentrale rät zur Vorsicht
Die Verbraucherzentrale Bayern rät dazu, auch bei einem guten persönlichen Kontakt eine Geldanlage genau zu prüfen, zu vergleichen und unabhängigen Rat einzuholen, bevor man unterschreibt. Online bietet die Verbraucherzentrale (externer Link) einen kostenlosen "Fake Check Geldanlage" an. Skeptisch solle man auch sein, wenn aktiv um einen geworben werde oder wenn ein Berater zeitlichen Druck aufbaue.
Für die Kunden der Wirtschaftsmanufaktur Catalano & Kollegen kommen Warnungen zu spät. Ob sie jemals etwas von ihrem Geld wiedersehen, ist ungewiss. Björn Bergl aus Donauwörth sagt in "Kontrovers – Die Story", er stehe kurz vor der Privatinsolvenz. "Also Tränen fließen tatsächlich auch. Das gebe ich zu, auch wenn ich ein Mann bin. Aber da schäme ich mich jetzt nicht dafür." Er hofft auf Gerechtigkeit und dass er die Privatinsolvenz doch noch irgendwie abwenden kann.
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