Maschendraht, dahinter ein gepflügter Erdstreifen. Im Vordergrund blühlt ein Busch. Hinten im Bild sieht man einen ehemaligen Wachturm.
Maschendraht, dahinter ein gepflügter Erdstreifen. Im Vordergrund blühlt ein Busch. Hinten im Bild sieht man einen ehemaligen Wachturm.
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Ein Abschnitt des ehemaligen Grenzzauns.
Bildrechte: MDR/Sven Stephan
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Vom Todesstreifen zur Lebenslinie: Neues Projekt am Grünen Band

Vom Todesstreifen zur Lebenslinie: Neues Projekt am Grünen Band

Einst teilte hier der Eiserne Vorhang das Land, heute blüht die Natur: Im Dreiländereck von Bayern, Sachsen und Thüringen startet ein neues Naturschutzgroßprojekt. Biotope sollen vernetzt, seltene Arten geschützt werden.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Thema des Tages am .

Im Dorf Mödlareuth, das teilweise zu Thüringen und teilweise zu Bayern gehört, steht sie noch: die innerdeutsche Grenze. Zumindest in Fragmenten im Deutsch-Deutschen Museum, der Gedenkstätte zur deutschen Teilung. 41 Jahre lang führte die Grenze mitten durch den kleinen Ort. Ehemalige Wachtürme, ein geharkter Kontrollstreifen und meterlange Zäune, die heute zum Museum gehören, erinnern noch an diese Zeit. Doch das Erbe zeigt sich hier nicht nur in ehemaligen Grenzanlagen. Es zeigt sich auch in der Natur.

Einzigartige Natur durch historische Umstände

Dort wo die Grenze war, verläuft heute das sogenannte Grüne Band. Denn wo einst der Eiserne Vorhang Europa unbarmherzig in Ost und West teilte, hat sich über Jahrzehnte im militärischen Sperrgebiet ein fast unberührter Rückzugsraum für die Natur entwickelt. Heute ist dieses Band eine Lebensader für mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten, erstreckt sich über 12.500 Kilometer und durchquert insgesamt 24 Staaten.

Bereits vor dem Mauerfall bemerken Biologen auf westdeutscher Seite, dass im streng abgeriegelten Grenzstreifen seltene Vogel- und Pflanzenarten gediehen. Das lag paradoxerweise an den Grenztruppen der DDR. Um stets eine freie Sicht zu haben, schnitten die Militärs aufkommende Gehölze rigoros zurück und schoben teilweise sogar den Oberboden mit Raupen ab. "Aber die Flächen haben sich regeneriert und es haben sich teilweise sehr wertvolle Pflanzenbestände entwickelt", weiß Thomas Findeis. Er arbeitet beim Kompetenzzentrum Grünes Band vom BUND Naturschutz.

Langfristiger Schutz für Arten auf der Roten Liste

Durch die Offenhaltung entstanden Lebensräume, die anderswo nicht mehr existierten: Magerrasen, Zwergstrauchheiden oder Borstgrasrasen – Lebensraum für zahlreiche bedrohte Arten. "Da gehört das Braunkehlchen dazu als die Charakterart des Grünen Bandes schlechthin. Eine wiesenbrütende Vogelart, die aber deutschland- und europaweit im krassen Sinkflug ist", so Findeis, der das neue Naturschutzgroßprojekt am Grünen Band leitet.

Um Arten wie dem Braunkehlchen, den seltenen Baldrian- und Goldenen Scheckenfalter, dem Feuersalamander, aber auch Pflanzen wie dem Breitblättrigen Knabenkraut oder dem Teufelsabbiss langfristig den Lebensraum zu erhalten, startet heute das Naturschutzgroßprojekt Grünes Band Dreiländereck Bayern – Sachsen – Thüringen.

Sachsen, Thüringen und Bayern beteiligt

Zwar existiert das Grüne Band schon lange. Es gleicht allerdings einer Perlenkette aus vielen einzelnen Schutzgebieten. Ein neues kommt jetzt im Dreiländereck dazu. Dafür rückt in Mödlareuth die (umwelt-) politische Prominenz vom Bund und den am neuen Naturschutzprojekt beteiligten Bundesländern an. Angekündigt hat sich der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zusammen mit Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (FW), Staatssekretäre aus Thüringen und Sachsen, Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) und die Landräte der beteiligten Kreise.

Das Projektgebiet umfasst 95 Kilometer entlang des Grünen Bandes. Nach einer dreijährigen Planphase sollen unter Federführung des Nationalen BUND Kompetenzzentrum Grünes Band für zehn Jahre konkrete Maßnahmen umgesetzt werden. Darunter soll, so Projektleiter Findeis, beispielsweise die extensive Nutzung von Wiesen durch weidende Schaf- oder Rinderherden sein. So könnten die Flächen schonend für die dort lebenden Arten, wie das Braunkehlchen, offengehalten werden.

Glauber: "Arche-Noah-Projekt für die Wiedervereinigung"

Für Bayerns Umweltminister Glauber ist das Projekt auch ein Schritt zu mehr Wiedervereinigung: "Der Eiserne Vorhang war auf beiden Seiten ein Hemmnis. Und genau deshalb ist es so wichtig, dass wir mit diesem Arche-Noah-Projekt für die Wiedervereinigung genau dieses Grüne Band nicht mit Wohnbebauungen, nicht mit neuen Feldern versehen, sondern mit Naturschutz."

In der Zusammenarbeit mit Thüringen und Sachsen wolle man an andere gemeinsame Projekte anknüpfen und als Nachbarn partnerschaftlich gestalten. Das Projekt sei nicht nur ein Zeichen des Miteinanders, "es ist auch ein wunderbares Projekt für den Arten- und Naturschutz und deswegen stehen wir als Freistaat Bayern natürlich begleitend für dieses Friedensprojekt", so der Minister.

Bayern als wichtiges Bindeglied

Obwohl Bayern als westliches Anrainer-Bundesland keinen Anteil am ursprünglichen DDR-Grenzstreifen hat, schließt das neue Naturschutzgroßprojekt auch Flächen in Bayern mit ein. Das Grüne Band diene als Rückgrat für den Naturschutz, doch "an ein Rückgrat gehören auch Rippen", sagt Projektleiter Findeis. Projektflächen soll es deshalb beispielsweise im bayerischen Regnitztal oder rund um Bad Steben geben. Getreu dem Grünen-Band-Motto: Grenzen trennen, Natur verbindet.

Der größte Biotopverbund Deutschlands ist das Grüne Band bereits - jetzt soll er weiterwachsen: In den kommenden drei Jahren werden zwischen Thüringer Schiefergebirge, Frankenwald und Vogtland konkrete Maßnahmen geplant.
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Der größte Biotopverbund Deutschlands ist das Grüne Band bereits - jetzt soll er weiterwachsen.

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