Wenn auf dem Hof der Firma Zahner in Furth im Wald Metall scheppert und Bagger Container mit Bauschutt hin- und herschieben, läuft mittendrin Sven Abel. Der 53-Jährige sortiert, was andere loswerden wollen – und sortiert dabei auch sein eigenes Leben neu.
Früher abhängig, heute stabiles Leben
Sven kommt ursprünglich aus Schwerin. Viele Jahre war er alkoholabhängig, lebte von Jobcenter-Leistungen, ohne festen Tagesrhythmus, ohne Aufgabe. Heute steht er morgens auf, fährt zur Arbeit, hat ein eigenes Einkommen. Ohne die Firma Zahner, sagt er, wäre er wahrscheinlich noch in der Suchteinrichtung Maximilianshöhe – oder wieder rückfällig geworden.
Die "Maxi", wie viele sie nennen, liegt ebenfalls in der Grenzstadt. Dort leben Menschen mit Suchterkrankungen, die versuchen, zurück in ein stabiles Leben zu finden. Die stellvertretende Einrichtungsleiterin Magdalena Linhart erklärt, Ziel sei es, den Bewohnerinnen und Bewohnern wieder Struktur zu geben – und dafür sei Arbeit entscheidend. Gerade das sei aber schwierig: Lücken im Lebenslauf, gesundheitliche Probleme und Vorbehalte von Arbeitgebern machten eine Rückkehr in den Job oft fast unmöglich.
Menschen sind Teil eines Teams
Genau an dieser Stelle kommt das Entsorgungsunternehmen Zahner ins Spiel. Vor knapp zehn Jahren begann die Zusammenarbeit mit der Maximilianshöhe – zunächst eher zufällig, über einzelne Sozialstunden. Daraus entwickelte sich ein festes Modell: Zahner nimmt regelmäßig Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtung als Praktikantinnen und Praktikanten auf. Sie arbeiten als Hofmitarbeiter in Warenannahme und Logistik, lernen Abläufe kennen, kommen morgens zu festen Zeiten, sind Teil eines Teams mit rund 40 Beschäftigten.
Für viele ist das der erste Kontakt mit einem normalen Arbeitsalltag seit Jahren. Auch für Sven war es so: Sein Praktikum bei Zahner war der erste Schritt raus aus der Einrichtung, hinein in eine kleine, überschaubare Firma, in der man ihn kannte und beim Namen nannte. Wenn es gut läuft, bleibt es nicht beim Praktikum.
Firmenchef Sebastian Zahner - er hat bereits mehrere suchtkranke Menschen in seinem Betrieb übernommen.
Wer den Schritt wagt, wird überrascht
Firmenchef Sebastian Zahner macht keinen Hehl daraus, dass er selbst dazugelernt habe. Er sagt, man habe zu Beginn ein bestimmtes Bild im Kopf, wenn es um Menschen mit Suchterkrankungen gehe. Dieses Bild müsse man ablegen. Wer den Schritt wage und tatsächlich jemanden aus so einer Einrichtung einstelle, erlebe oft etwas anderes als erwartet. Die Befürchtung, es könne im Betrieb "schwierig" werden, habe sich bei Zahner jedenfalls nicht bestätigt. Der Unternehmer betont, in all den Jahren habe es keine einzige negative Erfahrung gegeben.
Rund 20 Menschen aus der Einrichtung haben inzwischen ein Praktikum bei Zahner gemacht. Mehrere davon, darunter Sven, wurden fest übernommen. Für das Unternehmen zahlt sich die Offenheit auch betriebswirtschaftlich aus: Es findet Mitarbeitende, die motiviert sind und loyal bleiben – in einer Zeit, in der Personalgewinnung sonst nicht leicht ist.
Sven hat in der Oberpfalz inzwischen Wurzeln geschlagen, fernab seiner norddeutschen Heimat. Er hat Arbeit, eine Wohnung, ein soziales Umfeld – und hat sogar eine neue Liebe gefunden. Für die Zukunft hat er keine großen Pläne, keine großen Worte. Sein Wunsch ist schlicht: so lange wie möglich weiterarbeiten zu können.
Für Engagement ausgezeichnet
Die IHK Oberpfalz hat die Firma Zahner für dieses Engagement in diesem Jahr mit dem Sonderpreis des Personalmanagement-Awards ausgezeichnet. Aus Sicht der Jury zeigt das Beispiel, wie ein mittelständisches Familienunternehmen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und gleichzeitig eigene Fachkräfte gewinnen kann.
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