(Symbolbild) Donald Trump links, die Kuppel des US-Kapitols rechts
(Symbolbild) Donald Trump links, die Kuppel des US-Kapitols rechts
Bild
(Symbolbild) Trump im Panikmodus: Alles für den Machterhalt?
Bildrechte: picture alliance / NurPhoto | Andrew Thomas, picture alliance / Sipa USA | Graeme Sloan, Montage: BR/Maxi Schumann
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / NurPhoto | Andrew Thomas, picture alliance / Sipa USA | Graeme Sloan, Montage: BR/Maxi Schumann
Videobeitrag

(Symbolbild) Trump im Panikmodus: Alles für den Machterhalt?

Aktualisiert am
Videobeitrag
Erschien zuerst am
>

Trump im Panikmodus "gefährlicher denn je"

Trump im Panikmodus "gefährlicher denn je"

Weil Trumps Außenpolitik scheitert, sucht er Sündenböcke und schadet der Ukraine. Die Aussicht auf einen Machtverlust treibt den US-Präsidenten in die Enge – mit dramatischen Folgen für Europa. Eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: Possoch klärt am .

Trump steht vor einer Reporterin aus der Ukraine und sagt ihr ins Gesicht: Die Ukraine solle sich einen neuen Präsidenten suchen, einen, der Deals machen kann. Selenskyj hätte den Krieg längst beenden können, er wollte nur nicht. Und dann kündigt Trump an, die Dieselsanktionen gegen Russland aufzuheben.

300.000 Tonnen russischer Diesel – die die USA in 14 Stunden verbrauchen. "Trump sieht, dass die Zwischenwahlen verloren gehen, und sucht einen Schuldigen, auf den er das abwälzen kann", sagt Thomas Jäger, Professor für Internationale Politik an der Universität Köln, im BR24-Interview für "Possoch klärt".

Ein außenpolitisches Desaster und die Rechnung zahlt die Ukraine

Gefunden hat der den Schuldigen im vermeintlich Schwächsten, der mit der Sache überhaupt nichts zu tun hat: Wolodymyr Selenskyj. Doch Trumps Problem ist hausgemacht. Er war angetreten mit dem Versprechen, keine neuen Kriege zu beginnen, und hat den Nahen Osten in ein unkontrollierbares Chaos gestürzt. Der Iran ist mächtiger als vor dem Krieg. Die Huthi bedrohen trotz US-Einsatz weiterhin Schifffahrtsrouten und greifen den Flughafen in Riad an. Die Benzinpreise explodieren: Sechs Dollar die Gallone Diesel, eine direkte Bedrohung für Farmer und Trucker, Trumps Kernwählerschaft.

Politikwissenschaftlerin Gerlinde Groitl von der Universität Regensburg ordnet den Diesel-Deal nüchtern ein: ein Akt der Symbolik. Die angekündigten Liefermengen – selbst die später versprochenen 1,8 Millionen Tonnen – decken den US-Bedarf für gut drei Tage. Den Benzinpreis werden sie nicht senken: "Ein klassischer Trump", sagt Groitl.

Was der Deal tatsächlich kostet: ein angegriffenes Land unter den Bus geworfen, die transatlantische Allianz beschädigt, das Völkerrecht ignoriert. Trump droht zusätzlich, keine Waffen mehr an die Ukraine zu liefern, selbst wenn Europäer sie bezahlen. Selenskyj berichtet zudem, die USA wollten die Ukraine nicht mehr vor Angriffen warnen. Groitl mahnt zur Differenzierung: Bei Trump liege oft eine große Lücke zwischen Worten und Taten. Ob solche Drohungen umgesetzt werden, sei noch offen.

Im Video: Flippt er jetzt völlig aus? Possoch klärt!

"Trump ist jetzt besonders gefährlich"

Jägers Einschätzung ist härter: "Trump ist jetzt besonders gefährlich, weil er weiß, dass seine Präsidentschaft auf dem Spiel steht." Er führe eine Abwehrschlacht um knappe Mehrheiten in Senat und Repräsentantenhaus, denn bei einer demokratischen Mehrheit drohen Untersuchungsausschüsse, Impeachments und strafrechtliche Konsequenzen für seinen engsten Zirkel. Was das für die Verbündeten bedeutet, benennt Jäger: Trump werde nichts tun, um die alten Allianzen aufrechtzuerhalten. "Trump wird nach dem Motto vorgehen: 'Jetzt machen wir den Laden hier kaputt.'"

Verlieren die Republikaner die Midterms, was nach aktuellem Stand wahrscheinlicher ist als ein Sieg, erwartet Jäger, dass Trump das Ergebnis anfechten wird. Im Extremszenario könnte er versuchen, die Streitkräfte im Inneren einzusetzen. Trumps Ex-Anwalt Ty Cobb [externer Link] wurde jüngst in einem Interview gefragt, ob Justizminister Todd Blanche sich gegen Trump stellen würde, wenn dieser gefälschte Wahlbetrugsvorwürfe ins Spiel brächte. Cobbs Antwort: "We’re screwed." (zu Deutsch etwa: Wir sind geliefert.)

Nach innen Stärke zeigen – nach außen nackt

Außenpolitisch ist Trumps Position schwächer als je zuvor. Jäger diagnostiziert: "Nach außen tut er so, als zeige er Stärke, aber jeder weiß, dass der amerikanische Präsident momentan außenpolitisch ziemlich nackt ist." Kanada, Grönland, der Nahe Osten, Venezuela: Überall ist Trumps Politik nach hinten losgegangen.

Für Europa bedeutet das: Die zwei gefährlichsten Jahre stehen noch bevor. Ein US-Präsident im Panikmodus, der keine Rücksicht mehr auf Verbündete nimmt, ist schwerer kalkulierbar als einer, der aus einer Position der Stärke agiert. Groitl hält fest, was bleibt: Strategische Autonomie für Europa ist keine Option mehr, sie ist eine Notwendigkeit.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!