(Symbolbild) Soldat bei der elektronischen Kampfführung der Bundeswehr in Litauen, im Hintergrund Panzergrenadiere der Bundeswehr im Wald bei Gefechtsübung
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(Symbolbild) Kontrovers – Die Story hat ein Manöver in Litauen begleitet.
Bildrechte: BR/Alex Goldgraber, picture alliance/dpa; Montage: BR
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Von der Ukraine lernen: Wie die Bundeswehr mit Drohnen übt

Von der Ukraine lernen: Wie die Bundeswehr mit Drohnen übt

Die Ausstattung der Bundeswehr mit Drohnen kritisieren Beobachter häufig als unzureichend. Langsam tut sich aber etwas. Dabei zieht die Truppe Lehren aus dem Ukraine-Krieg. Kontrovers – Die Story hat ein Manöver in Litauen begleitet.

Über dieses Thema berichtet: Kontrovers am .

Ein paar Schritte geht es hinunter, dann umgibt den Besucher Dunkelheit. Ein unterirdischer Gang führt in den Gefechtsstand von Hauptfeldwebel Leo. Der gibt dort unten Befehle: "Rechts, Richtung Ortschaft", lenkt er einen Soldaten. Leo blickt dabei auf mehrere Displays vor ihm. Das eine zeigt ein Haus. Auf einem anderen zieht Sandboden vorbei. Rasend schnell. Am Horizont sind Gebäude zu erahnen. Die Befehle des Hauptfeldwebels richten sich an einen Kameraden. Der sitzt neben ihm, trägt eine Datenbrille und jagt eine Angriffsdrohne per Fernsteuerung auf zwei Fenster an der Stirnseite eines Hauses zu. "Vernichtet", lässt ihn Leo wissen.

Drohnenkampf ist Teamarbeit

Hätte die Drohne einen Sprengsatz getragen, lägen Teile des Gebäudes wohl nun in Trümmern. Doch es war nur ein Übungsflug. Der Hauptfeldwebel hatte das Ziel dabei die ganze Zeit über mit einer zweiten Drohne im Blick: Drohnenkampf ist Teamarbeit – nicht nur im Manöver. Diese Szene: Sie könnte sich so oder so ähnlich irgendwo in der Ostukraine zutragen. Doch es sind deutsche Soldaten, die hier Vorgehensweisen ausprobieren, die in der Ukraine längst Alltag an der Front sind.

Kontrovers - Die Story im Video: Tarnen, Abschirmen, Aufklären - Premiere für Litauen-Brigade

"Das Wichtigste: Tarnung"  

Während des ersten Großmanövers der Litauen-Brigade der Bundeswehr haben sich Hauptfeldwebel Leo und seine Kameraden vom Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach eingegraben im litauischen Sand. Kontrovers - Die Story hat sie dabei begleitet.  

Paletten und Sperrholz stützen die Wände ihres Erdbunkers, die Stämme dünner Kiefern die Decke. Sie haben versucht, sich Bewährtes abzuschauen, erzählt Leo: "Drohnenbediener sind Hochwertziele. Wenn wir aufgeklärt werden, werden wir zu nahezu 100 Prozent beschossen. Wir haben deswegen versucht, uns das rauszunehmen, was sich als effektiv erwiesen hat. Und das ist eben die Tarnung." Der Eingang ihres Stellungssystems ist deshalb mit Zweigen verdeckt. Aus der Luft ist er so kaum auszumachen. In jeder Ritze hängen zudem dünne Netze. Das soll verhindern, dass feindliche Drohnen in die unterirdischen Gänge eindringen können.

Hauptfeldwebel Leo und seine Männer ziehen ihre Lehren aus dem Krieg in der Ukraine und nehmen sie sehr ernst. Und so antwortet der Hauptfeldwebel auf Fragen nach seinem Befinden hier unten reichlich nüchtern: Vor allem erzählt er, denke er darüber nach, ob das eigene Handeln "zweckmäßig" sei. Die Nachnamen von Leo und seinen Kameraden will die Bundeswehr nicht veröffentlicht wissen. Während des Kontrovers-Interviews tragen sie Tücher vor Mund und Nase. Als Drohnenbediener wollen sie keinesfalls erkannt werden, schließlich trainieren sie hier, um verteidigungsbereit zu werden.  

Drohnen für Verteidigung "sehr gut geeignet"  

Drohnen seien für den Einsatz in der Bündnisverteidigung sehr gut geeignet, erklärt Oberleutnant Yanik. Steuern ließen sie sich aus vorbereiteten Positionen, etwa auch aus Häusern oder Garagen. Das vereinfache die Tarnung der Bedienmannschaften und die Stromversorgung für die Geräte.  

Da sich aber nicht jeder eingraben oder in Häusern verstecken kann, versuchen sie, ihre Kameraden auch während des Manövers für die Bedrohung durch Drohnen zu sensibilisieren. Denn sie haben das Kriegsbild verändert, können überall sein: Wenn der Zwölfzylindermotor eines Panzers röhre, höre man nicht viel, sagt Oberleutnant Yanik. Durch den gezielten Einsatz von Drohnen bei Übungen sollen Soldaten etwa lernen, den Himmel im Blick zu behalten oder verstärkt auf die eigene Tarnung zu achten. 

Neue Drohnen  

Dabei setzt die Bundeswehr inzwischen auch auf erste neue Drohnensysteme. Weitere sollen folgen, um die Ausstattungslücken zu schließen und die Bundeswehr in einem modernen Krieg verteidigungsfähig zu machen. Das deutsche Heer hat sich unterdessen ambitionierte Ziele gesetzt: Erste Gefechte will man mit unbemannten Systemen führen können oder aus vielen Kilometern Entfernung. Zu direkten Kampfhandlungen zwischen Bodentruppen käme es dieser Überlegung zufolge erst viel später.   

Auch für die Abwehr von Drohnen sind Lösungen angedacht, konkret durch den Kauf von Flugabwehrsystemen unterschiedlicher Typen, etwa dem Flugabwehrpanzer "Skyranger". Bis diese Systeme vorhanden sind, wird sich die Truppe laut Heereskreisen mit verschiedenen "Zwischenlösungen" helfen müssen. Dazu zählt demnach auch der Schützenpanzer "Puma". Mit zusätzlichen Systemen ausgestattet, kann er auch Drohnen abwehren.  

Kontrovers – Die Story begleitet die Bundeswehr auf ihrem Weg von Bayern nach Litauen bereits zum dritten Mal. Hier geht's zur Reportage Von Bayern nach Litauen – Leopard-Kampfpanzer der Bundeswehr in NATO-Mission und hier zur Reportage Die Bundeswehr in Litauen – Ein Bataillon zieht um.

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