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Steinsfeld im Landkreis Ansbach stellte keinen Kandidaten für das Bürgermeisteramt auf.
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Steinsfeld im Landkreis Ansbach stellte keinen Kandidaten für das Bürgermeisteramt auf.

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Wahl ohne Kandidaten: Wie ein Dorf seinen Bürgermeister fand

Wahl ohne Kandidaten: Wie ein Dorf seinen Bürgermeister fand

Die Kommunalwahl – viel Wahlkampf, viele Wahlzettel, viele Kandidaten. Normalerweise. In Steinsfeld gab es aber auch einen leeren Wahlzettel. Hier hatte sich kein Kandidat für das Bürgermeisteramt gefunden. Einen Bürgermeister gibt es jetzt trotzdem.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

"Ich hab‘s sehr gerne gemacht, tatsächlich, sechs Jahre lang," sagt Margarita Kerschbaum (CSU). Sie ist erste Bürgermeisterin in Steinsfeld, einer kleinen Gemeinde im Landkreis Ansbach. Doch obwohl sie viel Herzblut in ihren Job gesteckt hat, entscheidet sie kurz vor der Kommunalwahl, dass sie nicht ein zweites Mal antreten möchte. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin muss her. Doch die Suche gestaltet sich schwierig.

Bürgermeisteramt ist ehrenamtlich

1.200 Menschen leben in Steinsfeld. Das Bürgermeisteramt ist – wie in anderen vergleichbar kleinen Gemeinden – ehrenamtlich. Das heißt, eigentlich arbeitet die 46-Jährige im Hauptjob als Geschäftsführerin in einem Ingenieurbüro in Bad Windsheim. Doch auch wenn sie ehrenamtlich im Rathaus arbeitet: 40 Stunden pro Woche ist Margarita Kerschbaum als Bürgermeisterin dennoch im Einsatz. Weil ihre Familie und ihr Hauptjob dadurch zu kurz gekommen waren, wurde ein Nachfolger gesucht.

Keiner will Bürgermeister werden

Zwei Wählerlisten gibt es in Steinsfeld. Doch niemand auf diesen Listen konnte sich das Bürgermeisteramt vorstellen. Die Frist, innerhalb der Kandidaten vorgeschlagen werden konnten, verstrich. Damit blieben die Wahlzettel leer. Das bedeutet: Die Wahlberechtigten können ihren Wahlvorschlag selbst auf den Zettel schreiben. Voraussetzung ist, dass die Person, die vorgeschlagen wird, auch Bürger oder Bürgerin von Steinsfeld ist.

Die zwei Personen mit den meisten Stimmen kommen dann in eine Stichwahl. Es sei denn, eine vorgeschlagene Person erhält direkt über 50 Prozent der Stimmen. Dass der Kandidat dann zustimmt, ist wichtig, sonst ruft das Landratsamt Neuwahlen aus. Also neue Kandidatensuche, Wahlkampf, es würde sich ziehen. Margarita Kerschbaum hatte Sorge, dass sie sich am Ende hinreißen ließe, es doch noch einmal zu machen.

Ein Name tauchte immer öfter auf

Zwei Wochen vor der Wahl wurde ein Name in Steinsfeld immer lauter: Heinz Dürr. Der 64-Jährige stand zwar nicht einmal auf einer Liste für den Gemeinderat. Falls aber genug Bürgerinnen und Bürger seinen Namen handschriftlich auf den leeren Wahlzettel schreiben: Würde er ja sagen? Diese Entscheidung diskutierte er lange mit seiner Frau. Sein Entschluss: "So wie’s kommt, nehmen wir’s." Damit wurde es in Steinsfeld halb offiziell.

Mehr als 70 Prozent für Heinz Dürr

Die wohl aufwändigste Auszählung für die Gemeinde liegt hinter Margarita Kerschbaum und dem Wahlteam. Denn auf den rund 700 leeren Wahlzetteln standen einige verschiedene Namen – allein im Briefwahllokal zählte die Noch-Bürgermeisterin mehr als 35. "Zum Glück war die Mehrheit für den Heinz", schmunzelt Kerschbaum jetzt. Heinz Dürr nannten knapp 71 Prozent. Geschmeichelt, aber bescheiden erklärt er: "Ja, nachdem die Gemeinde gerufen hat […] schauen wir, dass wir das alles unter einen Hut bekommen."

45 Jahre in der Kommunalverwaltung

Heinz Dürr war nie Gemeinderat, ließ sich auch nicht für diese Wahl aufstellen und er hatte eigentlich ganz andere Pläne. Denn seit Ende des Jahres ist er Rentner. Doch er kennt sich aus – 45 Jahre lang hat er in der Kommunalverwaltung gearbeitet. Das Gute ist, der 64-Jährige hat damit mehr Zeit und kann sich auf das Ehrenamt konzentrieren. Ab Mai ist es dann soweit: Dann wird er das Rathaus leiten, ohne je offiziell auf einem Wahlzettel gestanden zu haben.

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