1.000 Euro Entlastungsprämie auf dem Konto, darüber würde sich Fabian Zapf freuen: "Das klingt erstmal super. Die Ausgaben, die wir als Arbeitnehmer haben, sind natürlich gestiegen. Da sind tausend Euro bar in die Tasche ein großer Punkt." Zapf arbeitet in der Logistik-Abteilung der unterfränkischen Firma Maincor. Rund 400 Mitarbeiter fertigen dort Kunststoffrohre für den Hausbau und die Industrie.
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Prämie wird wohl nicht ausgezahlt
Ihr Chef, Dieter Pfister, findet "es sehr schön, wenn man die Chance bekommt, den Mitarbeitern etwas steuer- und sozialversicherungsfrei zukommen zu lassen. Aber jetzt kommt das große Aber." Und das große Aber sind für Pfister: 400.000 Euro. So viel würde ihn die Prämie in etwa kosten. Ob er diese Prämie zahlen kann, "hängt davon ab, wie die Liquiditätssituation ist. Also ganz einfach: Ist Geld da?" – und Stand heute sei es das nicht.
Geld kommt nicht vom Bund
Die schwarz-rote Bundesregierung will Arbeitgebern ab dem 1. Mai ermöglichen, ihren Angestellten bis zum Jahresende 1.000 Euro steuerfrei auszuzahlen. Die Maßnahme solle als eine "Entlastung für den Geldbeutel der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer" beschlossen werden, so Bundeskanzler Friederich Merz (CDU). Die Prämie ist Teil eines Pakets, mit dem die Bundesregierung auf die gestiegenen Energie- und Mobilitätskosten reagieren will.
Heißt: Die steuerfreien 1.000 Euro kommen nicht vom Bund. Wollen Arbeitgeber wie Dieter Pfister ihren Angestellten die Prämie gewähren, müssen sie sie aus der eigenen Kasse zahlen.
Mehrheit der Arbeitgeber will Prämie nicht zahlen
"Die Arbeitgeber in Bayern haben kein Verständnis dafür, dass hier letztendlich eine Party bestellt wird, wo der Nachbar die Rechnung bekommt und die bezahlen darf", sagt Christian Göwecke, Leiter der Wirtschaftsregion Bayern vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW).
Bei einer Blitz-Umfrage des Mittelstandsverbands gaben 2.000 Unternehmer an, ob sie die Prämie bezahlen werden: Rund 50 Prozent antworteten "auf keinen Fall auszuzahlen", 20 Prozent wollen die Prämie gewähren, 30 Prozent sind unentschlossen. Das liege nicht daran, dass die Arbeitgeber nicht zahlen wollen würden, sondern "schlicht und einfach die betriebswirtschaftlichen Auswertungen in den Unternehmen das nicht hergeben", sagt Göwecke.
Prämienmodell war 2022 erfolgreich
Ein ähnliches Prämienmodell funktionierte 2022 recht erfolgreich: Damals konnten Unternehmen 3.000 Euro steuerfrei weitergeben, um die Inflation auszugleichen. Bundesweit erhielten gut 86 Prozent der Tarifbeschäftigten zwischen Oktober 2022 und Dezember 2024 eine steuerfreie Prämie, bilanzierte das Statistische Bundesamt. Durchschnittlich erhielt jeder Angestellte 2.680 Euro. Auch die Mitarbeiter bei Maincor bekamen eine steuerfreie Prämie. Bei dieser Prämie drohen sie leer auszugehen.
Maincor-Chef: "Sowas habe ich noch nicht erlebt"
Der Grund sei die deutlich schlechtere wirtschaftliche Lage als während der Corona-Jahre, sagt Maincor-Geschäftsführer Dieter Pfister. Zum Jahresabschluss 2022 hatte Maincor 5,7 Millionen Euro Gewinn gemacht. Im vergangen Jahr war es noch etwas weniger als die Hälfte davon.
Und 2026 – Dieter Pfister stockt: "Ich bin jetzt seit 40 Jahren Unternehmer und sowas habe ich noch nicht erlebt." Er müsse mit Rohmaterialpreissteigerungen von 50 bis 100 Prozent innerhalb von zwei Wochen umgehen, sagt Pfister. Zum Teil bekomme er gar kein Rohmaterial mehr. In so einer Situation die Kosten für eine Entlastungsprämie für Arbeitnehmer den Unternehmen zu überlassen, sei aus seiner Sicht "eine Unverschämtheit."
Ob die Prämie kommt: Unklar
Während einige Unternehmen den Zuschuss gewähren könnten, gehen andere Angestellte wohl leer aus. Auch große Unternehmen halten sich bisher zurück mit Prämienzusagen. Auf BR24-Anfrage antwortete beispielsweise ZF aus Schweinfurt: "Angesichts der wirtschaftlichen Situation von ZF stellt sich die Frage nach zusätzlichen Zahlungen aktuell nicht."
Dass Fabian Zapf aus der Logistik bei Maincor die Prämie oder einen Teil gezahlt bekommt, kann ihm Dieter Pfister nicht versprechen. "Das versteh ich auch", sagt Zapf. "Aber dennoch muss da was getan werden." Ob sich Zapf und seine Kollegen am Ende doch noch freuen können, hänge von der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens der nächsten Monate ab. Die Prognose von Pfister: "Trotz der Turbulenzen bin ich momentan noch relativ verhalten optimistisch."
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