So schnell kann es gehen – Wochenlang nichts weiter als Sonnenschein, Hitze und Dürre. Jeden Tag bot der Himmel den gewohnten Anblick, das Wetter war quasi festgefahren. Und nun das: Für einige völlig überraschend stellt sich wechselhaftes Wetter ein mit Sonne, Wolken, Regen und Gewittern. Das ist natürlich in einem bundesdeutschen Sommer sonst nichts Besonderes. Aber weil es in diesem Jahr bislang so selten war, schauen wir heute mal etwas genauer darauf.
Wetterumschwung: Tiefdruckgebiete nähern sich an
Während der Hitzewellen lagen wir immer unter dem Einfluss von Hochdruckgebieten in unserer Nähe. Die Sonne schien, Wärme und Hitze konnten sich ungestört ausbreiten, und aufgrund der stabilen Verhältnisse in den Hochs blieben Regenwolken Mangelware.
In den letzten Tagen allerdings ist der Schwerpunkt dieser Hitzehochs ein wenig von uns abgerückt. Jetzt liegen sie weiter draußen auf dem Atlantik und haben sich ein bisschen nach Süden zurückgezogen. Für die Hochs nur ein kleiner Schritt, für uns Menschen hier in Bayern und dem restlichen Deutschland dagegen mit großen Auswirkungen.
Denn seitdem kommt die Luft vom Atlantik zu uns, und die bisher weit entfernten Tiefdruckgebiete haben sich uns genähert. Im Prinzip ähnelt die Wetterlage jetzt einem ganz normalen Sommer in Deutschland, wie er früher die Regel war: mit kontinuierlichem Wetterwechsel, mäßigen Temperaturen, nur manchmal Hitzespitzen und mittendrin unregelmäßigen Regengebieten und Gewittern, die punktuell für Schäden sorgen.
Wetterkontrast durch Höhenströmung
Für die Wechselhaftigkeit ausschlaggebend ist dabei die Tatsache, wie nah uns die Tiefdruckgebiete kommen, und wie nahe bei uns und wie stark sich in einigen Kilometern Höhe eine sogenannte Höhenströmung etabliert. Denn dort konzentriert sich der Gegensatz zwischen kühlerer Luft über dem Atlantik und feucht-warmer Subtropikluft weiter südlich. Und: Je stärker dort der Wind weht, umso stärker fallen auch die Wetterwechsel aus.
Diese Höhenströmung lag gestern quer über Deutschland, und damit konzentrierte sich der Gegensatz zwischen Wärmer und Kühler auch dort. Mit erheblichen Auswirkungen im ganzen Land: An der Küste in der kühleren Atlantikluft 19 Grad mit Sonne, Wolken und Schauern. Über der Mitte des Landes – im Kern des gegensätzlichen Luftmassengeschehens – schwülwarme 25 Grad und abends Unwetter, diesmal sogar mit Tornados. Und in Bayern in der wärmeren südlichen Luft bis zu 31 Grad und oft Sonnenschein. Ein solcher Wetterkontrast ist dabei keinesfalls ungewöhnlich.
Bayern in der Gewitterzone
Der Gegensatz zwischen Wärmer und Kühler, also die Luftmassengrenze, verlagert sich heute etwas weiter nach Süden. Das hat speziell für uns in Bayern enorme Auswirkungen: Denn nun geraten wir in die Schauer- und Gewitterzone. Das merken wir heute schon in Form erster Schauer seit der Frühe und vor allem im Laufe des Tages an Schauern und Gewittern, die sich hauptsächlich im Süden und im Osten von Bayern entwickeln. Diesmal bleibt der Norden des Freistaats davon unberührt und eher freundlich sommerlich.
Besonders intensiv werden die Wettervorgänge dann, wenn es an der Luftmassengrenze zu Störungen kommt. Dann entstehen kleinräumige Tiefdruckgebiete, und die verstärken Regen und Gewitter nochmals. Das wird bei uns morgen am Freitag der Fall sein. Daher breiten sich ab der kommenden Nacht dicke Wolken über uns aus und bringen verstärkt Regenfälle, durchsetzt mit Gewittern. Verantwortlich dafür sind – wie fast immer – die Alpen, die für Störungen an der Luftmassengrenze sorgen. Das kleine Tief, das daraus resultiert, bringt uns dann örtlich Regenmengen von über 50 Litern auf den Quadratmeter und vor allem im südlichen Bayern auch teils unter 20 Grad, bevor Schauer und Gewitter im Laufe des Samstags sich allmählich verziehen und der Sonntag der sonnigere Teil vom Wochenende wird.
Alles in allem ist das also derzeit ein absolut typischer Vorgang in der Atmosphäre. Der sorgt einfach nur für einen stärkeren Wetterwechsel, für einen "normaleren" Sommer als bisher. Wir waren es nach den Hitzewochen einfach nur nicht mehr gewohnt.
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