Die Not der Menschen erkennen und handeln – das war dem Würzburger Fürstbischof Julius Echter ein Herzensanliegen. Während eines kalten Winters in Würzburg waren viele Obdachlose auf den Straßen Würzburgs erfroren. Echter schaute nicht weg, gründete ein Spital für Arme. Das war vor genau 450 Jahren – am 12. März 1576. Der hohen Kosten wegen war das Domkapitel anfangs dagegen. Doch Julius Echter setzte sich durch. Er stattete seine Stiftung mit Ackerflächen und Weinbergen aus.
Heute ist das Juliusspital das zweitgrößte Weingut in Deutschland. Die Erlöse finanzieren die Wohltaten. Zur Stiftung gehören u.a. das Klinikum Würzburg Mitte, ein Seniorenheim, die Epilepsie-Beratung und ein Hospiz.
- Zum Mainpost-Artikel: 450 Jahre Juliusspital-Stiftung Würzburg: Klinik, Weinbau, Forst – wie geht die Stiftung in die Zukunft, Herr Eck? [externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt]
Ein Ort für Sterbende
Seit zwölf Jahren gibt es im Herzen der Stadt Würzburg ein Hospiz. Von Anfang an war klar: Die Stiftung muss einen Teil der Kosten selbst schultern, denn die Krankenkassen übernehmen diese nicht komplett. Das Hospiz bietet zwölf Gästen Platz, deren Krankheitsverlauf bald zum Tod führen wird.
Wolfgang Sitzmann ist seit wenigen Tagen hier. Die Krankheit ALS zerstört seine Nerven. Der 58-Jährige kann nur noch den Kopf bewegen. Er und seine Frau sind sehr dankbar, für den Platz im Hospiz. Die ständigen Sorgen um die Pflege daheim sind verflogen. Nun können wir uns auf das wesentliche konzentrieren und Abschied nehmen, sagt Andrea Sitzmann.
Ihr ist auch wichtig zu betonen: "Auch wenn im Hospiz die Menschen dem Tod näher sind, hier wird gelebt und jeden Tag gibt es wertvolle Angebote für die Betroffenen und deren Angehörige." So wie im Hospiz hilft die Stiftung vielerorts in Würzburg.
Stiftung muss haushalten
Auch das ehemalige Spital ist gewachsen, zum Klinikum Würzburg Mitte. Vom ersten Schrei bis zum letzten Atemzug – in verschiedenen Abteilungen werden rund 30.000 stationäre Patienten jährlich versorgt.
Auch das Klinikum schreibt keine schwarzen Zahlen. Allein in den vergangenen drei Jahren mussten wir ein Defizit von insgesamt über 30 Millionen Euro schultern, so der Oberpflegamtsdirektor Karsten Eck. Der Leiter der Stiftung blickt jedoch optimistisch in die Zukunft. In den vergangenen 450 Jahren habe sie immer wieder Herausforderungen meistern müssen und so will auch er mit Innovationen weiterhin im Auftrag des Stifters handeln.
Umstrittener Wohltäter Julius Echter
Julius Echter begegnet man in Würzburg vielerorts: Das große Spital unweit des Domes. Dazu eine Hauptstraße, benannt nach dem ehemaligen Fürstbischof. Zudem steht eine große Statue im Stadtkern.
Der Wohltäter hat allerdings auch eine dunkle Vergangenheit. So errichtete er sein Spital auf einem jüdischen Friedhof. Damit setzte er sich über geltendes Recht hinweg und verletzte mit seinem Vorgehen die jüdische Bevölkerung. Denn ihre Totenstätten sind für die Ewigkeit angelegt.
Als Fürstbischof urteilte Julius Echter auch über Menschen, die der Hexerei verdächtigt waren. Allerdings fanden Historiker auch Belege, über einzelne Begnadigungen durch ihn.
Facettenreiches Jubiläums-Programm
Auf der Bühne im Würzburger Theater Chambinsky wird die Geschichte Echters lebendig. Es zeigt eine Auftragsproduktion der Stiftung zum 450-jährigen Jubiläum. Der Regisseur Carsten Steuwer hat als Historiker das Stück geschrieben und beleuchtet auch die Schattenseiten Echters. Im Mittelpunkt stehen seine Wohltaten die unterhaltsam präsentiert werden in "Der Schatz des Julius Echter“.
In einer Jubiläumsbroschüre und einem Imagefilm zeigt sich die Stiftung in all ihren Bereichen. Zudem ist ein Festakt zum 450-jährigen Jubiläum geplant. Aktuell schultert die Stiftung auch ein Millionenprojekt: eine große Schule für Pflegeberufe.
Im Video: 450 Jahre Stiftung Juliusspital Würzburg
450 Jahre Stiftung Juliusspital Würzburg
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