Notfallsanitäter Markus Grasser vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) probt das Auftanken des Rettungswagens an der Nottankstelle. In der Zentrale des BRK-Kreisverbandes sind 1.000 Liter Diesel gebunkert – für den Fall, dass die Tankstellen ausfallen. Im Falle eines Angriffs auf die kritische Infrastruktur würden er und sein Wagen gebraucht: zum Retten, aber auch zur Verlegung von Menschen, die besondere Hilfe benötigen.
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Zum Auftanken gibt es eine elektrische Pumpe, angetrieben von einer Powerbank. Ist diese leer, muss Markus Grasser mit der Hand pumpen. Das Auftanken mit der kleinen E-Pumpe sei wie an der richtigen Tankstelle, meint Grasser. Neben der Nottankstelle gibt es noch einen Kraftstoffvorrat für das BRK in einem Tanklager.
Strom muss fließen
Kraftstoff, Strom und Nahrung sind die wichtigsten Vorräte, die das BRK vorhalten muss. Außerdem funktionierende Kommunikation. Der Strom hat die höchste Priorität. Ohne Strom keine Heizung, keine Kommunikation, keine Nahrung und auch kein Verkehr mit E-Autos, die das BRK für seinen mobilen Pflegedienst nutzt.
Dafür haben sie Notstromaggregate. "Jede Rettungswache hat einen kleinen Generator, eine größere Powerbank, einen Lichtsatz, einen kleinen Dieselvorrat und Handfunkgeräte", erklärt Markus Ruckdeschel vom BRK. "Damit sind unsere Rettungswachen erstmal autark." Es sei wichtig, dass die Rettungswachen sich selbst helfen können und nicht den anderen Rettungsdiensten zur Last fallen, meint der BRK-Kreisgeschäftsführer.
Kapazitäten wurden nicht erneuert
Das größere Problem seien die Seniorenheime und Menschen, die auf Pflege angewiesen sind. Dafür rüste das BRK nach. Seit 2022, seit dem russischen Angriff auf die Ukraine, werden die Kapazitäten erweitert. Das sei nach dem Ende des Kalten Krieges alles nicht mehr erneuert worden, sagt Ruckdeschel.
Das BRK hat einen mobilen Generator, der mit einem Lkw überall hingebracht werden kann. Sein Haupteinsatzort ist jedoch das Seniorenheim Altstadtpark. Mit dem Generator können sie das Seniorenheim weiter betreiben. Ein zweiter Großgenerator sei gerade in der Überholung. Der ist für den BRK-Ruhesitz vorgesehen.
Pflegebedürftigen Unterkunft bieten
Im Krisenfall ist Pflege zuhause nicht immer möglich. Menschen, die auf Beatmungsgeräte angewiesen sind, in kalten Wohnungen sitzen, weil die Heizung ohne Strom nicht läuft. Die vom mobilen Pflegedienst nicht erreicht werden können, weil weder Klingel noch Schließanlage noch Telefon funktionieren – diese Menschen müssen in Notunterkünfte gebracht werden. Dort können sie versorgt werden. Bekommen auch zu essen. Zwei mobile Feldküchen, eine in Bad Berneck im nördlichen Landkreis, die andere in Hollfeld im Südwesten kommen dann zum Einsatz.
In Bayreuth trainieren Einsatzkräfte des Bayerisches Rotes Kreuzes den Ernstfall und bereiten sich auf Blackout-Szenarien vor.
Kommunikation ist alles
Das alles muss koordiniert werden, genauso wie Rettungseinsätze. Das ist die Aufgabe der Integrierten Leitstelle (ILS) Bayreuth-Kulmbach. In einem Schulungsraum stehen Schautafeln, Landkarten und Alarmierungspläne. Christopher Häfner und sein Team üben momentan jede Woche Notfallsituationen. Die ILS ist doppelt gegen Stromausfall gesichert. Aber es könnte sein, dass sie wegen Schadstoffen in der Luft geräumt werden müsse.
Dann wird die ILS mobil betrieben. Mit Handfunkgeräten und einem autonomen Planungssystem. "Das ist unser sogenannter Atomkoffer", scherzt Häfner und zeigt auf einen großen roten Koffer. "Davon haben wir drei Stück, und wenn die ILS ausfällt, können wir damit die Kommunikation aufrechterhalten." Von theoretisch jedem Ort in den beiden Landkreisen Bayreuth und Kulmbach erreichen sie dann die BRK-Einsatzkräfte. Können sich mit Feuerwehren, THW und Polizei absprechen.
Hilfe zur Selbsthilfe
Auch für Zwischenfälle mit Chemikalien, Schadstoffen sowie biologischer Kontamination sind sie gerüstet. Doch allen Menschen gleichzeitig helfen können die Rot-Kreuz-Helfer nicht. Daher bieten sie Kurse zur Selbsthilfe an. Was sollte ich im Haus haben, wie kann ich mich vorbereiten? Wie lange sollten meine Vorräte ausreichen?
Die Kurse reichen vom Kochen ohne Strom bis zum Erste-Hilfe-Kurs. Das BRK geht mit seinen Angeboten zum Beispiel in Schulen und hat dafür auch eine kleine Wander-Ausstellung zur Selbsthilfe aufgebaut. Anders geht es im Krisenfall nicht.
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