Seit ihrer Coronaerkrankung vor vier Jahren ist Nole auf den Rollstuhl angewiesen. Davor war die Gymnasiastin aus Hutthurm bei Passau eine Einserschülerin. Doch dann kam Corona, und bei Nole ging einfach gar nichts mehr.
Immer wieder Ohnmacht
Angefangen hat die Krankheitsgeschichte von Nole mit einer Coronaerkrankung im März 2023. Sie sei eigentlich gar nicht sehr krank gewesen: "Etwa eine Woche war ich mehr oder weniger im Bett, mein Fieber war bei maximal 39 Grad." In den Monaten danach sei sie dann aber immer wieder ohnmächtig geworden, erinnert sich die 19‑Jährige. Bis zur Diagnose dauerte es dann etwa sechs Monate.
Noch immer leiden auch junge Menschen unter den Folgen ihrer Coronaerkrankung. Das war am Dienstag Thema im Bayerischen Landtag: Long Covid bei Kindern und Jugendlichen – ein Fachgespräch auf Antrag der Grünen. In einer gemeinsamen Sitzung haben sich Gesundheits- und Bildungsausschuss damit beschäftigt.
Long-Covid-Erkrankte haben wenig Energie
Zur Krankheit gehört ein sehr kleiner Energiehaushalt. Heimtückisch dabei ist, dass die Folgen einer Überforderung erst ein bis zwei Tage danach auftreten und die Symptome verstärken können. Noch immer ist die Krankheit weitgehend unerforscht: "Viele Leute haben keine wirkliche Vorstellung, was Post-Covid und auch chronisches Fatigue-Syndrom überhaupt sind, und das ist dann auch natürlich politisch wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass es existiert", sagt Nole. Auf Einladung des Landtags ist die 19-Jährige deswegen von Passau nach München gefahren, auch wenn die drei Stunden Autofahrt für sie eine extreme Belastung waren.
Anzahl der Erkrankten unklar
Unklar ist, wie viele Kinder und Jugendliche tatsächlich von Long Covid betroffen sind. Ihr Anteil wird auf unter fünf Prozent der ehemals Corona-Erkrankten geschätzt. Damit ist der Anteil der Erkrankten bei Jugendlichen deutlich geringer als bei Erwachsenen. Professorin Uta Behrends, Immunologin am Kindercampus Schwabing, gilt als Koryphäe auf diesem Gebiet. Sie beschreibt die Herausforderungen, vor denen die Betroffenen stehen. "Manche können nicht mehr regelmäßig in die Schule gehen, andere verlieren ihre sozialen Kontakte oder sind so schwer erkrankt, dass sie ihre Wohnung kaum noch verlassen können", sagt die Immunologin.
Überforderung der Angehörigen
Letztendlich müssen die Familienangehörigen laut Behrends gleichzeitig die medizinische Versorgung organisieren, mit Schulen und Behörden kommunizieren und Unterstützungsleistungen beantragen. Zwar gibt es in Bayern und in Deutschland inzwischen zahlreiche Hilfsangebote, allerdings ist die Prognose für die Patienten ungewiss.
Schwerstbetroffene brauchen mehr Hilfe
Magdalena Riepl vom Verein NichtGenesenkids kennt die Familiensituation sehr genau. "Unsere Tochter ist 16 Jahre alt und liegt den ganzen Tag in einem Bett, das Zimmer ist abgedunkelt, sie muss künstlich ernährt werden, dennoch ist sie ein fröhliches Kind." Leider sei sie mit ihrer Tochter zu früh in die "Aktivierung" gegangen, das habe die Situation verschlechtert, so Magdalena Riepl. Gerade im klinischen Bereich gibt es laut Riepl zu wenig Möglichkeiten für Schwerstbetroffene. "Wir brauchen da Versorgung, wir brauchen da Verständnis, Strukturen. Das wäre tatsächlich das Allerwichtigste. Die Kinder liegen seit fünf Jahren in einem dunklen Zimmer, die brauchen eine Perspektive und ich als Mama brauche die auch."
Grüne fordern neue Koordinationsstelle
Um Schwerstbetroffene besser zu betreuen, fordert die bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, Gabriele Triebel, eine Koordinationsstelle: "Die bestehenden Strukturen muss man jetzt fast aus dem Dornröschenschlaf holen, um da weiterzukommen." Dabei müssen laut Triebel die schulischen Strukturen mit der medizinischen Versorgungsstruktur verbunden werden.
Nole lernt am Computer
Nach mehr als einem Jahr Krankheitspause kann Nole mittlerweile wieder online am Unterricht teilnehmen. Sie schaut dabei sehr genau, dass sie ihren Energiehaushalt nie überlastet. Mit ihrer Schule, dem Johannes-Gutenberg-Gymnasium in Waldkirchen, ist Nole sehr zufrieden. Die Unterstützung sei super, sagt sie, "die Lehrer kümmern sich". Und wenn alles gut geht, will die 19-Jährige in einem Jahr Abitur machen.
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