Die AfD lädt zur Kundgebung in der Innenstadt, wenige Meter weiter setzt ein Demokratiebündnis mit eigenen Aktionen einen Gegenpol. In Ansbach jährt sich am Freitag das Bombenattentat am Rande eines Open-Air-Festivals zum zehnten Mal. Ein 27-jähriger Syrer zündete damals eine Rucksackbombe, verletzte dabei 15 Menschen – teilweise schwer – und starb selbst dabei. Zuvor wollte er auf das Konzert, hatte jedoch keine Eintrittskarte. Das verhinderte wohl Schlimmeres, immerhin waren dort 2.500 Besucher.
Verbindungen zum IS
Schnell ergaben Ermittlungen, dass das Attentat islamistisch motiviert war. Auf dem Handy des Täters wurden entsprechende Hinweise gefunden, verkündete Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei einer Pressekonferenz einen Tag nach dem Attentat. Es wurde ein Video gefunden, auf dem der 27-Jährige seine Zugehörigkeit zum IS bezeugte und einen Racheakt gegen die Deutschen ankündigte. In seiner Asylunterkunft wurden außerdem Utensilien für den Bau von Bomben gefunden.
Eine Stadt will Haltung zeigen
Die Stadt Ansbach hat sich bewusst gegen ein Gedenken am 24. Juli selbst entschieden. Hintergrund ist dabei auch die bereits im Vorfeld angekündigte AfD-Veranstaltung, hieß es von der Stadt. Dafür wurde eine Themenreihe in Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren unter dem Namen "Wir zeigen Haltung – 10 Jahre und weiter" mit verschiedenen Vorträgen, Diskussionsrunden und einer Buchvorstellung organisiert. Inhalte dabei waren Islamismus und Muslimfeindlichkeit. Das Programm startete Mitte Juni, die letzte Veranstaltung fand Mitte Juli statt.
Ansbacher reagieren auf das Attentat
Außerhalb des Gedenktages erinnert im Stadtgebiet nichts an das Attentat. An der Reitbahn selbst gibt es keine Gedenktafel. Das Festival "Ansbach Open" findet zufällig wieder an diesem Wochenende statt. Allerdings seit Jahren an anderer Stelle, nämlich am Hochschulcampus anstelle der Innenstadt. Vor zehn Jahren zeigten sich die Ansbacher vor Ort geschockt, inzwischen ist es schwer, Zeitzeugen zu finden, die dann auch noch mit dem BR sprechen möchten. Lediglich Norbert Imschloß, Wirt von "Eugens Weinstube" direkt neben der Reitbahn, gibt ein Interview.
Ereignis wühlt Wirt noch immer auf
"Ich hab' ihn gefragt, was er trinken will. Wenn ich vier Sekunden länger stehen geblieben wäre, dann wäre ich jetzt nicht mehr hier", schildert er, hat eine Träne in den Augen. Über die Jahre komme Norbert Imschloß mit dem Ereignis klar, aber ihn belastet es, dass der 24. Juli selbst instrumentalisiert werde. Klar und deutlich nennt er dabei die AfD. Seit Jahren würden Vertreter der Partei Blumenkränze am 24. Juli zur Reitbahn bringen. Als sie erfuhren, dass die Bombe eigentlich am Eingang bei ihm in seinem Biergarten hochging, wollten sie ihre Kränze auf Imschloß‘ Grundstück ablegen. Weil sein Verbot nichts half, musste die Polizei mit einer Menschenkette unterstützen, schilderte er.
AfD auf dem Martin-Luther-Platz
Um der "schrecklichen Tat" zu gedenken lädt die Bayerische Landtagsfraktion der AfD auf den Martin-Luther-Platz in Ansbach ein, kündigte die Partei auf Social Media an. Mit dabei der Infotruck der Partei. Außerdem soll es einen Bürgerdialog mit einer Buchvorstellung am Abend geben. Als Gegenveranstaltung hat das neu gegründete Bündnis für Demokratie, Menschenwürde und Zusammenhalt einen "Markt der Demokratie" in der Innenstadt organisiert mit Kundgebung. Dazu gibt es weitere Veranstaltungen unter dem Motto "für Zusammenhalt und gegen Extremismus". Schon am Nachmittag war die Ansbacher Innenstadt voller Menschen.
Im Video: Vor 10 Jahren – Sprengstoffanschlag in Ansbach
Vor 10 Jahren: Sprengstoffanschlag in Ansbach
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