Wie stehen Ilse Aigners Chancen, erste Bundespräsidentin zu werden?
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Spekulationen über Ilse Aigner: Mit Haltung ins höchste Amt?

Spekulationen über Ilse Aigner: Mit Haltung ins höchste Amt?

Sie gilt als "Brückenbauerin", wird über Parteigrenzen hinweg geschätzt: Seit Monaten halten sich Spekulationen, dass Ilse Aigner Bundespräsidentin werden könnte. Entsprechend aufmerksam werden ihre Auftritte beobachtet. Sie selbst hält sich bedeckt.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Ilse Aigner steht im schwarzen Abendkleid vor einer Zielscheibe, Pfeil und Bogen in der Hand. Der Bayerische Landtag hat zum Sommerempfang in Schloss Schleißheim geladen, die Landtagspräsidentin versucht sich im Bogenschießen. Sie spannt den Bogen, zielt – und verfehlt die Mitte. Treffsicherer ist ihre Begrüßung. Zwischen Politik und Bogenschießen, sagt sie, gebe es durchaus Parallelen: "Stabil stehen, nicht wackeln, den Bogen spannen, aber den Bogen nicht überspannen." Nicht die Kraft allein zähle, man brauche auch Haltung.

Die Haltung, die Aigner als Landtagspräsidentin zeigt, ist ein Grund dafür, dass die CSU-Politikerin seit Monaten als Anwärterin auf das Bundespräsidenten-Amt gehandelt wird. Wofür sie dort stehen würde, machte sie erst vor zwei Wochen bei einer Rede in der Universität München erneut deutlich: mit einem Plädoyer für Toleranz und Gleichberechtigung, einem Bekenntnis zu demokratischen Grundwerten und einem klaren Nein zu Antisemitismus und dem "Gift" von Populisten und Radikalen. Aigner selbst weicht seit Monaten Fragen nach ihren Ambitionen aus, Auftritte wie dieser aber nähren Spekulationen: Läuft sie sich für Berlin warm?

"Ich bin keine neutrale Person"

Als Landtagspräsidentin muss sie alle Fraktionen nach denselben Regeln behandeln. Aigner stellte von Anfang an den respektvollen Umgang im Parlament in den Mittelpunkt. Da sich seit dem Einzug der AfD ins Maximilianeum nach und nach der Ton in Debatten veränderte, passte Aigner ihren Kurs an die neue Lage an: Sie kämpft gegen die "Erosion der stabilen Mitte", gegen extremistische Ränder. "Ich übe mein Amt als Parlamentspräsidentin unparteiisch aus. Aber ich bin keine neutrale Person, ich bin Demokratin", formulierte sie 2023 ihr Amtsverständnis.

Wie sie diesen Spagat versteht, zeigt ein Auftritt mit ihrem "LandTruck" in Füssen Mitte Juli. Dort fragt der AfD-Abgeordnete Markus Striedl, warum noch so viele Syrer im Land seien. Jugendliche warnen daraufhin vor der Wirkung solcher Aussagen: Sie könnten Menschen mit Migrationsgeschichte das Gefühl vermitteln, unerwünscht zu sein, und ausländische Fachkräfte abschrecken. Als Striedl darauf nicht eingeht, meldet sich Aigner zu Wort: Es gehe nicht nur um Gesetze und Aufenthaltsstatus, sondern auch um die Wirkung politischer Sprache. Und um die Frage, ob sich Menschen "willkommen fühlen oder nicht willkommen fühlen".

Aigners Trumpf: Brückenbauerin

Spricht man mit prominenten Politikern über Aigner, fällt über Parteigrenzen hinweg immer wieder ein Wort: "Brückenbauerin". Ex-CSU-Chef Erwin Huber sieht darin das stärkste Argument für Aigner: Sie könne "Menschen zusammenführen" und sei damit über die Union hinaus anschlussfähig.

Diese parteiübergreifende Akzeptanz könnte entscheidend werden. Denn die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern könnten die Zusammensetzung der Bundesversammlung verändern und eine sichere Mehrheit von Union und SPD gefährden. Eine Kandidatin oder ein Kandidat wäre dann möglicherweise auf Stimmen der Grünen angewiesen. "Auf eine deutliche Koalition oder Zusammenarbeit der Parteien der Mitte", wie Huber formuliert.

Bayerns Landtagsvizepräsident Markus Rinderspacher von der SPD jedenfalls hält Aigner für einen "konsensualen Vorschlag, mit dem alle drei Koalitionäre im Bund und möglicherweise auch Oppositionsparteien der Mitte gut leben könnten". Ähnlich sieht das die bayerische Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze: "Ich schätze Ilse Aigner sehr, weil sie einfach einen klaren Wertekompass hat. Es ist Zeit für eine Frau als Bundespräsidentin."

Wie entscheidet sich Merz?

Die Entscheidung über eine gemeinsame Kandidatin oder einen Kandidaten der schwarz-roten Koalition wollen die Parteichefs von CDU, CSU und SPD im Herbst fällen. Zentral dürfte dabei sein, wie sich CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz positioniert. Aigner und er kennen sich seit rund 30 Jahren aus dem Bundestag. Das Ehepaar Merz besitzt zudem ein kleines Haus in Aigners Wahlkreis am Tegernsee, wo sie sich auch privat gelegentlich treffen. Aigner sagt: "Ich bin mit ihm auch befreundet."

Doch persönliche Nähe reicht nicht. Merz muss auf seine eigene Partei Rücksicht nehmen, aus deren Reihen Bundesfamilienministerin Karin Prien und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner als Anwärterinnen gelten und intern Unterstützer haben. Ist die CDU bereit, das Amt der kleinen Schwesterpartei zu überlassen?

CSU-Chef Markus Söder war Fragen nach einer Kandidatur Aigners über Monate ausgewichen, erst nach den bayerischen Kommunalwahlen im Frühjahr sicherte er ihr seine "volle Sympathie und Unterstützung" zu, falls sie das Amt wolle. Söder stand zu diesem Zeitpunkt parteiintern unter Druck. Die einen werteten seine Aussage als Versuch, über das Bekenntnis zur beliebten Landtagspräsidentin Sympathiepunkte zu sammeln. Andere als machtpolitischen Schachzug: Eine Ilse Aigner, die für das Bundespräsidentenamt kandidiert, könnte Söder nicht in Bayern gefährlich werden.

"Eine Bundespräsidentin hatten wir noch nicht"

In den nächsten Tagen hat Aigner noch ein paar Auftritte, dann wird sie wochenlang öffentlich nicht zu sehen sein: In der parlamentarischen Sommerpause unterzieht sie sich einer Knie-OP mit anschließender Reha.

Beim großen Sommerempfang vor dem Schloss Schleißheim ist ein möglicher Wechsel Aigners ins Präsidentenamt eines der zentralen Gesprächsthemen der festlich gekleideten Gäste. So manch einer sähe die CSU-Politikerin gern in Berlin: "Ich bin ein Riesen-Fan von Frau Aigner, und ich bewundere sie über die Maßen", sagt beispielsweise Paralympics-Sieger Josia Topf. Schauspielerin Michaela May fände es "toll", wenn den Job einmal eine Frau übernähme: "Eine Bundespräsidentin hatten wir noch nicht."

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