Legehennen (Symbolbild)
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Wie verbreitet ist das Virus?
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Wie gefährlich ist die Newcastle-Krankheit?

Wie gefährlich ist die Newcastle-Krankheit?

Im Landkreis Erding wurden 100.000 Legehennen gekeult, weil dort die Newcastle-Krankheit ausgebrochen war. Obwohl in Deutschland Impfpflicht besteht, ist die Sorge groß, dass sich das Virus ausbreitet. Wie gefährlich ist es für Mensch und Geflügel?

Über dieses Thema berichtet: Bayern-1-Nachrichten am .

Schon Mitte Februar wurde die Newscastle-Krankheit auf einem Putenmast-Betrieb in Brandenburg nachgewiesen – es war der erste Ausbruch dieser Krankheit bei Geflügel in Deutschland seit 30 Jahren. Nun gab es einen zweiten Ausbruch in Oberbayern.

Was ist die Newcastle-Krankheit?

Die Newcastle-Krankheit ist eine hochansteckende – und deshalb anzeigepflichtige – Tierseuche. Vor allem Hühner und Puten können sich infizieren, aber auch andere Vogelarten wie Enten, Gänse oder Tauben können das Virus in sich tragen, verbreiten oder selbst erkranken.

Auffällige Symptome, die zwei bis fünf Tage nach der Infektion auftreten können, sind Atemnot, Durchfall, Apathie und Augenentzündungen. Auch die Legeleistung ist verringert. Im späteren Verlauf können Lähmungen auftreten sowie neurologische Anzeichen wie ein verdrehter Hals.

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), das für die Erforschung von Tiergesundheit zuständige Bundesinstitut, schreibt auf Anfrage: "Der Tod tritt innerhalb von drei bis sieben Tagen auf und kann insbesondere bei jüngeren Tieren 100% der Herde betreffen."

Erkrankte Tiere scheiden das Virus in hohen Mengen über die Körpersekrete und den Kot aus – darüber, aber auch über die Luft überträgt sich das Virus von Tier zu Tier. Auch indirekt kann es sich verbreiten, über Menschen, Fahrzeuge, Futter oder Transportkisten. Auch Eier sind kontaminiert.

Wie verbreitet ist das Virus?

Deutschland galt bei Hühnern und Puten als Newcastle-Krankheit-frei (externer Link); seit 1996 hatte es keinen Ausbruch mehr gegeben. Wohl auch, weil diese Tiere gegen den Erreger verpflichtend geimpft werden müssen.

In Europa kam es immer wieder zu Ausbrüchen, etwa 2018 in Luxemburg und Belgien. In Ländern in Zentral- und Südamerika, Asien, Afrika und dem Mittleren Osten kommt der Erreger endemisch vor, also begrenzt auf einzelne Regionen.

Ist der Erreger für den Menschen gefährlich?

Laut Friedrich-Loeffler-Institut ist eine Infektion des Menschen sehr selten, aber möglich. Wer intensiven Kontakt mit einem infizierten Tier hatte, könnte sich anstecken. Dabei gilt der Erreger für den Menschen als ungefährlich; meist bleibt eine Infektion lokal auf eine Bindehautentzündung beschränkt.

Was geschieht mit infizierten Tieren?

Bei der Newcastle-Krankheit handelt es sich um eine bekämpfungspflichtige Seuche. Das heißt: Tierbestände, in denen das Virus nachgewiesen wurde, müssen sofort getötet werden, großräumige Sperren um den Seuchenherd werden errichtet. Geregelt ist das in zwei EU-Verordnungen (hier und hier, externe Links).

Wieso konnte die Krankheit trotz Impfpflicht ausbrechen?

Hühner und Puten müssen in Deutschland gegen die Newcastle-Krankheit geimpft werden, unabhängig von der Bestandsgröße. In den meisten anderen EU-Ländern gibt es keine solche Impfpflicht. Doch auch geimpfte Tiere können sich infizieren, allerdings schwieriger – und sie scheiden im Fall des Falles weniger Virus aus und dies über einen kürzeren Zeitraum. Sofern Krankheitszeichen auftreten, sind diese weniger ausgeprägt. Laut Friedrich-Loeffler-Institut sind gerade Jungtiere während der Aufzuchtphase noch nicht bzw. ungenügend geschützt.

Woher kam das Virus überhaupt?

Das Friedrich-Loeffler-Institut geht davon aus, dass der Erreger direkt oder indirekt verschleppt wurde. Es gebe derzeit viele Ausbrüche in Kleinsthaltungen und Geflügelbetrieben in Polen, Tschechien und der Slowakei. Mögliche Kontakte dorthin würden noch von den deutschen Veterinärbehörden vor Ort abgeklärt. Wildvögel seien dagegen nur in Einzelfällen für Ausbrüche verantwortlich – anders als bei der "klassischen Geflügelpest".

Ist mit weiteren Ausbrüchen zu rechnen?

Das lässt sich nicht genau sagen. Laut FLI muss man in nächster Zeit sehr aufmerksam sein und die Situation beobachten; erst dann werde sich klären, "ob die Newcastle-Krankheit sich in Deutschland weiter verbreitet hat oder es bei wenigen Einzelausbrüchen bleibt". Die jüngsten Ausbrüche in Brandenburg und Oberbayern verdeutlichten allerdings "eine aktuelle Gefahr", so das FLI.

Was sollten (Hobby-)Geflügelhalter jetzt beachten?

Für Hühner und Puten, auch für Hobbyhaltungen, ist eine Impfung gesetzlich vorgeschrieben – sowohl in Geflügelbetrieben als auch in Kleinsthaltungen. Darüber hinaus spielt laut FLI die sogenannte Biosicherheit eine große Rolle: auf kontrollierten Waren- und Personenverkehr achten sowie Maßnahmen der Früherkennung einhalten, also kranke oder tote Tiere umgehend zu testen.

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