(Archivbild) Franz Josef Strauß, im Hintergrund verschwommen eine Israelflagge
(Archivbild) Franz Josef Strauß, im Hintergrund verschwommen eine Israelflagge
Bild
(Archivbild) Bislang unbekannte Dokumente wie auch ein besonderes Geschenk zeichnen ein neues Bild von Franz Josef Strauß.
Bildrechte: picture-alliance / Sven Simon
Schlagwörter
Bildrechte: picture-alliance / Sven Simon
Audiobeitrag

(Archivbild) Bislang unbekannte Dokumente wie auch ein besonderes Geschenk zeichnen ein neues Bild von Franz Josef Strauß.

Audiobeitrag
>

Neue Archivfunde: Franz Josef Strauß und Israel

Neue Archivfunde: Franz Josef Strauß und Israel

Bislang unbekannte Dokumente und ein besonderes Geschenk zeichnen ein neues Bild von Franz Josef Strauß: Der CSU-Politiker pflegte engere Beziehungen zu Israel als bisher bekannt und hielt einer jüdischen Klassenkameradin in der NS-Zeit die Treue.

Über dieses Thema berichtet: report München am .

Es geht um bisher völlig unbekannte, höchst private Briefe und Postkarten, die die jüdische Klassenkameradin Hanne Trautwein an ihren Freund Franz schickte. So schrieb Trautwein dem späteren bayerischen Ministerpräsidenten am 21. März 1935: "Wie soll ich Dir helfen, da ich mir selbst nicht helfen kann. Nur das eine kann ich dir versichern, dass ich Dich verstehe, mehr wie irgendjemand".

Sohn Max Strauß wusste nichts von den Briefen

Sein ältester Sohn, Max Strauß, erfuhr erst durch die Recherchen des ARD-Politikmagazins report München von den Briefen und Postkarten aus den Jahren 1935 bis 1937 - im Schatten des NS-Regimes: "Er hat grundsätzlich über seine Vergangenheit praktisch nicht gesprochen. Was ich mittlerweile weiß, gehen eine Menge Geschichten rum, die zum Teil unwiederbringlich verloren sind." 

Briefe an den "lieben Franz"

Trautwein schrieb an den "lieben Franz" in Deutsch, Latein und Altgriechisch. Am 22. Dezember 1937, in dem letzten vorliegenden Brief, erklärt sie: "Für mich werden es ziemlich traurige Weihnachten werden. Wenn Du Mitleid mit mir armen Seele hast, kannst Du ja vielleicht einmal eine freie Minute mir opfern." Hanne Trautwein überlebte den Holocaust und heiratete nach dem Zweiten Weltkrieg den Schriftsteller Hermann Lenz.

Die Münchner Literaturwissenschaftlerin Rachel Salamander kannte die 2010 verstorbene Hanne Lenz sehr gut. Über die Briefe habe die Freundin nie mit ihr gesprochen. Sie schätzt den Fund im Archiv für Christlich-Soziale Politik der Hanns-Seidel-Stiftung als sehr wichtig ein: "Also da zeigt Franz Josef Strauß Haltung, die in diesen finsteren Zeiten wenige bewiesen haben, und das war Hanne Lenz auch sehr klar."

Geheimdienstexperte Shpiro über Strauß: "Mann hinter den Kulissen"

Weitere, unter anderem aus den Israelischen Staatsarchiven, zeigen: Strauß' Verhältnis zu Israel war mehr als eng. Als er 1963 als einer der ersten deutschen Politiker nach Israel reist, gibt es wütende Demonstrationen. Die Israelis können nicht ahnen, was der Bayer im Geheimen alles für ihr Land tue. Laut dem israelischen Geheimdienstexperten Shlomo Shpiro war Strauß schon damals ein wichtiger Verbündeter des jüdischen Staats: "Er war immer der Mann hinter den Kulissen für militärische Beziehungen, nachrichtendienstliche Zusammenarbeit und geheime Diplomatie mit arabischen Staaten."

Bislang unbekanntes Geschenk von Peres

Dafür sei er bereits Anfang der 1960er geschätzt worden, auch vom späteren Staatspräsidenten Shimon Peres (1923 - 2016). Dies zeigt ein bislang unbekanntes Geschenk vom Dezember des Jahres 1962 an Strauß. Es handelt sich um eine kunstvoll gestaltete Bibel mit einer persönlichen Widmung in englischer Sprache. Peres schrieb: "Für Franz Josef Strauß, einen großen Führer und einen wagemutigen Freund."

Sohn Max Strauß sieht diese Bibel zum ersten Mal. Er hatte zu Lebzeiten seinen Vater gefragt, warum er Israel immer wieder half. Er habe seinem Sohn damals geantwortet: "Den Toten konnte ich nicht helfen, den Lebenden kann ich helfen."

Geheimdokument belegt Strauß' Hilfe für Peres

Einer, der dieses besondere Verhältnis persönlich bestätigen kann, ist der CSU-Ehrenvorsitzende Theo Waigel. Er reiste 1975 als junger Bundestagsabgeordneter nach Israel. Strauß gab ihm einen Brief mit – für den zunächst schlecht gelaunten israelischen Verteidigungsminister: "Und aus dem grantigen, grimmigen Peres wird der freundlichste Mensch der Welt.", erinnert sich Waigel an das Treffen.

Bei den Recherchen stößt report München auf ein Geheimdokument des Bundesnachrichtendienstes (BND) aus dem Jahr 1966, welches belegt, dass Israel Strauß um Hilfe bat. Für den Geheimdienstexperten Shlomo Shpiro ist klar: "Es gab ja andere deutsche Politiker, die mit Israel zusammengearbeitet haben oder geholfen haben, aber sehr oft, wenn ich über Menschen, die damals mit Herrn Strauß zu tun hatten, rede, sagen sie immer, er hat das auch mit dem Herzen gemacht."

Mehr zu diesem Thema können Sie am Dienstagabend (03.03.26) erfahren – in der Sendung von report München um 21.45 Uhr im Ersten.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!