Wanderwege und Zeltplätze im Wald, Bahnlinien und Forststraßen: An diesen "Mikroplastik-Hotspots" nehmen Wissenschaftler der Hochschule Coburg 420 Bodenproben. Denn hier erwarten sie hohe Mikroplastik-Einträge. Matthias Noll und sein Team wollen herausfinden: Wie viel Mikroplastik steckt im Waldboden? Und welche Auswirkungen haben die winzigen Kunststoffteilchen auf das sensible Ökosystem des Waldes?
Regenwürmer nehmen Mikroplastik auf
Die Wissenschaft kann bisher nur vermuten, was die Plastikpartikel im Waldboden anrichten. Denn anders als die Meere sind die Waldböden eine Blackbox in Sachen Mikroplastik. "Mikroorganismen steuern das Pflanzenwachstum und den Wasserkreislauf im Wald", sagt Noll, "und wenn der Boden mit Mikroplastik belastet ist, können diese Kreisläufe gestört werden." Wenn Mikroplastik zu kleinerem Nanoplastik zerfällt, kann es in Pflanzen und Tiere eindringen, so der Mikrobiologe. Von Regenwürmern weiß man bereits, dass sie Nanoplastik in tiefere Schichten ziehen und aufnehmen.
Forschungsprojekt über drei Bundesländer
Matthias Noll und Julie Feimer arbeiten für das Forschungsprojekt "Forest Health & Plastics" der Hochschulen Coburg und Rottenburg (Baden-Württemberg). An 42 Waldorten in Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg nehmen sie Bodenproben. Dabei arbeiten die Forscher möglichst plastikfrei: Sie umhüllen ihre Schuhe mit Baumwollbeuteln und benutzen Werkzeug aus Metall und Glas. "Sogar die Gläser sind bei 250°C neun Stunden lang ausgebacken worden", sagt Julie Feimer.
Aufwendige Labor-Analyse
Julie Feimer untersucht die Bodenproben dann im Labor der Hochschule Coburg. Die Analyse ist extrem aufwendig, denn Mikroplastik hat dieselbe Größe wie die Bodenpartikel, also Lehm, Sand oder Schluff. Zwei Tage braucht die Mikrobiologin pro Bodenprobe, dann wird das extrahierte Mikroplastik von einem Speziallabor mit Infrarot-Mikroskopen weiter analysiert.
Ergebnisse der Studie in zwei Jahren
Die Ergebnisse der Studie sollen im Herbst 2028 vorliegen. Eins steht fest: Mikroplastik kann man nicht aus dem Waldboden entfernen, das wäre auf großer Fläche viel zu aufwendig. Bleibt also nur: vermeiden. Dazu wollen die Wissenschaftler einen Praxis-Leitfaden herausgeben, der Waldbesitzern, Forstbetrieben und Waldtouristen helfen soll, so wenig Mikroplastik wie möglich in den Wald zu bringen.
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