Johannes Lochner und sein Team starten zum Trainingslauf, indem sie den Viererbob auf dem Eiskanal anschieben.
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Hundertstel entscheiden im Eiskanal – und oft beginnt der Weg zu Gold am Computer in München.
Bildrechte: dpa-Bildfunk/Robert Michael
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Hundertstel entscheiden im Eiskanal – und oft beginnt der Weg zu Gold am Computer in München.

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Wie viel Hightech steckt in einer Olympiamedaille im Bobsport?

Wie viel Hightech steckt in einer Olympiamedaille im Bobsport?

Während Johannes Lochner im Eiskanal bei den Olympischen Spielen um Hundertstel kämpft, entscheidet ein Stück Stahl aus München über Sieg oder Niederlage. Wie ein Ingenieurbüro aus Bayern den Bob-Sport revolutioniert hat.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Youtube am .

150 Kilometer pro Stunde und enorme Fliehkräfte von bis zu 5 g in den Kurven: Es sind Extrembedingungen für die Bobfahrer, aber auch für die Kufen. Die sind vergleichbar mit überdimensionalen Schlittschuhkufen.

Bei der Auswahl der Kufen setzen die deutschen Bobfahrer meist auf Modelle, die Thomas Hahn mit seinem Ingenieurbüro in München entwickelt hat. Er und seine Kollegen haben den Kufenbau revolutioniert.

Computersimulation statt ausprobieren

"Früher hat man nach dem Trial-and-Error-Prinzip gebaut", erklärt Hahn. Man habe etwa 30 Kufensätze hergestellt und getestet. Die, die am besten fuhren, habe man genommen. "Es gab da keine richtige Methodik", so Hahn weiter. "Wir haben mit unserer Simulationsmethodik hier eine Systematik hereingebracht, wo wir in der Lage sind, auf jede Bahn eine Kufe auszulegen, sodass die top auf dieser Bahn performt."

Das bedeutet, dass die Entwickler weltweit fast alle Bobbahnen als 3D-Modell in ihren Computern gespeichert haben. Damit kennen sie die genaue Länge, Kurvenradien, die Besonderheiten und wissen auch, welche Geschwindigkeiten durchschnittlich gefahren werden. Jede Information über eine bestimmte Bahn ist interessant und Thomas Hahn kann daraus seine Schlüsse ziehen, etwa wie stark die Verformung des Bobs aufgrund der Fliehkräfte in der Kurve ist.

"Dann können wir unsere Magie walten lassen und den Computer so weit quälen, dass er uns die richtige Kufe ausspuckt." Bis ein Ergebnis da ist, bedeutet das oft Rechenzeiten von mehreren Tagen.

Millimeterarbeit mit Lochner

Das Ergebnis der Computersimulationen ist dann eine Kufe, die im Optimalfall exakt für den Bob, die Besatzung und den jeweiligen Eiskanal optimiert ist. Aber egal wie ausgefeilt die modernen Computer-Methoden sind, auf zwei Dinge kann auch Thomas Hahn nicht verzichten: die Rückmeldung und die Erfahrung des Bobpiloten.

Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit Johannes Lochner, dem frisch gebackenen Goldmedaillengewinner im Zweierbob. Und entsprechend optimal ist die Kufe auch auf Lochners Wünsche und Fahrweise abgestimmt.

Auch das Handwerk ist wichtig

Gefertigt werden die Kufen von einer Metallfräserei in Garching bei München. Auf hundertstel Millimeter genau werden sie entsprechend dem Computermodell aus dem Metall-Rohling herausgearbeitet. Das bedeutet, dass die computergesteuerte Fräse bis zu zehn Stunden arbeitet - pro Kufe. Jeder Bob hat davon vier.

Jede einzelne produzierte Kufe ist für den verantwortlichen Handwerksmeister Robert Riedmeir ein Highlight in seinem Berufsalltag: "Man sieht sogar im Fernsehen, was man gemacht hat. Und wenn es dann auch noch um Gold geht, dann freut es einen natürlich besonders."

Und Gold ist auch Johannes Lochners Ziel beim Viererbobfinale am Sonntag. Er gilt als der große Favorit und das auch dank seiner Kufen aus Oberbayern!

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