Nahe Weidenbach in Oberbayern wäre es heute beinahe zu einem Frontalzusammenstoß zweier Züge gekommen. Die Bahnen waren gleichzeitig auf einem eingleisigen Abschnitt unterwegs, auf dem nur immer ein Zug hätte fahren dürfen. Es waren Regionalbahnen der DB mit der Zugnummer RB40, die zwischen München und Mühldorf verkehren. Bahnmitarbeiter konnten die Kollision gerade noch verhindern. Das erfuhr der Bayerische Rundfunk aus zuverlässiger Quelle von einem DB-Mitarbeiter.
Bahnsprecherin bestätigt "gefährliches Ereignis"
Eine Bahnsprecherin bestätigte dem Bayerischen Rundfunk, dass im Bereich Weidenbach gegen 9 Uhr "versehentlich ein Zug der Südostbayernbahn in einen Gleisabschnitt geleitet worden ist, der besetzt war". Es kam zu keinerlei Sach- oder Personenschaden.
Die Folge waren zeitweise erhebliche Verspätungen und Zugausfälle auf der Strecke zwischen München und Mühldorf." Die Bahn werte den Vorfall aktuell als "gefährliches Ereignis." Die Regionalbahn RB27028 fiel laut einer internen Meldung ab Schwindegg aus. Züge aus Dorfen und Schwindegg hatten lange Verspätungen.
Fahrdienstleiter konnte wegen Stellwerksstörung kein Signal bedienen
Vorangegangen war laut BR-Informationen eine Stellwerksstörung. Zugfahrten durften nur, wie es bei der Bahn heißt, "auf schriftlichen Befehl" zugelassen werden. In dem Bereich sind Stellwerke ältester Bauform aus der Prinzregentenzeit noch in Betrieb.
Die Bahn tauscht diese nach und nach aus. Die Strecke soll modernisiert und zweigleisig ausgebaut werden. Sie gilt als die am stärksten befahrene eingleisige Strecke in Deutschland. Aber der Ausbau der Strecke München–Mühldorf verzögert sich seit Jahren.
Hochgefährlich – zwei Züge auf eingleisiger Strecke
Vor zehn Jahren waren zwei Regionalzüge bei Bad Aibling auf eingleisiger Strecke zusammengestoßen, zwölf Menschen starben, fast 90 wurden verletzt. Der renommierte Bahnexperte Markus Hecht leitete von 1997 bis 2025 das Fachgebiet Schienenfahrzeuge am Institut für Land- und Seeverkehr der TU Berlin. Er spricht von "einer tausendfach höheren Unfallwahrscheinlichkeit" wenn die Signale ausgefallen sind und die Züge auf Befehl gefahren werden.
Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung
Unfälle und Beinahe-Unfälle werden von der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU) untersucht. Markus Hecht sagte dem BR, er sei sicher, dass die BEU dem Fall werde nachgehen müssen. Das heiße aber auch, "dass wir die Einzelheiten zu dem Vorfall möglicherweise frühestens in einem Jahr erfahren werden", so Hecht.
Ein Grund für den nur sehr langsamen Austausch der alten Stellwerke liege darin begründet, dass meist erst mit der Elektrifizierung auch die Stellwerkstechnik verbessert werde. In unseren Nachbarländern sind seit Jahrzehnten keine mechanischen Hebelstellwerke mehr in Betrieb. In den Niederlanden sei das letzte 1997 aus dem Verkehr genommen worden, so Hecht. Auf der Südostbayernbahn ist man noch dabei.
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