Nach Angaben des bayerischen Verkehrsministeriums ist die Zahl der Langsamfahrstellen im bayerischen Bahnnetz im ersten Halbjahr 2026 deutlich gestiegen. Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) fordert deshalb einen Masterplan der Deutschen Bahn.
Laut Verkehrsministerium gibt es in Bayern inzwischen rund 120 Langsamfahrstellen, etwa 20 mehr als noch 2025. Wegen der Langsamfahrstellen und mängelbedingter Streckensperrungen könne auf mittlerweile 45 Linien des Schienenpersonennahverkehrs kein regulärer Fahrplan mehr gefahren werden. Vor allem für den Zugverkehr rund um München und Augsburg sei die Lage dramatisch.
Notfahrpläne und Zugausfälle auf zahlreichen Strecken
Zugespitzt hat sich demnach die Situation unter anderem auch auf den Strecken Donauwörth - Nördlingen, Nürnberg Nordost - Gräfenberg, Schwandorf - Furth im Wald, Ansbach - Creilsheim, Murnau - Oberammergau und Lindau - Friedrichshafen. Auf den betroffenen Linien gibt es dem Ministerium zufolge Notfahrpläne, Schienenersatzverkehr, ein reduziertes Zugangebot, längere Reisezeiten oder Halteausfälle.
In einem Brandbrief an den Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn fordert Verkehrsminister Christian Bernreiter einen Masterplan, wie die Langsamfahrstellen im Freistaat zügig und nachhaltig reduziert werden können.
Bernreiter kritisiert Gegenleistung der Bahn
Aus Sicht Bernreiters bekommt die Bahn vor allem in Bayern das Problem nicht in den Griff. Der Freistaat zahle jährlich mehr als 900 Millionen Euro Trassenentgelte und sei damit der größte Finanzgeber für die Instandhaltung.
Gleichzeitig wolle die Bahn vom Freistaat rückwirkend und künftig sogar noch höhere Trassenpreise verlangen. Dafür bekomme Bayern aber eine der schlechtesten Gegenleistungen, kritisiert der Minister.
Bahn verweist auf Sanierungsrückstau im Schienennetz
Die Deutsche Bahn räumt ein, dass die derzeitige Situation für viele Fahrgäste und Eisenbahnverkehrsunternehmen unbefriedigend ist. "Der Sanierungsrückstau, der sich über viele Jahre aufgebaut hat, ist erheblich und lässt sich nicht innerhalb kurzer Zeit vollständig beseitigen", sagte eine Bahn-Sprecherin. Hinzu kämen zahlreiche hitzebedingte Schäden an der Infrastruktur in diesem Sommer, die für zusätzliche Einschränkungen gesorgt hätten.
Gleichzeitig investiere die Bahn derzeit so viel wie noch nie in die Erneuerung und Modernisierung der Schieneninfrastruktur im Freistaat. "Allein 2026 fließen rund vier Milliarden Euro in das bayerische Netz", erklärte die Sprecherin. Dabei mache die Bahn spürbare Fortschritte.
Bahn will Sanierung mit hoher Priorität vorantreiben
"Uns ist bewusst, dass viele Langsamfahrstellen und betriebliche Einschränkungen die Zuverlässigkeit im Bahnverkehr beeinträchtigen", sagte die Sprecherin. Daran arbeite die Bahn mit hoher Priorität und mit einem klaren Sanierungsplan für das Bestandsnetz in Bayern und ganz Deutschland. Entscheidend sei, die Modernisierung der Infrastruktur weiterhin in hohem Tempo voranzutreiben.
Anfang September wollen Vertreter der Bahn bei einem runden Tisch mit dem bayerischen Verkehrsministerium zusammenkommen. Dabei sollen die aktuelle Situation und die weiteren Schritte zur Verbesserung der Infrastrukturqualität in Bayern ausführlich erörtert werden.
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