Johannes Menth ist Landwirt. Im Landkreis Würzburg hat er einen Betrieb mit Schweinemast und 80 Hektar Ackerbau. Normalerweise baut er auf 25 Hektar seiner Fläche Zuckerrüben an und liefert die zur Südzucker-Fabrik in Ochsenfurt. In diesem Jahr nicht.
Landwirte sollen weniger anbauen
"Ich werde am Reduktionsprogramm teilnehmen, das das Unternehmen Südzucker uns Landwirten jetzt im Winter angeboten hat – und meinen Rübenanbau um 25 Prozent reduzieren", sagt Menth. Für jede nicht erzeugte Tonne Rüben bekommt er von Südzucker zehn Euro Entschädigung.
Die Marktsituation habe sich im letzten halben Jahr so verschlechtert, dass es notwendig erscheine, Anbaumenge von Zuckerrüben zu reduzieren. "Weil sie eben nicht zu einem vernünftigen Preis verkauft werden könnte. Und es macht keinem Spaß, defizitär irgendwelche Produkte zu erzeugen", so der Landwirt, der auch Vorsitzender vom Verband Fränkischer Zuckerrübenbauer ist.
Südzucker äußert sich zu Angeboten nicht
Das Unternehmen Südzucker mit Sitz in Mannheim äußert sich auf Anfrage von BR24 nicht zu den Angeboten an die Landwirte – aus Wettbewerbsgründen. Zur generellen Lage schreibt der Konzern: "Momentan ist die Situation im Zuckermarkt sehr angespannt. Es gibt eine Überproduktion von Zucker weltweit und in Europa, die zu einem starken Preisverfall geführt hat." Werksschließungen seien seitens des Unternehmens in Deutschland nicht geplant.
Zuckerproduktion momentan "defizitäres Geschäft"
Die Zuckerproduktion sei im Moment "für alle Unternehmen ein defizitäres Geschäft", sagt Simon Vogel im Gespräch mit BR24. Er ist Leiter der Rübenabteilung im Südzucker-Werk in Ochsenfurt. Weltweit steige zwar der Zuckerverbrauch. "In Europa ist es eher umgekehrt: Wir haben tendenziell aufgrund anderer Ernährungsgewohnheiten eine leicht abnehmende Tendenz", sagt Vogel. Hinzu kommen Schwierigkeiten beim Anbau durch Schädlinge wie die Schilf-Glasflügelzikade, die sich in Deutschland weiter ausbreitet.
Verständnis und Kritik von den Landwirten
Der Sinn der Reduktions-Maßnahme von Südzucker werde in Landwirtskreisen nicht diskutiert, sagt Johannes Menth. "Die Rückmeldung, die ich bisher bekommen habe, war immer: die Maßnahme ist richtig." Kritik gibt es eher am Zeitpunkt des Angebots, sagt Helmut Ring, Geschäftsführer vom Verband bayerischer Zuckerrübenanbauer. Das Angebot sei für manche Landwirte zu spät gekommen – als sie ihre Flächen für 2026 schon vorgeplant hatten. Denn die Zuckerrübe ist für Landwirte auch wichtige in der Fruchtfolge – also der Abwechslung beim Anbau von Kulturen auf einem Acker.
Wie viele Landwirte in Bayern und ganz Deutschland das Angebot angenommen haben ist unklar. Der Vertreterverband für Franken schätzt aber, dass dort in diesem Jahr zwischen 20 und 25 Prozent weniger Rüben angebaut werden. Manche Bauern verzichten komplett auf die Zuckerrübe, manche teilweise und andere haben das Angebot nicht angenommen.
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