Die Versorgung mit Streusalz ist in Bayern prinzipiell gesichert - trotz des in Teilen des Freistaats seit Wochen anhaltenden Winterwetters. Anders als in manchen Regionen Niedersachsens, Nordrhein-Westfalens, Hessens oder Sachsens (externe Links) verfügen die bayerischen Winterdienste generell über genug Streugut.
Auch ganz im Nordosten des Freistaats, wo der Frost seit Wochen fast ununterbrochen anhält: Stadt und Landkreis Hof melden normale Lagerbestände und problemlose Tätigkeit des Winterdienstes, beim Landkreis Wunsiedel gibt es nach Auskunft einer Sprecherin ebenfalls keinerlei Probleme. Der bayerische Städtetag weiß nach Auskunft eines Sprechers ebenfalls nichts von einer Streugutknappheit. "In Bayern sind wir beim Streusalz bisher nie ans Limit gekommen", bestätigt auch ein Sprecher des bayerischen Gemeindetags.
Streusalz-Verbrauch mehr als doppelt so hoch
Die Autobahnmeistereien haben nach Angaben eines Sprechers der Autobahn GmbH in Südbayern seit Winterbeginn bisher rund 39.000 Tonnen Streusalz verbraucht – und damit bereits jetzt etwa doppelt so viel wie im vergangenen Winter insgesamt. In besonders strengen Wintern der ferneren Vergangenheit lag der Verbrauch aber auch schon über 100.000 Tonnen.
Der Winterdienst an den bayerischen Autobahnen verfügt nach Angaben der bundeseigenen GmbH jedenfalls über genug Streusalz. In den vergangenen Jahren wurden weitere große Salzlager gebaut, etwa am Irschenberg südlich von München und am Autobahndreieck Holledau nahe Ingolstadt.
Die Lager an den Autobahnen sind derzeit noch etwa halbvoll, und es trifft auch laufend Nachschub ein. Dafür sorgen bundesweite Rahmenverträge. Das Streusalz für die Autobahnen kommt inzwischen wieder ausschließlich aus Deutschland. Zwischenzeitliche Versuche mit Lieferanten aus Nordafrika und der Ukraine seien wegen Qualitätsmängeln beendet worden, so der Autobahn-Sprecher.
Norddeutsche Kommunen haben zu wenig vorbestellt
Lieferant für die Autobahn GmbH und für viele Kommunen in Bayern ist die Südwestdeutsche Salzwerke AG in Heilbronn. Dort betont eine Sprecherin auf BR-Anfrage: "Die derzeitige Wetterlage zeigt wieder einmal deutlich, wie wichtig es ist, sich um Bevorratung zu kümmern, um nicht überrascht zu werden. Wir haben beobachtet, dass einige Kunden offensichtlich aufgrund der vergangenen milden Winter ihre präventive Lagerhaltung nicht ausgeschöpft haben."
Ähnlich äußert sich ein Sprecher von Kali und Salz (K+S), dessen Kunden allerdings fast ausschließlich außerhalb Bayerns liegen: Viele Kommunen in Norddeutschland hätten aufgrund der milderen Winter der Vergangenheit und ihrer leeren Kassen offenbar an den Streusalz-Vorbestellungen gespart. Das räche sich jetzt. Man könne trotz Rund-um-die Uhr-Schichten nicht alle Anfragen befriedigen, zumal der Winter in Norddeutschland und Hessen auch die Streusalz-LKW behindere.
Streusalz-Hersteller beliefern jetzt nur Vertragskunden
Im Streusalzgeschäft ist es üblich, sich im Voraus Optionen auf Salzmengen gegen Bezahlung zu sichern. Jetzt, wo der Winter da ist, sei das Bestellaufkommen sehr hoch, berichten die Lieferanten unisono. Die Südwestdeutschen Salzwerke liefern nach Angaben ihrer Firmensprecherin zuerst an Kunden mit zugesagten Vertragsmengen. Wegen der sehr hohen Nachfrage könne man von Nicht-Vertragskunden derzeit keine weiteren Aufträge annehmen.
Ähnlich äußert sich der Konzern Wacker Chemie, der ebenfalls eine Streusalz-Sparte unterhält – die allerdings nach eigenen Angaben nicht zu den großen Lieferanten in Bayern gehört. Man beliefere derzeit die Stammkunden, die Wünsche darüber hinaus zu erfüllen sei "aufgrund der außergewöhnlich hohen Nachfrage derzeit nicht gänzlich möglich".
Einer Gemeinde in Oberfranken fehlt tatsächlich Salz
Vollkommen ist die Streusalz-Versorgung aber auch in Bayern nicht: In Bad Steben (Landkreis Hof) muss der Winterdienst nach eigenen Angaben derzeit sparsam streuen, weil die Lagerbestände geschrumpft sind und Nachlieferungen auf sich warten lassen. Das allerdings ist offenbar ein Einzelfall.
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