Seit knapp drei Jahren ist der sogenannte Waldpakt für Bayern beschlossen, ein Abkommen zwischen der Staatsregierung und den Verbänden der Grundbesitzer. "Selten sind Eigentümer- und Gemeinwohlinteresse so ausgeglichen wie hier", konstatierte Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) bei einer Zwischenbilanz zum Waldpakt im Landtag. Denn einen gesunden Mischwald bauen und erhalten – das nutzt allen.
Grüne loben Forstministerin
Selten sind auch Staatsregierung und Opposition so einer Meinung wie beim Waldpakt. Das räumt auch die Forstexpertin der Grünen im Landtag, Mia Goller, ein: "Die Waldpolitik ist nicht das große Kampfgebiet von Grünen und der CSU. Ich bin tatsächlich mit ganz vielen Punkten dieser Politik sehr, sehr zufrieden – das darf man auch mal sagen." Besonders wichtig sei die Beratung und Ausbildung der rund 700.000 privaten Waldbesitzer in Bayern. Jedes Jahr besuchen laut Forstministerium rund 2.000 Teilnehmer die Kurse der Waldbauernschule in Kelheim.
"Zukunftsbäume" – Jeder zweite Baum ein Laubbaum
Der Waldpakt habe den Waldumbau deutlich beschleunigt, so Kaniber. Im vergangenen Jahr wurden 12,5 Millionen "Zukunftsbäume" gepflanzt, inzwischen ist in Bayern laut Forstministerium jeder zweite junge Baum ein Laubbaum. Der Freistaat gibt jährlich insgesamt 80 Millionen Euro Zuschüsse für den Waldumbau.
Das sei eine wichtige Motivation für Waldbesitzer, denen Trockenheit und Stürme die Bestände verwüstet haben, berichtet der CSU-Abgeordnete Kristan von Waldenfels aus dem Frankenwald. Die Forstbehörden beraten Waldbesitzer, wie sie am besten zukunftsträchtige Bäume in die Bestände bekommen, mit einem Standort-Informationssystem können sie laut Forstministerium inzwischen für jedes einzelne Waldstück beurteilen, welche Bäume dort Zukunft haben. Sie züchten dafür Saatgut – in derzeit 60 Samenplantagen, in Zukunft sollen es 100 werden. Experten des bayerischen Amts für Waldgenetik suchen trockenheitsresistente Baumarten und Herkunftslinien unter anderem auf dem Balkan und in der Türkei.
Wildverbiss bedroht junge Bäume
Ein wichtiger Grundsatz des Waldpakts ist "Wald vor Wild": In ganz Bayern sollen durch genügend Jagd die Wildbestände auf ein waldverträgliches Niveau gebracht werden, sodass junge Bäume eine Chance zum Wachsen haben, ohne weggebissen zu werden. Nach dem gerade beschlossenen neuen Jagdgesetz sollen dafür die Jagdgenossenschaften vor Ort mehr Verantwortung übernehmen. Das sind die örtlichen Waldbesitzer, die die Reviere verpachten. Sie sollen jetzt Vereinbarungen mit Jägern schließen – auch über die Kontrolle der Abschusszahlen. Einen Fortschritt wollten die Grünen darin nicht erkennen. Kaniber betonte, sie erwarte von den Grundbesitzern, jetzt ihren Einfluss auch für ausreichende Jagd zu nutzen.
Kritik an abgeschaffter Holzbauförderung
Eigentlich gehörte zum Waldpakt auch ein bayerisches Förderprogramm für den Holzbau, um auch den Absatz für das Holz zu sichern. Dieses Förderprogramm hat der Freistaat jedoch inzwischen eingestellt. Horst Arnold von der SPD kritisiert: "Das ist eigentlich fast schon wie beim Cha-Cha-Cha, zwei Schritte vor, zwei Schritte zurück." Auch Kaniber machte klar, dass sie mit der Abschaffung des Programms nicht glücklich sei – es fehle dem Freistaat jedoch an Geld.
Die AfD stört sich vor allem daran, dass die Bayerischen Staatsforsten auf ihrem Grund bis zu 1.000 Windräder planen. Für den Abgeordnete Gerd Mannes "ein Waldumbau von Bäumen zu Windrädern". Die Staatsforsten argumentieren, sie leisteten damit einen Beitrag nicht nur zur Bekämpfung des Klimawandels, der die Wälder bedroht, sondern auch zur Energieversorgung Bayerns.
Im Video: Wie der "Zukunftswald" aussehen kann
Ein Beispiel aus Oberfranken zeigt, wie erfolgreicher Waldumbau aussehen kann.
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