Eine Nacht im Flugzeug zu verbringen, gehört nicht zu den erholsamsten Erfahrungen – erst recht dann nicht, wenn das Flugzeug überhaupt nicht fliegt, sondern einfach auf dem Flughafen stehenbleibt. So erlebten es in der Nacht zum Freitag rund 600 Passagiere – und damit 100 mehr als zunächst kommuniziert: Sie saßen am Flughafen München stundenlang in ihren Maschinen fest, die wegen des Schnees und der späten Uhrzeit nicht mehr abheben konnten. Erst am Montagmittag, nach langem Schweigen, äußerten sich die Verantwortlichen. Doch viele Fragen bleiben weiter offen.
Airport-Sprecher entschuldigt sich bei Fluggästen
Es sei eine "schwierige und kaum nachvollziehbare Situation für die Passagiere" gewesen, räumt ein Flughafen-Sprecher ein: "Wir entschuldigen uns dafür bei den betroffenen Fluggästen ausdrücklich." Insgesamt waren nach Angaben der Flughafen München GmbH (FMG) sechs Flugzeuge betroffen – fünf von der Lufthansa Group und eines von Air Arabia.
Zeitlimit für Sonderfluggenehmigung reicht nicht aus
Eigentlich hätten die Maschinen laut FMG mit einer eigens eingeholten Sonderfluggenehmigung des Verkehrsministeriums trotz Nachtflugregelung bis ein Uhr nachts starten können. Dieses Zeitlimit habe aber für die sechs Maschinen nicht gereicht. Sie hätten noch am Boden "unvorhergesehen umkehren" müssen, so der Sprecher weiter. Starker, nasser Schneefall habe zu überdurchschnittlich langen Enteisungszeiten geführt und die Start- und Landebahnen seien kurzfristig geschlossen worden.
Defizite in der Kommunikation beim Busverkehr am Flughafen
Weil an diesem Tag schon so viele Flüge annulliert worden seien, habe man die später zurückkehrenden Maschinen nicht mehr am Terminal, sondern nur noch auf Außenpositionen abstellen können, so der Flughafensprecher weiter. Der Busverkehr wiederum sei stark eingeschränkt gewesen – zum einen aufgrund der nächtlichen Uhrzeit, aber auch von "Defiziten bei der Kommunikation" ist die Rede.
Flughafen versichert: Airline habe Passagiere "bestmöglich versorgt"
Es habe jedoch zu keiner Zeit Gefahr für die Passagiere in den Flugzeugen bestanden, die von den Airlines "bestmöglich versorgt" worden seien, versichert der FMG-Sprecher. Die Vorfälle entsprächen allerdings "nicht unserem Anspruch". Man arbeite nun mit den Partnern daran, die Sachlage vollständig aufzuklären und unmittelbar Prozessverbesserungen umzusetzen.
Lufthansa entschädigt Passagiere für den Vorfall
"Zusammen mit unseren Partnern am Flughafen München setzen wir alles daran, dass sich solche Fehler nicht wiederholen", heißt es auch bei Lufthansa. Sowohl die Airline als auch der Flughafen entschuldigten sich bei den Betroffenen. Lufthansa stellt den Passagieren zudem Entschädigungen in Aussicht. Man habe mit ihnen noch am Freitag Kontakt aufgenommen.
Die Crews hätten die Gäste fortlaufend informiert und "mit der an Bord vorhandenen Verpflegung" versorgt, versichert Lufthansa: "Alle Flugzeuge waren beheizt und hatten ausreichend Strom."
Finanzminister Füracker: Situation "war schlicht inakzeptabel"
Auch der Flughafen-Aufsichtsratsvorsitzende, Finanzminister Albert Füracker (CSU), hat sich eingeschaltet. Die Situation für die Menschen an Bord "war schlicht inakzeptabel", stellt er fest: "So etwas darf nicht passieren." Er erwarte nun vom Flughafen "in Abstimmung mit den Partnern einen zügigen und detaillierten Bericht, welche Verkettung von Umständen und Entscheidungen, auch mit Blick auf die Kommunikationswege, zu dieser Situation geführt hat".
Ebenso wolle er "unverzüglich eine Strategie mit konkreten Maßnahmen, die klar verhindert, dass sich so etwas wiederholt". Der Freistaat ist mit 51 Prozent der größte Gesellschafter der Flughafen München GmbH. Die weiteren Anteile halten der Bund und die Stadt München.
Pilotengewerkschaft: Crews allein gelassen
Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) forderte vom Lufthansa-Management Vorkehrungen, damit sich ein derartiges Chaos nicht wiederholt. Die Crews seien mit der schwierigen Situation weitgehend allein gelassen worden. "Das entstandene Chaos offenbart erhebliche Schwächen im Krisenmanagement", ergänzte die VC.
Staatsanwaltschaft Landshut prüft den Vorfall
Ob der Vorfall auch juristische Konsequenzen hat, muss die Staatsanwaltschaft Landshut entscheiden: Sie prüft nach BR24-Informationen, ob Ermittlungen aufgenommen oder strafrechtliche Schritte eingeleitet werden.
Im Video: Passagiere sitzen über Nacht in Flugzeugen in München fest
Der Münchner Flughafen.
BR24 auf TikTok: Passagiere sitzen im Flugzeug fest
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